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Gletscher schmelzen von unten

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Gletscher Grönlands unter der Wasseroberfläche 100mal schneller schmelzen als an Land. Subtropisches Wasser, dass durch veränderte Zirkulation im Nordatlantik in die Gletscher-Fjorde gelangt, treibt die Unterwasserschmelze weiter an

Aus München SARAH MESSINA

Unter der Wasseroberfläche schmelzen die Gletscher Grönlands 100mal schneller als an Land - das ist das Ergebnis einer Studie US-amerikanischer Wissenschaftler, die im Fachmagazin Nature Geoscience veröffentlicht wurde. Ein Faktor, der bislang übersehen wurde, sagen die Forscher. Ihrer Ansicht nach könnte die Gletscherschmelze unter Wasser nicht nur eine wichtige, sondern die entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung des Gletschwerschwunds spielen.

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Der Equip Sermia Gletscher in Westgrönland ist einer der vier Gletscher, den die Wissenschaftler untersucht haben. (Foto: UCI)

Zwischen 1996 und 2007 hat sich Gletscherschmelze in Grönland nach Angaben der Wissenschaftler verdreifacht: In der letzten Dekade hat dabei der Eisverlust an der Oberfläche durch wärmere Lufttemperaturen zugenommen, während der Schneefall nur leicht zugenommen hat. Gletscher schmelzen jedoch nicht nur an der Oberfläche: Über die Folgen des Zusammentreffens von Eis und warmem Meerwasser unter der Meeresoberfläche sei allerdings noch wenig bekannt, sagt Eric Rignot von der University of California Irving (UCI). Bislang sind demnach ausschließlich in Alaska erste Messprojekte zur Eissschmelze unter Wasser vorgenommen worden.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler der UCI, British Columbia und der Nasa im Sommer 2008 Wassertemperaturen, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit der Fjorde in der Nähe von vier Gletschern in Westgrönland unter die Lupe genommen um erstmals submarine Schmelzraten zu untersuchen. "Die Ergebnisse zeigen, dass es für die Gletscherschmelze weitgehende Folgen haben kann, wenn das Wasser in Fjorden sich weiter erwärmt", so Rignot.

Warmes salziges Tiefenwasser wird in Fjorden gegen die "Oberfläche" der Gletscher unter Wasser getrieben, wo es mit dem kalten Süßwasser der Gletscher verschmilzt. Eine Meerestemperatur von 3 Grad Celsius kann täglich einige Meter Gletschereis abschmelzen oder im Laufe eines Sommer mehrere hundert Meter, warnen die Forscher.

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Subtropisches Wasser wird durch die Nordatlantik-Zirkulation an die Gletscher getrieben. (Foto: WHOI)

Die Wissenschaftler sehen mit ihrern Erkenntnissen auch eine Studie von Kollegen bestätigt: In der gleichen Ausgabe der Nature Geoscience schreiben Forscher des Woods Hole Oceonographic Instituts (WHOI) davon, dass durch Veränderungen der Zirkulation des Nordatlantiks große Mengen subtropischen Wassers die Grönland-Gletscher erreichen und die Unterwasserschmelze antreiben. Die warmen Wassermassen fließen mit höherer Geschwindigkeit durch die Fjorde und transportieren ihre Wärme bis an die Gletscherwärme, erklärt Ozeanografin Fiamma Straneo.

Für die Studie wurde der Sermilik Ford untersucht, der den Helheim Gletscher mit der Irminger Sea verbindet: In dem 100 Kilometer langen Fjord konnten die Wissenschaftler Wassertemperaturen von vier Grad Celsius messen. Allein 2003 ist der Helheim Gletscher demnach um sieben Kilometer geschrumpft und hat seine Fließgeschwindigkeit nahezu verdoppelt. "Es ist das erste Mal, dass wir so warmes Wasser in Grönlands Fjorden finden konnten", sagt Straneo.

In aktuelle Klimamodelle sind diese Faktoren noch nicht einbezogen, so die Wissenschaftler. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf Grönland besser verstehen zu können, müsse künftig auch die Unterwasserschmelze mit einakalkuliert werden, sagt Rignot: "Für Prognosen zur Gletscherschmelze sind die Interaktionen zwischen Eis, dem Ozean und der Gletscherränder entscheidend".

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