Umwelt-Medienpreis 2008 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

BP-Desaster lässt Ölpläne in Grönland wackeln

Die Katastrophe im Golf von Mexiko könnte den Ölkonzernen auch in Grönland die Geschäfte verderben. Dort sollen in diesem Sommer Unterwasser-Bohrungen beginnen, die Genehmigungen sind erteilt. Aber in Dänemark und Kanada wachsen nun die Bedenken. Auch weil die Konzernvertreter bei einer Anhörung nichts dazu sagen konnten, welche Auswirkungen eine Ölpest unter dem Eis hätte.

Aus Stockholm REINHARD WOLFF

Es sind begehrliche Blicke, die die Ölkonzerne derzeit nach Grönland richten. Das Küstengebiet vor der größten Insel der Welt gilt den Unternehmen als einer der "Top Hot-Spots" für die künftige Förderung von Erdöl. Erste Genehmigungen für Erkundungsbohrungen wurden bereits vergeben. Die Energiekonzerne Chevron, Exxon und Dong haben die Erlaubnis bekommen, vor der Westküste Grönlands nach Öl zu bohren - unter anderem in der Diskobucht mit dem bekannten Ilulissat-Eisfjord, wohin neben vielen TouristInnen auch schon Angela Merkel reiste, um sich als klimabesorgte Politikerin ablichten zu lassen. In bis zu einem Kilometer Meerestiefe sind dort Borhungen geplant - doch die BP-Katastrophe im Golf von Mexiko, die in 1,5 km Tiefe passierte, stellt diese Projekte nun grundsätzlich in Frage.

greenlandcom_ilulissat_icefjord

Ilulisat-Eisfjord in Grönland - nicht weit von hier wollen Chevron, Exxon & Co. ab Sommer 2010 nach Erdöl bohren  
(Foto: Greenland Tourism and Business Council)

"Die Katastrophe im Golf hat Probleme sichtbar gemacht, die wir uns nie im Leben vorgestellt haben", sagt Eyvind Vesselbo, Umweltsprecher der rechtsliberalen dänischen Regierungspartei Venstre: "Vor Grönland hätte so ein Ölaustritt schon wegen des viel rauheren Wetters noch verheerendere Folgen." Kopenhagen müsse die Frage der Ölerkundung vor Grönland von Grund auf neu prüfen. Bevor Bohrungen beginnen, müsse mehr Klarheit herrschen über mögliche Konsequenzen, fordern auch die UmweltsprecherInnen der oppositionellen Linkssozialisten und Sozialdemokraten, Steen Gade und Mette Gjerskov.

"Wir sind noch nicht bereit für ein Ölabenteuer"

Von einer baldigen völligen Selbständigkeit, gegründet auf künftigen Ölreichtum, hatte man in Grönland geträumt. Träume, die durch das Deepwater-Horizon-Unglück einen erheblichen Dämpfer erhalten haben. "Wir sind noch nicht bereit für ein Ölabenteuer", sagt Ove Karl Berthelsen, bei der grönländischen Selbstverwaltungsregierung für Ressourcenfragen zuständig: "Wir brauchen einen Sicherheitsstandard, den es hier noch nicht gibt." Und KNAPK, die Vertretung der grönländischen Fischer und Jäger fordert, einen sofortigen Bohrstopp, bis alle offenen Sicherheitsfragen geklärt sind.

"Wenn nun in der Diskobucht gebohrt wird und es passiert etwas, sind wir verloren", sagt der kommunale Bereitschaftschef Knud Petersen: "Wir könnten nichts tun, als zuzuschauen." Die vorhandenen Ölsperren und die sonstige Technik würden nicht einmal reichen, wenn ein Kreuzfahrtschiff auf Grund laufen und ein großes Treibstoffleck entstehen sollte. Trotz all dieser Bedenken sind die für diesen Sommer mindestens vier geplanten Ölbohrungen vor Westgrönland bislang noch nicht gestoppt worden.

Kritisiert werden die Bohrungen auch in Kanada - schließlich sollen sie nahe der Grenze zu kanadischen Gewässern stattfinden. Dort hat sich im Gefolge der Katastrophe im Golf von Mexiko eine ähnliche Debatte wie in Grönland und Dänemark entwickelt. Die Opposition hatte vergangene Woche in Ottawa eine Parlamentanhörung beantragt, in der Manager von Ölkonzernen und Prospektierungsgesellschaften Auskunft geben sollten, welche Konsequenzen ein Unglück wie das im Golf von Mexiko in der Arktis haben könnte. Die wenig beruhigende Auskunft auf der Veranstaltung: Keiner der Experten wusste auch nur zu sagen, welche Folgen ein Ölaustritt unter dem Eis haben würde und was genau man dagegen tun könnte.

In Kanada wollte BP eine Lockerung der Bohrvorschriften erreichen

Kanada hat für Bohrungen in tiefem Wasser strengere Regeln als die USA. So muss neben dem Hauptbohrloch immer gleichzeitig eine Entlastungsbohrung stattfinden, damit im Falle eines Unglücks zumindest ein Teil des Drucks aufgefangen werden kann. BP Kanada hatte vor dem Golf-Unglück in Ottawa noch einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung von dieser Vorschrift für geplante Bohrungen in der Beaufort-See gestellt. Begründung: Weil in arktischen Gewässern die eisfreie Bohrsaison nur kurz ist, sei eine solche Extrabohrung zu teuer und zeitaufwändig.

Das war wohl ein ausgesprochen schlechtes Timing für einen solchen Antrag, meint Raymond Ningeocheak von Nunavut Tunngavik, einer Organisation, die die Landansprüche der Inuit bei der Ausbeutung der Naturresssourcen in der kanadischen Arktis vertritt: "Es ist uns egal, wie schwer und teuer das ist. Wir wollen die strengstmöglichen Regeln haben."

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]
Dies könnte Sie auch interessieren:
Arktis-Aktivisten vor Grönland festgenommen
Arktis-Aktivisten vor Grönland festgenommen
Nach 40 Stunden Besetzung der Ölplattform Stena Don vor Grönland zwingen eisige Stürme die vier Kletterer in die Knie. Auf der Brücke wartete bereits die Polizei  [mehr...]
Greenpeace stoppt Ölbohrung
Greenpeace stoppt  Ölbohrung
Vier Aktivisten dringen auf Ölplattform in der Arktis vor. Im ökologisch sensiblen Gebiet vor Grönland mussten infolgedessen die Probebohrungen ausgesetzt werden    [mehr...]
Inuit erzwingen Expeditions-Stopp
Inuit erzwingen Expeditions-Stopp
Nach Protesten der Ureinwohner Kanadas und erfolgreicher Klage wurde die Expedition des Forschungsschiffs Polarstern abgebrochen  [mehr...]
Mehr Eis trotz Klimawandel
Mehr Eis trotz Klimawandel
Trotz fortschreitender Erderwärmung wächst die Eisfläche am Südpol – noch! Diesen scheinbaren Widerspruch haben Forscher jetzt enträtselt  [mehr...]
BP-Leck immer noch nicht versiegelt
BP-Leck immer noch nicht versiegelt
Bohrloch im Golf von Mexiko ist immer noch nicht verläßlich geschlossen. Weitere technnische Schwierigkeiten verzögern "Bottom-Kill"  [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!

tagebau-lausitz-470_boeck Die Linkspartei lädt am Wochenende zu einer hochrangig besetzten Konferenz zur Energiewende nach Hamburg ein – während in Brandenburg gegen Braunkohle, CCS und die fossile Politik der Linkspartei demonstriert wird. Ein Kommentar von Hanno Böck. [mehr...]

Werbung

Aus der Redaktion

Was, bitte, sollen denn diese Aufkleber?

germanyIm Redaktionsalltag gibt es immer wieder Themen und Texte, die uns besonders auffallen. Die brisanter sind als andere. Oder spannender. Oder bewegender. Mit bunten Aufklebern werden unsere Redakteurinnen und Redakteure (und gelegentlich auch Gäste) Sie künftig auf solche Texte hinweisen
Aktion des Monats

Raus aus der Tiefsee!

Seit drei Monaten sprudelt Öl aus der havarierten Bohrinsel von BP. Nehmen Sie an der Petition von Greenpeace teil, um neue Tiefseebohrungen zu verhindern! [mehr...]
Aktuelles Dossier 

Von Kopenhagen nach Cancun

Im August trifft sich die Weltklimadiplomatie zum dritten Mal in diesem Jahr um den nächsten großen Klimagipfel in Mexiko vorzubereiten. Mehr zur Bonner Konferenz hier  [mehr...]
herne_gp_ulrichbaatz_teas
Serie

Wie Klimakiller kippen

Reihenweise planten Stromkonzerne in Deutschland neue Kohlekraftwerke - doch rund ein Dutzend davon ist bereits verhindert worden. Gibt es Erfolgsrezepte für den Widerstand? [mehr...]
logo-afrika
Serie

Die Welt schaut nach Afrika

Der etwas andere Blick zur Fußball-WM: Klimaretter.info beleuchtet verschiedene Aspekte der Erderwärmung, die in Afrika sichtbar sind wie auf keinem zweiten Kontinent [mehr...]

Werbung

Dosenindustrie: Greenwash-Slogans verschrottet

Mitte Juli haben wir an dieser Stelle über den Versuch der Dosenindustrie berichtet, Getränkebüchsen grün anzumalen – und so deren Wiedereinführung auf dem Markt propagandistisch zu begleiten. Kurz darauf nahm sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) des Themas an. Und erreichte[…] [mehr...]

Aktuelle Blogs

Klimaretter-Dossiers

Bonn III - Die Sommerkonferenz der Klimadiplomaten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
1. Klimakonferenz 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel Cochbamba - Kopenhagen von unten
Kopenhagen 2009 - Wie der Mega-Gipfel scheiterte
Bundestagswahl - Das Klima war nur Nebensache
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung?

Werbung


Ressorts

Politik

merkel-kabinett

Regierung beschließt Sparpaket

Kürzen, kürzen, kürzen - jetzt gibt es über das Wie und Wo einen Regierungsbeschluss. Vor allem die sozial Schwachen müssen Einschnitte verkraften. Mehreinnahmen will die Regierung aber auch durch das Streichen von umweltschädlichen Subventionen erreichen. Zudem wurde die Luftverkehrs-Steuer beschlossen. Nur die Brennelementesteuer bleibt weiter offen - und wird erst mit dem Energiekonzept verhandelt. Von Johanna Treblin
[mehr...]
Energie

strommasten-nick

Bürgernetz Nordhessen will kommunale Stromnetze

In Grebenstein hat sich die Bürgernetz Nordhessen KG gegründet. Die Firma strebt eine Rekommunalisierung der Energieversorgung an und bietet Bürgern die Möglichkeit finanzieller Beteiligung [mehr...]
Protest

facebook-datacenter

Greepeace fordert Öko-Facebook

Facebook richtet ein neues Rechenzentrum ein, welches mit Kohlestrom versorgt wird - Greenpeace und 280.000 andere Facebook-Mitglieder protestieren [mehr...]
Wirtschaft

agrosprit-madera-pacificethanol

Kalifornien unterstützt Agrotreibstoffe

Der US-Bundesstaat Kalifornien will die angeschlagene Agrospritfirma Pacific Ethanol mit mehreren Millionen Dollar unterstützen. Der Gründer ist politischer Verbündeter des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger [mehr...]
Mobilität

landnahme-foe

Illegale Landnahme für Agrosprit

In Afrika nimmt die illegale Landnahme zu. Genutzt wird das Land vor allem von ausländischen Firmen, die Agrotreibstoffe für den europäischen Markt herstellen. Einer neuen Studie zufolge sind mindestens fünf Millionen Hektar Land betroffen [mehr...]
Forschung

Korallen-Konstanzestaud

Massives Korallensterben in Indonesien

Die dramatische Erwärmung der Oberflächentemperatur in den Gewässern um Indonesien hat für eine massive Korallenbleiche und das Absterben vieler Korallenriffe gesorgt   [mehr...]
Umwelt

wolken-indo

Millionenschäden durch Extremwetter in Hessen

Tornado auf Usedom, Tornado in Mittelhessen: An gleich zwei Orten in Deutschland wütete am Montagabend starker Sturm [mehr...]
Konsum

kuhlschrank_innen_sima

100 Euro für einen neuen Kühlschrank

Aktionsmonat zur Internationalen Funkausstellung: Kampagne "Energieeffizienz - jetzt" fordert das Aus für stromfressende Kühlschränke und bietet für den Kauf von A++ Geräten Zuschuss-Gutscheine [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar

tagebau-lausitz-470_boeck

Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!

Die Linkspartei lädt am Wochenende zu einer hochrangig besetzten Konferenz zur Energiewende nach Hamburg ein – während in Brandenburg gegen Braunkohle, CCS und die fossile Politik der Linkspartei demonstriert wird. Ein Kommentar von Hanno Böck. [mehr...]
Standpunkte

atom-traktor-campact

Energiekonzept: Die Trickserei der schwarz-gelben Bundesregierung

Heute übergeben die Bietergemeinschaft Prognos, das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) und die Gesellschaft für Strukturforschung (GWS) der Bundesregierung die Energieszenarien, die als Grundlage für das angekündigte nationale Energiekonzept dienen sollen. Es geht nicht darum, den Umstieg in eine solare Zukunft aufzuzeigen, sondern die Vorteile einer Laufzeitverlängerung deutlich zu machen, sagt Michael Müller, Staatssekretär a.D. und Mitherausgeber von klimaretter.info in seinem Standpunkt.
[mehr...]
Rezension

MKG_Klimakapseln_HausRucker_EnvironmentTransformer_cr
Klimakapseln: Überleben in der Katastrophe

Wie könnte eine Zukunft aussehen, in der es längst nicht mehr um Klimaschutz geht, sondern vor allem um die Anpassung an das Unvermeidliche? Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eröffnet heute die Ausstellung "Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe". Ein Rundgang
Von SARAH MESSINA
[mehr...]
Kolumnen

etscheid

Sehnsucht nach dem Hochglanzmorgen

Nur ein dünner Strahl warmes Wasser, Hände werden kalt gewaschen, die Dusche dauert zwei Minuten - beim Einseifen wird das Wasser ausgeschaltet. Der Morgenritus ist für einen sich umweltbewusst dünkenden Menschen nicht einfach. [mehr...]
Überraschung der Woche

Matthias-Willenbacher-klein-juwi

Erdgas, Merkels Gegenbewegung und Oliver Bierhoff

Kalenderwoche 34: Erdgas ist nicht Brückentechnologie, sondern eine Ergänzung des Strommixes auf dem Weg zu 100 Prozent Erneuerbaren, sagt Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und Mit-Herausgeber von Klimaretter.info. Und Oliver Bierhoffs Vater war im Vorstand von RWE – wie überraschend.
[mehr...]