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Entega: Öko-Konzern mit Schönheitsfehler

Schneemann-Demo, ein Atomfass auf Reisen und das "Café Endlager" - der Energiekonzern Entega macht mit provokanten Aktionen auf seinen Ökostrom aufmerksam. Das Unternehmen will auf 100 Prozent erneuerbare Energien setzen – gleichzeitig ist es mit dem Energieriesen Eon verflochten. Ist das glaubwürdig?

Von FELIX WERDERMANN

"Café Endlager" - die Buchstaben aus grünen Neonröhren sind etwa einen Meter groß und prangen an der Eberhardstraße 65 in Stuttgart. Der Name ist keine findige Idee eines Kneipenbesitzers, sondern wurde wohl eher in der Werbeagentur "Bureau N" erdacht – im Auftrag des Energieunternehmens Entega. Das finanziert nämlich die Kunstausstellung, die sich hinter dieser Hausfassade verbirgt.

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Entega wirbt mit dem "Café Endlager" für Strom aus Erneuerbaren. (Foto: Entega)

Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern sind Bilder zur Atomenergie zu sehen – vom Uranabbau über die Katastrophe von Tschernobyl bis hin zum Widerstand gegen die Hochrisikotechnologie. Besucher können täglich von 12 bis 22 Uhr vorbeischauen, doch inzwischen ist Beeilung angesagt, denn an diesem Wochenende öffnet das Café Endlager zum letzten Mal seine Pforten. Dabei wurde die Ausstellung schon um zwei Wochen verlängert – wegen der positiven Resonanz, wie es bei Entega heißt.

Neuausrichtung von Entega?

Ein Stromkonzern, der politische Aufklärungsarbeit über Atomenergie leistet? Oder geht es doch eher um das grüne Mäntelchen, das sich Entega gern umhängen möchte? Schließlich hat das Unternehmen aus Darmstadt bis vor zwei Jahren selbst noch Atomstrom produziert und den Berg an strahlendem Müll vergrößert. Nun ist auf der Internetseite von einer Neuausrichtung zu lesen: "Wir haben 2008 den entscheidenden Schritt gewagt und uns komplett auf Ökostrom umgestellt. Warum? Weil es nötig war."

Ganz falsch ist diese Aussage nicht, ganz richtig allerdings auch nicht. Denn Entega wirbt neue Kunden tatsächlich mit Ökostrom, die alten beziehen aber teilweise immer noch Strom aus fossilen Quellen. Der gesamte Konzernmix ist zwar deutlich besser als der Bundesdurchschnitt, trotzdem kommt ein Drittel des Stroms aus Gas- oder Kohlekraftwerken.

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Die Aktionäre von Eon freuen sich auch, wenn Entega viel Geld verdient - bisher jedenfalls noch. (Foto: Werdermann)

Entega will bis 2015 eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investieren, weit mehr als in die klimaschädliche Stromerzeugung, sagt ein Unternehmenssprecher. "Das geht in die richtige Richtung", attestiert Florian Noto vom Bündnis "Atomausstieg selber machen", in dem 21 große Umweltverbände zusammengeschlossen sind. "Aber Eon ist zur Zeit der Klotz am Bein."

Der Energieriese aus Düsseldorf ist nämlich eher für seine Kohle- und Atomkraftwerke bekannt – und er hat auch bei Entega seine Finger im Spiel. Denn Entega gehört zu drei Vierteln der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) und daran wiederum ist Eon mit 40 Prozent beteiligt. Die HSE gehört zwar mehrheitlich der Stadt Darmstadt, die somit auch die stärksten Einflussmöglichkeiten hat – nichtsdestotrotz verdient Eon letztendlich am Ökostromangebot von Entega.

Eon will Entega verkaufen

Der Entega-Strom sei "bestimmt besser, als wenn man direkt bei Eon Kunde ist", sagt Atomkraftgegner Noto. "Eine aktive Empfehlung würde ich aber nicht aussprechen." Er wirbt stattdessen für vier reine Ökostromanbieter, die nicht verflochten sind mit den großen Energiekonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall.

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Entega lässt ein Atomfass rollen - symbolisch. (Foto: Screenshot Youtube)

Vor zwei Jahren hatte Noto das Angebot von Entega sogar noch als "Schummelstrom" bezeichnet, heute ist sein Ton moderater – wohl auch, weil Eon erklärt hat, die HSE und damit auch Entega noch in diesem Jahr verkaufen zu wollen. Eigentlich sollte der Deal schon im letzten Jahr über die Bühne gehen. Kommunale Versorger haben von Eon die Thüga aufgekauft, zu der die HSE damals gehörte. Weil die Thüga aber zu teuer war, wurde unter anderem die HSE aus dem Verkaufspaket herausgenommen.

Ein Atomfass auf Reisen

Nun könnte es gut sein, dass sich Entega dieses Jahr von Eon trennt. Insofern seien die Öko-Kampagnen von Entega "nicht nur ein Werbe-Gag", sagt Noto. Das Café Endlager ist auch nicht die erste Protest-Aktion des Stromanbieters. Zuvor war ein Atomfass eine Woche lang quer durch Deutschland unterwegs – um auf die ungelöste Endlagerfrage aufmerksam zu machen. Videos zeigen, wie es in Berlin, Hannover, Köln und München durch die Straßen gerollt wird, bevor es im Stuttgarter Café Endlager ankommt. Eine ähnliche Aktion hatte vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr die Non-Profit-Organisation Campact durchgeführt.

Auch für den Klimaschutz hat Entega schon demonstriert. Dafür wurden auf dem Berliner Schlossplatz Schneemänner aus Kunstschnee aufgebaut – für eine halbe Millionen Euro. Wieviel sich Entega die Aktionen mit dem Atomfass und der Kunstausstellung kosten lässt, möchte das Unternehmen nicht bekanntgeben.

Der einzige Stromlieferant, der politischen Protest unterstützt, ist Entega natürlich nicht. Die Ökostromanbieter Lichtblick und EWS hatten beispielsweise Züge zur Anti-Atom-Menschenkette im vergangenen Monat gesponsert. Und auch die Atomkonzerne geben für Polit-Aktionen Geld aus: Sie hatten Azubis zum Atomkraftwerk Biblis geschickt, um sie gegen die Stillegung des Uraltreaktors demonstrieren zu lassen.

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