Regierung soll Haushaltssperre aufheben
Die staatliche Förderung klimafreundlicher Wärmeanlagen steht seit Wochen auf der Kippe. Die Grünen möchten nun die Koalition zwingen, Farbe zu bekennen. Schon in der kommenden Woche wollen sie beim Haushaltsausschuss beantragen, die Finanzsperre aufzuheben, die im März über das sogenannte Marktanreizprogramm verhängt wurde.
Aus Berlin FELIX WERDERMANN
Knapp 300 Millionen Euro sind für das umweltschonende Wärmen in diesem Jahr eingeplant, 115 Millionen allerdings wegen der angespannten Haushaltslage bis auf weiteres gesperrt. Die Grünen fordern nun, diese Summe wieder freizugeben. Im entsprechenden Antrag an den Haushaltsausschuss, der wir-klimaretter.de vorliegt, heißt es: "Um eine sinnvolle Verausgabung der Mittel zu gewährleisten und die betroffenen InvestorInnen nicht weiter zu verunsichern, ist es nötig, die Sperre der Mittel unverzüglich aufzuheben." Bei dem sogenannten Marktanreizprogramm werden unter anderem Sonnenkollektoren, Biomasseheizungen und effiziente Wärmepumpen bezuschusst.

Produktion von Vakuumröhrenkollektoren zur solaren Wärmeerzeugung. (Foto: BSW-Solar)
Tatsächlich ärgert sich die Industrie schon seit langem über die unsichere Zukunft der Förderung. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fürchtet einen Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen, sollten die Gelder nicht freigegeben werden. Bislang hatte der Verband auf eine schnelle Lösung gedrängt, jetzt nannte BEE-Präsident Dietmar Schütz ein konkretes Datum: Am nächsten Mittwoch müsse der Haushaltsschuss die Sperre "unbedingt aufheben", forderte er. Gleichzeitig räumte Schütz aber ein: "Bis vor kurzem hatte ich den Eindruck, dass es am Mittwoch laufen wird, aber inzwischen bin ich skeptischer geworden."
Fiskalpolitik über Umweltpolitik
In der Branche kursiert das Gerücht, die FDP-Haushaltspolitiker würden sich gegen eine Freigabe der Mittel sträuben. Otto Fricke, haushaltspolitischer Sprecher der Liberalen, war heute für ein Statement nicht zu erreichen. Sein Unions-Kollege Norbert Barthle verbreitete letzte Woche schon mal vorsichtigen Optimismus: "Die Entsperrung dürfte nach meiner Einschätzung schon sehr bald möglich sein."
Die Energie- und Umweltpolitiker der CDU fordern ebenfalls die Freigabe der Gelder. Beim Bundesindustrieverband Haus- Energie- und Umwelttechnik (BDH) spricht man mittlerweile von einem "kleinen Kreis an Haushaltspolitikern, die sich als renitent erweisen". Für Geschäftsführer Andreas Lücke ist klar: "Jetzt regiert die Fiskalpolitik über die Umweltpolitik."
Konkret hat das zur Folge, dass beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) niemand weiß, wie lange die Öko-Heizungen noch gefördert werden können. Seit letzter Woche wird wieder ausgezahlt, ist beim BAFA zu erfahren. Das vorläufige Budget war schon im März aufgebraucht, seit fast zwei Wochen gibt es nun einen neuen Haushalt – aber die Sperre bleibt ein Unsicherheitsfaktor.
Haushaltssperre auf "Investitionsmotor"
Das CDU-geführte Bundesumweltministerium bemüht sich derweil um die Freigabe der Mittel, doch das Bundesministerium für Finanzen (BMF) scheint zu blockieren. Auf eine Position möchte man sich dort nicht festlegen. "Ich glaube nicht, dass ich das kommentieren will“" sagt ein Sprecher. Für Sven-Christian Kindler, Haushaltsexperte der Grünen, ist klar: "Das BMF verhindert bisher eine Aufhebung der Sperre." Dabei könne die Fortführung des Programms durchaus jede Menge Geld in den Steuersäckel spülen, sagt Kindler und bezieht sich auf das Umweltministerium. Das hat ausgerechnet, dass durch jeden Fördereuro gleich sieben bis acht Euro an Investitionen hervorgerufen werden.
Wie wichtig dem Umweltministerium die Förderung fürs klimafreundliche Heizen ist, lässt sich auch an Hand früherer Äußerungen erahnen: Das Programm habe sich als "Investitionsmotor" bewährt, hieß es im Oktober letzten Jahres. Noch kurz vor der Haushaltssperre meldete das Ministerium einen Förderrekord im vergangenen Jahr und versprach: "Im Jahr 2010 wird die Förderung kontinuierlich fortgesetzt."
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 02 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Reimers kleine Zahlenkunde
930 Euro für Angela Merkel Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Treffer Röttgen - aber nicht versenkt Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Wegen fehlender Einnahmen aus dem Emissionshandel kürzt das Finanzministerium erneut das sogenannte Marktanreizprogramm
Erneuerbare sollen wieder besser gefördert werden: Der Ausbau von Solarwärmetechnik lohnt sich damit wieder mehr
Trotz der Turbulenzen wurden im vergangen Jahr über 100.000 neue Sonnenwärme-Anlagen installiert. Die Branche erwartet einen Aufschwung für 2011
Solaranlagen haben im ablaufenden Jahr über 18 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist
50 Prozent mehr Geld für klimabewusste Hausbesitzer
Mehr als zwei Drittel des Stromverbrauchs von Privathaushalten könnten durch Solarenergie gedeckt werden. Infos zu Dachflächen und Solar-Faktoren will der Berliner Senat mit dem Solaratlas geben
Im italienischen Syrakus gibt der Energieversorger Enel den offiziellen Startschuss für ein solarthermische Kraftwerk mit einer Leistung von 5 Megawatt. Zum Einfangen der Sonnenenergie setzt "Archimedes" auf Flüssigsalz
Osteuropa holt auf und gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Branche der Erneuerbaren Energie
Der Haushaltsausschuss des Bundestags gibt die Gelder zur Förderung umweltfreundlicher Heizanlagen wieder frei. Gleichzeitig kündigt das Finanzministerium weitere Kürzungen in den nächsten Jahren an. Die Öko-Branche fordert daher eine neue "Erneuerbare-Wärme-Prämie", die unabhängig vom Bundeshaushalt funktionieren soll. Zahlen müsste dabei die fossile Industrie. Aus Berlin Felix Werdermann
168 Millionen US-Dollar für "Ivanpah Power Tower" in der kalifornischen Mojave Wüste
Noch 3 Tage bis Cancún: Die Regierungskoalition hat eine Haushaltssperre über Klimaschutzgelder aus dem Sondervermögen "Energie- und Klimafonds" verhängt , um in Cancún mit Zuckerbrot und Peitsche Druck für ein neues Abkommen zu machen. Die in Kopenhagen schon zugesagten Gelder verspricht sie nun ein zweites Mal. klimaretter.info sprach darüber mit Anja Esch, Referentin für internationale Klimafinanzierung bei Germanwatch. Interview: Martin Reeh



