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Kohlelobby schwärzt Windkraft an

Überbewertet, ineffizient und viel zu teuer: Der neoliberale dänische Think-Tank CEPOS kommt zu seltsamen Resultaten über Windenergie in Dänemark. Kein Wunder: Der Rapport ist von der US-Kohle- und Öllobby finanziert

Aus Stockholm REINHARD WOLFF

Das dänische Windkraftmodell ist am Ende: Eigentümer von Windenergieanlagen werden mit 25 Öre (umgerechnet etwa 3 Cent) pro Kilowattstunde subventioniert, die auf die Strompreise umgelegt werden. Das rechnet sich nicht und wird nur durch staatliche Subventionen künstlich am Leben gehalten. Die DänInnen haben über Strompreise, die zu den höchsten Europas gehören, in den letzten acht Jahren fast eine Milliarde Euro für eine Windenergieproduktion bezahlt, die dann im Ausland zu Niedrigpreisen verschleudert oder gar verschenkt wurde. Und die Einsparung einer Tonne Kohlendioxid durch Windenergie kostet in Dänemark 87 Euro.

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Offshore-Windpark Middelgrunden vor der Küste Kopenhagens

Lesen kann man solche und andere merkwürdige Behauptungen, wie zum Beispiel, dass die Windenergie nicht wie offiziell für 20 Prozent, sondern nur für weniger als zehn Prozent der dänischen Stromversorgung ausmacht, in dem vor einigen Monaten erschienenen Rapport "Wind energy – The case of Denmark". Die dürre Studie von 39 Seiten musste erst in den USA herhalten, um gegen den Ausbau von Windenergie politisch Stimmung zu machen. Und erfreut sich offenbar mittlerweile auch bei deutschen Windkraftkritikern einiger Beliebtheit.

"Unkorrekt und irreführend"

Dabei stört es offenbar nicht weiter, dass dieser Rapport bereits vor längerer Zeit vom Direktor des dänischen Elektrizitätsnetzbetreibers "Energinet" als "unseriös" abgetan wurde. Dass Dänemarks rechtsliberale Energieministerin Lykke Friis ihm vorwarf ein "Zerrbild" zu malen und 14 führende Energieexperten und Universitätsforscher die in ihm enthaltenen Berechnungen als "unkorrekt und irreführend" zurückgewiesen haben. Trägt der Bericht doch einen wohlklingenden und vermeintlich seriösen Absender: Das dänische "Center for Politiske Studier" (Zentrum für politische Studien, CEPOS). Dahinter verbirgt sich ein privater und sponsorfinanzierter neoliberaler Think-Tank. Gegründet 2005 und inspiriert von konservativen US-Vorbildern wie "American Enterprise Institute" und  "Heritage Foundation". Bei Kommentatoren haben seine ultraliberalen Ergüsse dem Think-Tank auch schon den Spitznamen "Think-Gestank" eingebracht.

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Mit einem Anteil von 20 Prozent Windenergie liegt der dänische Energiemix im Europa-Vergleich weit vorn. (Fotos: Messina)

Deshalb ist es eigentlich wenig verwunderlich, aber doch bezeichnend, was die dänische Technikpublikation "Ingeniøren" kürzlich in ihrer Webbausgabe melden konnte: Die Windkraftstudie sei bei CEPOS durch die US Kohle- und Öllobby durch ihr "Institute for Energy Research" (IER) in Auftrag gegeben und finanziert worden. CEPOS-Direktor  Martin Ågerup bestätigte mittlerweile diesen Auftraggeber, will aber angeblich nicht gewusst haben, wer hinter IER steckt.

"Das Resultat war bestellt"

Der Verband der dänischen Windmühlenindustrie, der von Anfang an vermutet hatte, dass die Fossillobby bei dem Bericht ihre Finger im Spiel gehabt haben musste, forderte CEPOS mittlerweile in einem offenen Brief auf, sich zu erklären. Man sehe dem Bericht an, "dass das Resultat bestellt war", sagt Jan Hylleberg, Direktor des Branchenverbands: CEPOS habe sich missbrauchen lassen und die Windmühlenindustrie in Misskredit gebracht. Hylleberg: "Der Rapport ist so mangelhaft, dass er sofort zurückgezogen werden müsste."

Mette Gjerskov, klima- und energiepolitische Sprecherin der Sozialdemokraten wittert beinahe Landesverrat: "Es tendiert ja zu einer für dänische Interessen direkt abträglichen Tätigkeit, wenn CEPOS mit falschen Behauptungen über die Windenergie eine Tournee durch die USA macht und damit unserem Windmühlenexport schadet." Wer uns sponsert fördert unsere "Arbeit für bürgerlich-liberale Werte in Dänemark" verkündet CEPOS auf seiner Webbseite.
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