Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Datteln: Bebauungsplan endgültig unwirksam

Das Bundesverwaltungsgericht hat heute entschieden, keine Revision zur Aufhebung des Bebauungsplans für das Eon-Kohlekraftwerk Datteln zuzulassen. Es erscheint zunehmend unwahrscheinlicher, dass das Kraftwerk je ans Netz gehen wird

Aus Berlin HANNO BÖCK

Der größte europäische Energiekonzern Eon ist weiterhin optimistisch, das größte im Bau befindliche Kohlekraftwerk ans Netz zu bringen. "Wir werden in unseren Bemühungen, die planungsrechtlichen Grundlagen herzustellen, nicht nachlassen", so Andreas Brandtner, Sprecher der Eon Kraftwerke GmbH. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute die Revision der Stadt Datteln und der Eon Kraftwerke GmbH zurückgewiesen. Damit ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3. September 2009 ist damit rechtskräftig.

Im vergangenen Jahr hatte das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden, dass der Bebauungsplan für das Kohlekraftwerk Dattel in Nordrhein-Westfalen ungültig sei. Eon und die Gemeinde Datteln wollten gegen das Urteil in Revision gehen, dies wurde vom Oberverwaltungsgericht abgelehnt. Daraufhin hatte Eon sowie Datteln vor dem höchsten deutschen Verwaltungsgericht Beschwerde eingelegt. Doch diese wurde am heutigen Dienstag abgelehnt.

kohlekraftwerk-datteln
Die umstrittene Kohlekraftwerks-Baustelle von Eon in Datteln.

"Der Bebauungsplan ist nun endgültig vom Tisch, es sind keine weiteren Rechtsmittel möglich", erläutert Rechtsanwalt Philipp Heinz, der die Kläger vertritt, das Urteil, "nun muss die Bezirksregierung einen vollständigen Baustopp verhängen."

Nach dem Urteil im September 2009 wurde zunächst ein teilweiser, später ein fast vollständiger Baustopp verhängt. Zwischenzeitlich hatte die Bezirksregierung jedoch im Rahmen eines Sofortvollzuges einen Großteil der Bauarbeiten wieder zugelassen. Die Bezirksregierung hatte jedoch mehrfach erklärt, im Falle eines klaren endgültigen Urteils einen vollständigen Baustopp zu verhängen. Von der Bezirksregierung konnten wir bislang keine Stellungnahme erhalten.

Um das Kraftwerk noch zu realisieren, müsste nun ein komplett neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Ein solches Verfahren würde nach übereinstimmender Aussage von Klägern und Beklagten über mindestens ein Jahr, eher deutlich länger, hinziehen. In der morgigen Ratssitzung der Stadt Datteln soll hierzu der Weg geebnet werden.

"Nach wie vor halten wir die Probleme für lösbar und das Kraftwerk für genehmigungsfähig", erklärt Eon-Sprecher Brandt. Sollte ein Verfahren für einen neuen Bebauungsplan eingeleitet werden, geht Eon davon aus, die Bauarbeiten fortsetzen zu können. "Einen zweijährigen Baustopp kann ich mir kaum vorstellen." Neben dem Kraftwerk in Datteln plant Eon an drei weiteren Standorten in Deutschland neue Kohlekraftwerke (Wilhelmshaven, Staudinger/Großkrotzenburg, Stade). Bürgerinitiativen hoffen, an den anderen Standorten mit ähnlichen Gerichtsverfahren die Eon-Pläne zu stoppen.

dattelnbaustelle
Die Bauarbeiten müssen nun ruhen.

Die schwarz-gelbe Landesregierung Nordrhein-Westfalen hatte hierzu im vergangenen Dezember den Weg geebnet und die Klimaschutzparagraphen aus dem Landesentwicklungsgesetz gestrichen – ausgerechnet während dem Klimagipfel in Kopenhagen. Kritiker sprachen von einem "Lex Eon".

 

Interview mit Rechtsanwalt Philipp Heinz

philippheinzRechtsanwalt Philipp Heinz vertritt einen Landwirt, der gegen den Bau des Kohlekraftwerks Datteln in Nordrhein-Westfalen klagt. Datteln ist der größte im Bau befindliche Kohlekraftwerksblock in Deutschland. Nach der heutigen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes sinken die Chancen, dass es je ans Netz geht.

wir-klimaretter.de: Herr Heinz, sie vertreten die Kläger gegen das Kohlekraftwerk Datteln in Nordrhein-Westfalen. Worum geht es dabei?

Phillip Heinz: Im vergangenen Jahr hat das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan des Kraftwerks für ungültig erklärt. Damit wurde dem Kraftwerk die Genehmigungsgrundlage entzogen und ein Teil der Bauarbeiten wurde eingestellt.

Heute hat nun das Bundesverwaltungsgericht die von Eon und der Stadt Datteln beantragte Revision abgewiesen. Was bedeutet dies?

Eon und die Stadtverwaltung Datteln hatten versucht, die Zulassung der Revision gegen das Urteil zu erkämpfen. Dies hatte das Oberverwaltungsgericht abgelehnt. Die heutige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt dies. Damit ist das Urteil endgültig rechtskräftig und der Bebauungsplan praktisch nicht mehr existent.

Was bedeutet das für die Kraftwerksbaustelle?

Die Bezirksregierung muss nun einen endgültigen Baustopp verhängen. In den vergangenen Monaten hat die Bezirksregierung an Teilen der Baustelle die Bauarbeiten wieder aufnehmen lassen. Jedoch wurde mehrfach schriftlich und mündlich erklärt, dass im Falle einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung ein vollständiger Baustopp verhängt würde. Die Bezirksregierung ist also jetzt in Zugzwang. Sollte die Bezirksregierung dem nicht nachkommen, werden wir weiter Rechtsmittel prüfen.

Ist damit das Kraftwerk endgültig vom Tisch?

Es besteht nun theoretisch die Möglichkeit, einen komplett neuen Bebauungsplan aufzusetzen. Hieran anschließen müssten sich vermutlich gravierende Änderungen an den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen. Das Verfahren, nachträglich einen Bebauungsplan für ein schon halb fertiges Kraftwerk aufzustellen, ist juristisch sehr problematisch und fehlerträchtig. Die Landesregierung hatte hierfür im Dezember versucht, eine der vielen Hürden mit der Streichung eines Klimaschutzparagraphen zu nehmen. Morgen wird es im Stadtrat von Datteln zum Beginn eines neuen Bebauungsplanverfahrens eine Entscheidung geben.

Allerdings dauert ein solches Verfahren mindestens ein, eher zwei Jahre. Sämtliche Gutachten müssten neu eingeholt werden. Insgesamt kann man sagen, dass mit der heutigen Entscheidung die Warscheinlichkeit deutlich gesunken ist, dass das Kraftwerk Datteln jemals ans Netz geht.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Werbung

Meinungen: Rezension

Die Übermacht der fossilen Industrie

In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]

Meinungen: Standpunkte

"Altmaier muss die Energiewende retten"

Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]

mehr...

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache

DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Energie


Neue solare Rekorde

In Spitzenzeiten tragen Photovoltaikanlagen mittlerweile mit einer Leistung von 19.000 Megawatt zur Stromversorgung bei [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Offshore bietet 8.600 Jobs

Bundesregierung: Für den Technologiebereich gibt es noch keine spezifischen Aus- und Fortbildungsprogramme [mehr...]
Mobilität


Deutscher Flugverkehr drastisch angestiegen

Seit 2000 hat sich die Zahl der Flugpassagiere in Deutschland um knapp 40 Prozent erhöht [mehr...]
Forschung


"Pegasos" macht sich an die Arbeit

Luftschiff erforscht Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel [mehr...]
Umwelt


Total: Gasleck ist jetzt dicht

Schon nach zwölf Stunden meldet der französische Konzern den Erfolg seiner Abdichtungsmaßnahmen in der Nordsee [mehr...]
Ernährung


Klima-Fußabdruck für Rindfleisch

Die genossenschaftlich organisierte Firma Westfleisch: je Kilogramm entstehen 15,3 Kilogramm CO2-Äquivalente [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"KWK aus dem Schattendasein holen"

 Der Bundestag beschließt ein neues Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz: Schon wieder aber wird die dezentrale und hocheffiziente Mini-KWK-Technologie stiefmütterlich behandelt, analysiert Oliver Krischer, Sprecher der Bündnisgrünen für Energie- und Ressourceneffizienz in seinem Standpunkt. [mehr...]
Rezension


Kunst für ein richtig gutes Leben

Was ist ein "gutes Leben"? Was macht wirklich glücklich? In der Ausstellung "SurVivArt" in Berlin gehen Künstler aus verschiedenen Ländern diesen Fragen nach. Dabei stehen Projekte im Zentrum, die sich mit Klimawandel, Konsum und Gender-Rollen befassen.
Eine Rezension von Lea Wortmann
[mehr...]
Kolumnen

nick3
930 Euro für Angela Merkel

Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Überraschung der Woche


Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]