Vattenfall verkauft sein Hochspannungsnetz
Der Energiekonzern Vattenfall hat sein Hochspannungsnetz verkauft. Die 9.600 Kilometer lange Stromautobahn im Nordosten Deutschlands gehört jetzt dem belgischen Netzbetreiber Elia und dem australischen Fonds IFM. Vattenfall folgt damit seinem Konkurrenten Eon, der sein Netz bereits veräußert hat. Die Konzerne geben damit dem Druck aus der EU nach, Hochspannungsnetz und Betrieb zu entflechten. Und Vattenfall bekommt einen neuen Chef: Der Norweger Løseth soll im April dem rausgeworfenen Schweden Josefsson folgen
Aus Berlin STEPHAN KOSCH und SUSANNE GÖTZE
Seit Jahren drängt die EU-Kommission darauf, dass deutsche Energieversorger Betrieb und Netz wirtschaftlich trennen. Dass vier große Stromproduzenten sich hierzulande 90 Prozent der Netze aufgeteilt haben, hält Brüssel mit dem europäischen Wettbewerb nicht vereinbar. Auch wenn die deutsche Regierung eine Enteignung der Netze immer zu verhindern wusste, ist es in den letzten Jahren immer enger geworden. Deshalb verkaufte Eon schon im Februar sein Hochspannungsnetz an die niederländische Tennet verkauft. Nun hat Vattenfall - wie heute bekannt wurde - nachgezogen und seine Netztochter "50Hertz", die eine Trasse von 9600 Kilometer verwaltet, an den belgischen Netzbetreiber Elia und den australischen Fonds IFM für rund 500 Millionen Euro verkauft. Der Verkauf der nordöstlichen Trasse hat zudem aufgrund seiner Nähe zu den Windkraft-Standorten, vor allem den geplanten Off-Shore Parks, eine besondere Bedeutung.

Nach dem Energieriesen Eon verkauft nun auch Vattenfall sein Hochspannungsnetz an ausländische Firmen
Wichtigste Information für die 18 Millionen Verbraucher im Nord-Osten Deutschlands: An den Preisen ändere sich zunächst nichts. Immerhin werden die Durchleitungspreise der Netzbetreiber auch mittlerweile von der staatlichen Regulierungsbehörde geregelt.
Hinfällig werden damit allerdings die Pläne der Bundesregierung, die Hochspannungsnetze in Deutschland in einer einheitlichen Gesellschaft, der so genannten Deutsche Netz AG zu bündeln. Im Koalitionsvertrag hatten die Parteien eine solche Betreibergesellschaft vorgesehen, um den Forderungen aus Brüssel gerecht zu werden. Dabei ging es darum, das deutsche Hochspannungsnetz von 220kV bzw. 380 kV unabhängig unter einem Dach zu verwalten. Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe AG fand eine deutsche Lösung ohnehin nicht sehr sinnvoll, er ist vielmehr von einer europaweiten Lösung überzeugt.
Ingrid Nestle, die für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag sitzt, hält den Schritt Vattenfalls wichtig, um mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt zu schaffen – allerdings müsse die Bundesregierung nun Druck auf die beiden verbleibenden Betreiber RWE und EnBW ausüben, damit auch sie ihre Netze verkauften.
Für die Käufer dürfte das ein guter Tag sein: An den australischen Fonds IFM sind 36 gemeinnützige Pensionsfonds angeschlossen für die eine Investition in Netze immer als eine sichere Option gilt. Für die belgische Elia hat der Kauf vor allem strategische Bedeutung, da sie sich mit dem Kauf den Zugang zur Ostsee. Elia gehört zu knapp 25 Prozent dem belgischen Versorger Electrabel.
Neuer Vattenfall-Chef wegen Pannenserie
Gleichzeitig kündigte Vattenfall heute an, dass es einen Wechsel an der Führungsspitze bevorsteht. Schon im April soll der jetzige Chef des schwedischen Unternehmens Lars
Josefsson durch den Norweger Øystein Løseth abgelöst werden. Dieser war bis vor kurzem noch Chef beim niederländischen Energieversorger Nuon, der ebenfalls Vattenfall gehört. Josefsson ist nun zehn Jahre in dem Amt.

Der neue Vattenfall-Chef Øystein Løseth (Foto: Nuon)
Hintergrund für Joseffsons Rausschmiß ist die Pannenserie in Vattenfalls deutschen und schwedischen Atomkraftwerken. Josefsson muss sich in Deutschland vor allem für die wurde norddeutschen Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel verantworten, die seit drei Jahren fast ununterbrochen stillstehen. Die schwedische Regierung entzog Josefsson schon im November das Vertrauen. Grund waren Pläne des Konzerns, ihr einheimisches Stromleitungsnetz zu verkaufen, um Kapital für Investitionen in die Atomstromproduktion in Großbritannien freizumachen. Dieses Unterfangen wurde gestoppt und Josefsson scharf für seine Konzernführung kritisiert. Er habe das Staatsunternehmen in eine Krise geführt, die ständigen Sicherheitsprobleme in deutschen und schwedischen AKW's hätten das Vertrauen in den Konzern untergraben, Vattenfall engagiere sich viel zu wenig in den Ausbau grüner Energieproduktion und sei auch nicht profitabel genug, so die Begründung.
(Fotos: Reimer, WWF, Nuon)
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