Eon macht 5,3 Milliarden Gewinn
Der größte europäische Energiekonzern bilanziert sein Geschäftsjahr: Erstmals ist das Wachsen ins Stocken geraten und der Chef nimmt seinen Hut. Klimaschützer kritisieren altes Denken und fordern Stopp von Kohlekraftwerken
Von NICK REIMER und HANNO BÖCK
Eons Geschäftsjahr 2009 in Zahlen: 6 Prozent weniger Umsatz, 5 Prozent weniger Gewinn. Das bedeutet für den Branchenriesen natürlich immer noch gigantische Zahlen: Der Umsatz lag 2009 bei 82 Milliarden Euro, was mehr ist als etwa das Bruttoinlandsbrodukt von Ländern wie Bolivien, Uganda oder Bosnien. Und der um Zukäufe bereinigte Gewinn lag bei 5,3 Milliarden Euro, was immer noch ein ganz schöner Batzen ist. Zum Vergleich: Der Gewinn des Strom- und Gaskonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um 20 Prozent auf 879,1 Millionen Euro gesunken.

Die Fotos stammen von der Demo am Eon-Kraftwerk Staudinger (Fotos: Reimer)
Für die Aktionäre aber bedeuten die Zahlen einen Rückschlag: 2008 hatte der Gewinn noch knapp 10 Milliarden betragen. Erstmals in den letzten sieben Jahren wird die Rendite nicht erhöht, mit 1,50 Euro je Aktie liegt die Ausschüttung auf dem Niveau des Vorjahres, womit knapp 54 Prozent des Gewinns an die Aktionäre geht.
Tatsächlich hat Eon ein schwieriges Jahr hinter sich, nicht nur auf Grund der Wirtschaftskrise: Zuerst musste der Konzern eine Reihe von Auflagen durch die EU umsetzen, um einer milliardenschwere Vertragsstrafe zu entgehen. Dann war auch noch ein Baustopp für Datteln verhängt worden und die Baupläne für ein Kohlekraftwerk im britischen Kingsnorth musste Eon beerdigen. Eons milliardenschwere Investition in Kohlekraftwerkstechnik droht nun zum Geschäftsdesaster zu werden.
"Eons Geschäftsbericht verschleiert nicht nur die Verantwortung des Unternehmens für den Klimawandel, sondern auch zentrale Unternehmensrisiken", urteilt deshalb Sven Harmeling von Germanwatch. Die wirtschaftlichen Risiken des Neubaus von Kohlekraftwerken seien für die Aktionäre erheblich, was immer wieder auch Studien aufgezeigt hatten. Neben vier neuen Kohlekraftwerken in Deutschland (Stade, Wilhelmshaven, Großkrotzenburg, Datteln) setzt der Konzern auch international auf Kohle. In Rotterdam (Holland, bereits im Bau) und Sardinien (Italien, in Planung) sollen neue Kohlekraftwerke entstehen. Auch das Projekt Kingsnorth (England) ist nicht völlig gestorben: Fördergelder der britischen Regierung könnten es bald wiederbeleben.
Ann-Kathrin Schneider, Klima-Expertin bei Oxfam Deutschland, rechnet vor, dass Eon mit seinem aus Kohlekraft erzeugten Strom für 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emission pro Jahr in Deutschland verantwortlich ist. "Das ist die Menge, die Norwegen oder Bangladesch jährlich ausstoßen", so Schneider. Und bisher bekommt der Konzern seine Emissionszertifikate zu 90 Prozent vom Staat geschenkt. Erst 2013 müssen die Stromversorger 100 Prozent zahlen.
Trotzdem scheint sich das auch dann noch zu rechnen. "Während andere Konzerne sich zunehmend vom Neubau von Kohlekraftwerken verabschieden, setzt Eon seine fossile Investitionspolitik unbeirrt fort“, urteilt Elias Perabo von der Klima-Allianz.
Ob das allerdings so bleibt, hängt auch mit der Personalie des Tages zusammen: Vorstandschef Wulf Bernotat räumt Anfang Mai den Posten für seinen Stellvertreter Johannes Teyssen. Der 61-jährige stand für den Kohlekurs. Bernotat hatte Mitte 2003 den Vorstandsvorsitz von Ulrich Hartmann angetreten und Eon in den Folgejahren unter anderem durch Zukäufe im europäischen Ausland auf Wachstum getrimmt. Mit der spektakulären Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa war er allerdings gescheitert.
Der künftige Konzernchef Teyssen kennt Eon im Detail. Der promovierte Jurist ist bereits seit zwei Jahrzehnten für die Eon AG beziehungsweise für Vorgängergesellschaften tätig. Seit 2004 gehört er dem Vorstand an, seit 2008 ist er Stellvertreter von Vorstandschef Bernotat. Als "Sparkommissar" wird Teyssen bezeichnet, 2.000 der 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland soll er ausgliedern oder streichen. Wie Teyssen die wirtschaftlichen Risiken des Kohlekurses seines Vorgängers einschätzt, ist noch nicht bekannt.
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