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Münchner Wasserkraftwerk vor dem Finish

Bislang sind die Münchener Stadtwerke nicht gerade durch die Klimafreundlichkeit ihres Stroms aufgefallen. Gerade einmal 3,8 Prozent entstammen regenerativen Quellen. Dies soll sich schrittweise ändern: Binnen der kommenden 5 Jahre will die Stadt alle Privathaushalte mit Ökostrom versorgen. Mit dem Praterkraftwerk, einem Wasserkraftwerk an der Isar, möchte man ab Sommer  4.000 Haushalte mit etwa 10 Millionen Kilowattstunden Strom versorgen. Jetzt wurde das Herzstück der Anlage montiert, eine monströse Kaplan-Rohr-Turbine.

Von LARS DITTMER

Derzeit wird noch rege gebuddelt an der Maximiliansbrücke in München, die hier die Isar an der Praterinsel überspannt. Im Frühsommer diesen Jahres soll hier die volle Kapazität des Praterkrafwerks - 2,5 Megawatt - zur Verfügung stehen und erstmals Strom liefern. Gerade wurde der Druckkanal fertiggestellt, in dem die kinetische Energie des Wassers abgeschöpft wird.

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Runde Sache? Einlassung der Turbine in den Druckkanal

Die mit einem Laufrad-Durchmesser von 2,30 Meter riesenhaft anmutende Turbine sieht aus, als wäre sie von der NASA zusammengeschraubt worden. Sie fungiert als der Herzschrittmacher der Anlage – mit Hilfe eines Generators wandelt sie die Wasserenergie in mechanische Energie um. Auf den Einsatz eines mechanischen Getriebes kann die Anlage verzichten: "So können Lärm und Wartungsarbeiten reduziert werden," sagt Bernhard Thiersch, Geschäftsführer der Praterkraftwerk GmbH.

Stolz ist man in München angesichts der Tatsache, dass das Praterkraftwerk unterirdisch liegt und an der Erdoberfläche kaum zu sehen ist. Lediglich am "Einlaufbauwerk", an dem das Inn-Wasser abfließt, werden Passanten eine Ahnung davon bekommen, dass sich unter ihren Füßen etwas tut.

Das natürliche Gefälle zwischen oberer und unterer Isar beträgt an dieser Stelle rund 9 Meter. Bislang donnerte jede Menge Wasser hier ungenutzt die Staustufen herab. Angesichts der Klimaschutzpläne der Stadt musste dieses brachliegende Energiepotzenzial genutzt werden: München hat sich vorgenommen, bis 2015 alle Privathaushalte mit Ökostrom zu versorgen - ob sie wollen oder nicht. Derzeit kommen noch nicht einmal vier Prozent des in Münschen verbrauchten Strom aus erneuerbaren Energien.

prater"Wir wollen die erste deutsche Großstadt werden, in der alle Privathaushalte mit in eigenen Anlagen erzeugtem Strom aus regenerativen Energien versorgt werden können", beschrieb Münchens Oberbürgermeister Christian Ude vor Jahresfrist die Pläne.

Dabei wird das Praterkraftwerk nur ein erster Schritt sein. München will sich etwa an einem Offshore-Windpark in der Nordsee beteiligen. Von 2013 an sollen 80 Windrädern rund 1,4 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren - und München will Besitzer und Nutzer von 24,9 Prozent werden. Zudem setzen die Stadtwerke auf geothermie. In Sauerlach laufen bereits seit Ende 2007 die Vorarbeiten zur Errichtung des größten deutschen Geothermie-Kraftwerks. Aus über 130 Grad heißem Wasser aus einer Tiefe von mehr als 4.000 Metern soll dort Heizwärme und Strom gewonnen werden. Noch in diesem Jahr soll das Projekt soweit gediehen sein, dass die Stadtwerke geothermisch erzeugten Strom ins Netz einspeisen.

Die Klimapläne Münchens sind ehrgeizig: Denn die derzeit 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die Münchens Einwohner derzeit produzieren, möchte man - als Mitglied des kommunalen Klimabündnis - bis zum Jahr 2030 die Hälfte einspaaren. Dazu müssen vor allem die Münchner Stadtwerke ihre Geschäftspolitik radikal ändern: Bis 2025 soll auch für kommerzielle Kunden die Stromversorgung komplett auf regenerative Erzeugung umgestellt werden.

Praterkraftwerk_copy
Hier soll man es später nicht sehen: Das Praterkraftwerk (Foto: Praterkraftwerk.de)

Das Praterkraftwerk soll zu dieser Mammutaufgabe Kohlendioxideinsparungen von rund 9.000 Tonnen jährlich beitragen. Und auch ansonsten schreibt man sich die Ökologie auf die Fahne. So sollen Aufstiegswege für Fische geschaffen und ausgebaut werden, so dass auch während des Betriebs eine "Orientierung des Fisches über den Aufstieg zur kleinen Isar" gewährleistet ist, wie es auf der Webseite heißt.

Dennoch haben Naturschützer ein Auge auf die Anlage, berichtet der Bayerische Rundfunk. Es gibt die Befürchtung, dass der kleinen Isar durch das Kraftwerk zu viel Wasser entzogen wird. "In die Gewässerökologie wird nicht eingegriffen," möchten die Betreiber auf ihrer Webseite beruhigen. Doch auch in Sachen Klimaschutz liegt ein Großteil des Jobs noch vor der Stadt. "In Sachen Energie stellt sich München gerade recht ambitioniert auf," sagt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz. "In Sachen Verkehr läuft allerdings noch gar nichts."


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