Solarstrom aus der Sahara für Deutschland
"Wir brauchen nur noch verlustärmere Leitungs-Technologien" sagt im Klimaretter-Interview Günter Gloser (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt zum TREC-Projekt. Denn Dank der Mittelmeerunion gebe es jetzt die Möglichkeit, ein Zukunftsprojekt zu realisieren. Warum deutsche Außenpolitik neuerdings auch das Befassen mit erneuerbarer Energie bedeutet.
klimaretter.info: Herr Staatsminister, im Januar hielt ein russisch-ukrainischer Gasstreit Europa in Atem. Konnten Sie eigentlich ruhig schlafen?
Günter Gloser: Wir können in Hinblick auf Russland auf mehr als 30 Jahre stabile Energiebeziehungen zurückblicken. Aber wir brauchen neben weiteren Partnern natürlich auch eine Diversifizierung der Energieversorgung: Für die Zukunft ist wichtig, nicht nur auf fossile Stoffe wie Öl oder Gas zu setzen, sondern auch auf erneuerbare Energien.
Das Auswärtige Amt befasst sich mit Solarenergie?
Ja, und zwar sehr aktiv. Die von Deutschland eingebrachte Solarplaninitiative wurde von Frankreich schnell akzeptiert, mittlerweile ist das Projekt einer der zentralen Punkte der Union für das Mittelmeer.
Was besagt diese Initiative?
In den Ländern des Sonnengürtels gibt es nicht nur Flächen und Möglichkeiten, sondern auch die Notwendigkeit, Energie zu produzieren.
Länder wie Tunesien oder Marokko sind abhängig von fossilen Energieimporten, obwohl sie reich an regenerativen Energiequellen sind. Über Jahre hinweg wurde über die Zusammenarbeit von Süden und Norden gesprochen, jetzt werden wir konkret: Die Technik und das Wissen des Nordens lassen sich auch auf den Süden übertragen, wo zudem die benötigten Flächen verfügbar sind. Ziel ist, so viel Energie zu produzieren, dass sie sowohl für den Süden ausreicht als auch für den Norden.
Wie sieht das praktisch aus?
Es gab bereits Treffen zur Vorbereitung zwischen Deutschland, Frankreich und Ägypten, einen Workshop in Berlin und eine Konferenz in Paris zur Erarbeitung eines Masterplans. Die Institutionen dafür entstehen gerade, etwa ein Generalsekretariat für die Union für das Mittelmeer.
Wann könnte der erste solare Strom aus der Sahara ins deutsche Netz eingespeist werden?
Ziel ist es, im Jahr 2020 insgesamt 20 Gigawatt Leistung in solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika installiert zu haben (Anmerkung der Redaktion: Das entspräche der kombinierten Leistung aller deutschen Atomkraftwerke). Wir hoffen, dass ab 2020 auch Energie aus dem Süden nach Europa geleitet werden kann, auch wenn es vor allem um die Energieversorgung der dortigen Länder geht. Die Anlagen in Andalusien zeigen, dass es mittlerweile die nötigen Techniken gibt, um Solarenergie auch speichern zu können. Jetzt brauchen wir nur noch verlustärmere Leitungstechnologien.
Milliardeninvestitionen sind notwendig. Wie soll das Projekt finanziert werden?
Erstens gibt es die Förderung der Europäischen Investitionsbank. Zweitens müssen die Länder selbst natürlich Mittel bereitstellen und ohne Privatinvestitionen wird es auch nicht funktionieren. Denkbar ist auch, dass bilateral Gelder zur Verfügung gestellt werden. Andere Geldgeber, etwa durch Partnerschaften mit Golfstaaten, werden ebenfalls eine Rolle spielen.

Fallstudie: Dieses Netz regenerativer Energiegewinnung könnte Nordarika, Arabien und Zentral- und Westeuropa mit Strom versorgen.
Warum sollten die reichen Ölländer eine solare Konkurrenz finanzieren - noch dazu auf einem anderen Kontinent?
Wie Sie wissen, wird das Öl nicht mehr, sondern weniger - selbst wenn unter Umständen noch weitere Quellen erschlossen werden könnten. Ölproduzierende Länder können länger von ihrem Rohstoff zehren, wenn sie den Ausbau erneuerbarer Energien begleiten. Die Golfstaaten etwa ziehen ihre Gewinne längst nicht mehr nur durch die Erdölförderung, sondern dadurch, dass sie Finanzdienstleistungsplätze geworden sind. Mit Beteiligungen an Gesellschaften, die sich erneuerbaren Energien wie solarthermischen Anlagen widmen, könnten sich diese Staaten ein drittes Standbein schaffen.
Zurück zum Ausgangspunkt, der Union für das Mittelmeer: Welche Pläne gibt es neben der Solarplaninitiative?
Natürlich bietet die Union für das Mittelmeer ökonomisch einmalige Chancen. Der Tourismus etwa, der auch eine wichtige Einnahmequelle für die Mittelmeerländer ist, wird von Projekten für ein sauberes Mittelmeer ebenso profitieren wie der Fischfang. Aber es geht gleichzeitig auch darum, Kulturen näher zusammen zu bringen. Die Mittelmeeruniversität in Piran in Slowenien, die junge Menschen aus Europa und vom südlichen Teil des Mittelmeers zusammenbringen soll, ist zum Beispiel ein wichtiger Schritt zum gemeinsamen Verständnis. Es wird aber unter Umständen auch Zweigstellen geben, auch Marokko hat Interesse gezeigt. Da sind wir aber noch nicht ganz so weit wie im Bereich der Solarplaninitiative.
INTERVIEW: SARAH MESSINA und NICK REIMER

Das Parabolrinnen-Kraftwerk Andasol 1: Modell für die Energiezukunft aus der Sahara. Foto: solarmillennium.de
Mehr zur Mittelmeerunion gibt es HIER.
Mehr zu TREC finden Sie HIER.
Mehr zu Günter Gloser läßt sich HIER finden.
Und Andasol ist ausführlich HIER beschrieben.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Osteuropa holt auf und gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Branche der Erneuerbaren Energie
Noch vor zwei Jahren galten solarthermische Großkraftwerke als die Zukunftstechnologie der Solarstromerzeugung. Angesichts fallender Modulpreise liegt jetzt die Photovoltaik wieder vorne, Solarthermie-Projekte stehen vor dem Aus. Eine Momentaufnahme - oder mehr? Und was macht eigentlich Desertec?
Konzern will Speicher-Potenziale von Salzen in Kraftwerk in Portugal untersuchen
Mit einer Leistung von 1.000 Megawatt will das Erlanger Unternehmen in Kalifornien ein Solarkraftwerk der Größenordnung eines Atom- oder Kohlekraftwerks bauen
Ein Netz aus Windparks und Sonnenkraftwerken soll Nordafrika, den Nahen Osten und zu einem kleineren Teil auch Europa mit Strom versorgen. Das Projekt mit dem Namen Desertec ist aber nicht nur energiepolitisch interessant. Es bietet die Chance, Europas südliche Nachbarländer zu stabilisieren. Am Mittwoch wird das Projekt als "Ausgewählter Ort" ausgezeichnet.
Trotz der Turbulenzen wurden im vergangen Jahr über 100.000 neue Sonnenwärme-Anlagen installiert. Die Branche erwartet einen Aufschwung für 2011
Knapp 70 Menschen diskutieren im Forum "Saubere Energie 2025 – aber wie" über den Umbau unserer Energieversorgung. Vier Experten von attac, co2-online, Greenpeace und den Stadtwerken München geben unter fachkundiger Moderation vom BUND einen Überblick über ihre Erkenntnisse, Ideen und Visionen. Aber auch die Teilnehmer sind auffallend gut informiert.
Solarwärme wird nun auf über 15 Millionen Quadratmetern in Deutschland gewonnen
Solaranlagen haben im ablaufenden Jahr über 18 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist
Mehr als zwei Drittel des Stromverbrauchs von Privathaushalten könnten durch Solarenergie gedeckt werden. Infos zu Dachflächen und Solar-Faktoren will der Berliner Senat mit dem Solaratlas geben
Die Desertec-Projektgesellschaft plant den ersten Kraftwerkspark. Der soll "möglichst schnell" in Marokko entstehen, sagte Paul van Son, Leiter des Wüstenstrom-Projekts
Wüstenstromprojekt kündigt Bau einer Referenzanlage ab 2013 an
Auf einer zweitägigen Konferenz in Kairo bahnt die sogenannte Desertec-Initiative weitere Partnerschaften an. Neben dem Referenzprojekt in Marokko sind auch Anlagen in Tunesien und Algerien geplant



