Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Der Präsident und das steigende Meer

Mohamed Nasheed, Präsident der Malediven, hat eine Mission: Er muss die 1200 Inseln seines Landes retten. Da das Meer schneller steigt als die Bereitschaft zum internationalen Klimaschutz, macht er Umsiedelungspläne für tausende Inselbewohner und kauft Land in Indien. Nebenbei tourt er durch die Welt, um die Regierungen von einem schnellen Handeln zu überzeugen. Heute war er in Berlin

Aus Berlin  HANNO BÖCK

Mohammed Nasheed muss sein Land retten. Der 2008 gewählte Präsident der Malediven kämpft mit unkonventionellen Methoden und pausenlosem Engagement gegen die globale Erderwärmung. Sein Inselstaat ist eines der ersten Opfer des globalen Klimawandels. Wenn der Meersspiegel steigt, werden immer mehr Regionen des pazifischen Paradieses unbewohnbar und gehen schließlich unter. Nasheed kämpft trotz der aussichtlosen Lage wie ein Don Quichot gegen Klimaskeptiker, und versucht Regierungen und Unternehmen zum Handeln zu bewegen. Heute besuchte er Berlin, Kanzlerin Merkel und sprach mit Studenten an der Freien Universität.

nasheed_fuberlin
Mohamed Nasheed kämpft gegen den Klimawandel. (Foto: Böck)

Nicht nur sein Einsatz für den Klimaschutz, sondern auch seine eigene Biographie ist außergewöhnlich: Mit 22 Jahren war Nasheed zum ersten Mal im Knast – der damalige regimekritische Journalist wurde insgesamt dreizehn Mal inhaftiert. Er traute sich als einer der ersten, den früheren Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom öffentlich als Diktator zu bezeichnen und wurde der erste demokratisch gewählte Präsident.

Kämpferisch ist Nasheed wie eh und je. Doch er ist auch Realist. Längst habe er Pläne gemacht, erklärte er bei einem Vortrag an der FU, die Bevölkerung umzusiedeln - sollte der Meeresspiegel deutlich ansteigen. Man bemühe sich, Landstriche in Indien und anderen Ländern zu kaufen. Bereits jetzt müssten 14 Inseln evakuiert werden, die Bewohner würden auf andere Inseln umgesiedelt. "Ich will nicht, dass meine Kinder in Camps leben müssen und Klimaflüchtlinge werden." so Nasheed. Trotz vorhandener Umsiedlungspläne – Nasheed will die Evakuierung der Inseln mit allen Mitteln verhindern - und kämpft deswegen gegen die globale Erwärmung. Eine Frau habe ihn geschlagen, als er ihr erklärte, sie müsse ihr Haus verlassen – und er könne das gut verstehen.

Das Touristenparadies besteht aus 1200 Inseln und ist der niedrigste Staat der Welt. Lediglich 2,4 Meter liegt der höchste natürliche Punkt der Malediven über dem Meeresspiegel. Durchschnittlich befinden sich die Malediven etwa einen Meter über Wasser. In den pessimistischeren Szenarien des Weltklimarates IPCC würden sie komplett im Meer versinken.

"Warum hinterfragt niemand, welche Interessen hinter den Klimaskeptikern stehen?"

Wenig Verständnis zeigt Nasheed für Klimaskeptiker. Er sieht mit Besorgnis, dass tot geglaubte Skeptiker des Klimawandels nun wieder in die Offensive gehen. Anlass dafür war die   Veröffentlichung von E-Mails der britischen Climate Research Unit, die schon vor Wochen für Furore sorgten. Im Vorfeld der UN-Konferenz in Kopenhagen hatten Unbekannte interne Mails von Klimaforschern veröffentlicht. Daraufhin warnten Klimaskeptiker vor einer „Verschwörung der Klimawissenschaftler“. Nasheed hat nach eigener Aussage alle E-Mails gelesen. Sie änderten nichts am wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel. "Warum hinterfragen so viele Journalisten nun die Klimawissenschaft? Warum hinterfragt niemand, welche Interessen hinter den Klimaskeptikern stehen?", so der Inselstaatenpräsident.

Mit spektakulären Aktionen versucht Mohamed Nasheed immer wieder, die Weltgemeinschaft von der Notwendigkeit drastischer Maßnahmen zur Senkung des Treibhausgasausstoßes zu überzeugen. Im vergangenen Jahr verlegte er eine Kabinettssitzung auf den Grund einer Lagune – in Tauchanzügen und mit Handzeichen unterzeichnete das Kabinett ambitionierte Pläne für die Klimaschutzstrategie des Landes. Innerhalb von zehn Jahren will der Inselstaat CO2-neutral wirtschaften, Wind- und Solarenergie sollen die Energieversorgung gewährleisten.

Doch auch in Kopenhagen sorgte Nasheed für Furore: Als Mitglied der Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) unterbrachen die Malediven in den ersten Tagen die Klimaverhandlungen in Kopenhagen mit der Forderung, statt der weltweiten Begrenzung des Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad müssen 1,5 Grad das Ziel sein. Andernfalls wären viele der Inselstaaten vom Untergang bedroht. Allerdings währte der Widerstand nicht lange – während andere Inselstaaten wie Tuvalu auf der Forderung nach 1,5 Grad beharrten, unterzeichnete Nasheed den sogenannten "Copenhagen Accord", das unverbindliche Abschlussdokument der Klimakonferenz, in dem das Zwei-Grad-Ziel betont wird. Nasheed deutete in seiner heutigen Rede an, dass er mit seiner Rolle in Kopenhagen selbst alles andere als zufrieden war.

maledives_bernard_bill_wikipedia
Die Malediven sind der niedrigste Staat der Welt. (Foto: Bernhard Bill, Wikipedia)

Zwei Grad - das meinen Wissenschaftler - das könnte nicht nur bedeuten, dass viele Inselstaaten im Meer versinken, es könnte auch schon der Punkt sein, an dem der Klimawandel durch Rückkopplungseffekte nicht mehr aufzuhalten ist. Das Auftauen von Permafrostböden, verminderte Reflektion von Eisflächen – Mechanismen, die dazu führen könnten, dass der Klimawandel sich selbst weiter anheizt. Im englischen wird von "Runaway Climate Change" gesprochen.

Wenn der Maledivenpräsident über die UN-Klimakonferenzen redet, wirkt er wenig hoffnungsvoll. Er sei mit hohen Erwartungen nach Kopenhagen gefahren – von der kommenden Konferenz in Mexiko erwarte er nicht viel. Die Klimakonferenzen littenn daran, dass alle versuchen, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen. Das funktioniere vielleicht bei einer Welthandelskonferenz, doch nicht beim Klima. Mit der Natur könne man keine Kompromisse schließen.

Auf die Frage, was Studenten tun könnten, die sich um den Klimawandel sorgen, war seine Antwort eindeutig: "Direkte Aktionen, das Thema auf die Straße tragen, Massendemonstrationen" – das wünscht er sich von Studenten im reichen Norden.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Mittwoch, 09. November 2011, 14:31 Uhr
Es war einmal ein Paradies
etscheidMüllberge, abgestorbene Korallenriffe, Touristenpulks und Last Minute-Mentalität: Die Regierung der Malediven kennt die Probleme wohl, setzt aber, mit freundlicher Unterstützung der internationalen Reisekonzerne, weiter unverdrossen auf die Entwicklung des Tourismus. [mehr...]
Montag, 09. November 2009, 12:14 Uhr
Nasheed will Industrieländern Nachhilfe geben
climatevulnerableforum-govmale.jpgKiribati, Bangladesh und Co. tagen beim Climate Vulnerable Forum: Entwicklungsländer sollen mit gutem Beispiel vorangehen, fordert Malediven-Präsident Nasheed [mehr...]
Samstag, 08. Oktober 2011, 15:35 Uhr
Solaroffensive auf den Malediven
In neun Jahren sollen 60 Prozent des Stromverbrauchs aus Solarkraftwerken gedeckt werden: Wirtschaftsminister beziffert den Investitionsbedarf zwischen drei und fünf Milliarden US-Dollar. Nach Angaben des Umweltministers sind zudem drei Milliarden US-Dollar für Deiche und andere Uferbefestigungen notwendig.
Von Nick Reimer und Grit Porsch (IPS) [mehr...]
Freitag, 08. Oktober 2010, 12:38 Uhr
Global Work Party: Anpacken für das Klima
Bäume pflanzen, Fahrrad fahren, Solaröfen bauen – auf der ganzen Welt wollen Umweltaktivisten zeigen, wie konkreter Klimaschutz aussieht. Unter dem Motto "Wir packen's an" sind am Sonntag über 7.000 Aktionen in mehr als 180 Ländern geplant. Gleichzeitig soll die Politik aufgefordert werden, endlich die Erderwärmung effektiv zu bekämpfen. Von Felix Werdermann [mehr...]
Dienstag, 05. Oktober 2010, 12:24 Uhr
Malediven dürfen auf Klimaschutz klagen
maledives_bernard_bill_wikipediaKleine Inselstaaten und andere vom Klimawandel bedrohte Länder könnten in Den Haag eine Reduktion von Treibhausgasen gerichtlich erzwingen [mehr...]
Montag, 19. Juli 2010, 10:38 Uhr
Malediven wollen vorangehen
climate_act_now_gpÄthiopien, Samoa, die Marshall Inseln, Antigua & Barbuda, Samoa, die Malediven und Costa Rica kündigen im Vorfeld der nächsten Klima-Verhandlungsrunden ambitionierte Ziele an [mehr...]
Samstag, 17. Oktober 2009, 15:22 Uhr
Malediven-Regierung tagt schon mal im Wasser
maledivenkabinett_1.jpg Präsident Nasheed: "Wir wollen der Welt zeigen, was bereits passiert und was noch passieren wird, wenn wir nicht auf den Klimawandel reagieren" [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]