Der TREC ist auf den Weg gebracht
Über 40 Staaten der EU, des Nahem Ostens und Nordafrikas haben heute die "Union für das Mittelmeer" in Paris gegründet. Neben dem Ziel, Friedenspolitik zu betreiben steht die solare Erschließung des Sonnengürtels im Mittelpunkt
Aus Brüssel SUSANNE GÖTZE
"Das ist ein historischer Beitrag für die Zukunft Europa und des Mittelmeerraums", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach stundenlangen, zähen Verhandlungen über die Abschlusserklärung zur "Union für das Mittelmeer" (früher "Mittelmeerunion"). Trotz vieler Impulse für den Friedensprozess im Nahen Osten offenbarte das Gezerre um die richtigen Formulierungen all die Feindseligkeiten und das Misstrauen in der Region.

Nachdem die Bundesregierung durchgesetzt hatte, dass auch EU-Staaten, die nichts ans Mittelmeer grenzen, an der Union beteiligt werden, will Deutschland seine Interessen nun vor allem im Solarbereich verfolgen. In einem dem Handelsblatt vorliegenden deutsch-französischen Konzept für einen Solarplan wird als Ziel definiert, bis zum Jahr 2020 rund um das Mittelmeer neue Stromerzeugungs-Kapazitäten im Umfang von 20 Gigawatt aufzubauen. Das entspricht in etwa der Leistung, die 2007 weltweit durch neue Windkraftanlagen geschaffen wurde. Vom Solarplan würde vor allem die Solarindustrie, in der deutsche Firmen technologisch führend sind, profitieren.
Im Herbst plant Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dazu eine internationale Konferenz in Berlin. Im November sollen konkrete Projekte definiert werden. Ausdrücklich wird in dem gemeinsamen Papier darauf hingewiesen, dass es dabei nicht nur um die Energieversorgung der nordafrikanischen Staaten geht, sondern auch um mögliche Stromlieferungen nach Europa. Deshalb soll parallel auch ein länderübergreifendes Stromleitungsnetz aufgebaut werden.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, die Machbarkeitsstudie soll klären, wie etwa in den Wüstengebieten Nordafrikas in großem Stil Solaranlagen gebaut werden können, die nicht nur Afrika, sondern perspektivisch auch Europa mit Strom versorgen können.
In der Erklärung des Gipfels heißt es dazu, das die "jüngsten Entwicklungen auf den Energiemärkten" bestätigt hätten, wie notwendig es sei, "sich auf alternative Energiequellen zu konzentrieren. «Es ist ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt», sagte Steinmeier.
Europa will ab 2020 ein Fünftel seiner Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen und setzt dabei auch auf Importe. Im Gegenzug könnte der Norden Finanzmittel und Spitzentechnologien für die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens bereitstellen.
Der Plan geht zurück auf die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative von Wissenschaftlern, die sich für die Übertragung von in Wüstenregionen erzeugtem Solar- und Windstrom nach Europa einsetzt. TREC wurde 2003 vom Club of Rome, dem Hamburger Klimaschutz-Fonds und dem Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet und hat zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt das DESERTEC Konzept entwickelt und wissenschaftlich untersucht.
Das DESERTEC Konzept sieht vor, im Nahen Osten (engl. Middle East) und Nord-Afrika (MENA) mit Hilfe von Solarthermischen Kraftwerken und Windparks die Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben und den sauberen Strom dann mittels HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) in diese Länder und ab 2020 bis nach Europa zu leiten.
Ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Experten auf den Gebieten der erneuerbaren Energien und deren Erschließung bilden den Kern von TREC. Die etwa 50 Mitglieder, unter ihnen Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, informieren Regierungen und private Investoren kontinuierlich über die Möglichkeiten der kooperativen Nutzung von Solar- und Windenergie und regen konkrete Projekte auf diesem Gebiet an.
Das Buch "Wir Klimaretter" beschreibt das Projekt im Kapitel "Afrikanische Sonne für deutsche Steckdosen" ausführlich. In den USA gibt es einen "Grand Solar Plan", der mit einem ähnlichen Ziel die großflächige Nutzung der Sonnenenergie in der Wüste von Nevada propagiert.
FOTOS: Juwi, sunline, TREC
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13








