Die Rettung der Welt: So geht es jetzt weiter

Ein letztes Mal aus Poznan NICK REIMER
"Die Zeit läuft", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf der Klimakonferenz in Poznan: In einem Jahr schlägt beim weltweiten Klimaschutz-Regime die Stunde der Entscheidung. Das Kyoto-Protokoll, völkerrechtlich verbindliches Instrument für den Klimaschutz, läuft 2012 aus, es muss schleunigst ein Nachfolgeabkommen geschaffen werden. Denn wenn sich die UN-Klimadiplomatie auf ein Abkommen einigen sollte, muss jeder unterzeichnende Staat dieses noch in nationales Recht umsetzen. Erst dann wird der internationale Vertrag auch national bindend.
Um Kyoto rechtskräftig wirksam werden zu lassen bedurfte es 8 Jahre. Erst mit der Unterschrift Russlands 2005 wurde der Vertrag rechtswirksam. Soviel Zeit ist diesmal nicht: Experten halten den Zeitplan bis zu einem wirksamen Kopenhagen-Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll deshalb auch für sehr ambitioniert: Sollte es tatsächlich zu einem Abkommen in Dänemarks Hauptstadt im Dezember nächsten Jahres kommen, blieben für die nationale Ratifizierung schließlich nur zwei Jahre Zeit.
Dabei ist der Weg bis zu diesem Abkommen derzeit noch unendlich weit:
Vom 29. März bis 8. April soll eine Arbeitskonferenz am Sitz der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bonn die Vorbereitung des Abkommens von Kopenhagen weiterführen. Hier geht es darum, den Verhandlungstext zu verfeinern. Bis dahin destillieren die Verhandlungsführer der einzelnen Arbeitsgruppen die in Poznan vorgelegten Ideen zu einem Entwurf eines ersten Verhandlungstextes. Der soll bis Februar stehen, um dann im März in Bonn verhandelt werden zu können.

Danach folgt vom 1. bis 12. Juni ebenfalls in Bonn die jährliche Frühjahrstagung des UNFCCC-Körpers. Spätestens dort sollen die Vorsitzenden der Ad-hoc-Arbeitsgruppen der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls einen Vertragsentwurf vorlegen, der dann Grundlage der weiteren Verhandlungen ist.
Im Juli findet in Italien der turnusmäßige G8-Gipfel der wichtigsten Industriestaaten und Russlands statt. Auch dabei muss das neue Abkommen zum Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD): "Wichtig ist, dass wir die Staats- und Regierungschefschefs in den Prozess einbinden, denn der Weg zu einem Abkommen in Kopenhagen ist so weitreichend, dass das die Kraft von 190 Umweltministern übersteigt". Zumindest bei Teilen des G8-Treffens sollen die Staats- und Regierungschefs wichtiger Schwellenländer mit dabei sein.
Zudem ist geplant, den MEM-Prozess - eingeleitet durch US-Präsident George W. Bush - eine neue Qualität zu geben. Dies ist seit 2006 eine Runde der 20 Staaten mit dem größten Kohlendioxid-Ausstoß.
Im September strebt UN-Generalsekretär Ban ein UN-Gipfeltreffen an, um auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs den Klimaschutz voranzubringen, voraussichtlich in Verbindung mit der UN-Generalversammlung im September. Ein weiteres Treffen ranghoher Teilnehmer auf UN-Ebene ist möglich.

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, er wolle sich in die Vorbereitung des neuen Klimaschutzabkommens persönlich einschalten. Form und Zeitpunkt dafür sind noch völlig offen. In Frage kämen der G8-Gipfel und der UN-Gipfel.
Zwischen August und November dürften noch ein oder zwei weitere Arbeitstagungen der Klimarahmenkonvention stattfinden. Darüber soll je nach Bedarf im kommenden Jahr entschieden werden. Ergänzt werden die Beratungen durch regionale und bilaterale Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen, darunter auch die turnusmäßigen EU-Gipfel.
Das große Finale ist vom 7. bis 18. Dezember die Klimakonferenz in Kopenhagen - garantiert ein Hauen und Stechen bei dem anschließende Nachtsitzung und Verlängerung wohl inbegriffen sind.

Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13








