Windspitzen, 99-Cent-Ramsch und Klimakrieger
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer des Erneuerbaren-Projektentwicklers juwi im rheinhessischen Wörrstadt und Greentech Manager des Jahres 2009.
Willenbachers Woche
Herr Willenbacher, der Rahmen für den künftigen Netzausbau in Deutschland steht. Allerdings hat die Bundesnetzagentur die Ausbaupläne der Netzbetreiber ordentlich gekürzt. Eine gute Lösung?
Zunächst mal ist die Kürzung der Ausbaupläne der Netzbetreiber ein Schritt in die richtige Richtung. Die Bundesnetzagentur hat – vielleicht auch dank der enormen Bürgerkritik – erkannt, dass der erste Planentwurf vollkommen überdimensioniert war und hat dem erst einmal einen Riegel vorgeschoben. Allerdings sind die anderen Vorhaben, wie zum Beispiel der Bau einer vierten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ), damit noch lange nicht vom Tisch und könnten schon im nächsten Jahr wieder Thema werden.
Dabei ist es völlig widersinnig, einmalige Windspitzen vom Norden in den Süden übertragen zu wollen. Bei uns im Süden braucht niemand diesen Strom, weil wir hier längst unsere eigenen Anlagen für erneuerbare Energien bauen. Und für diese ist nur ein geringer, lokaler Netzausbau nötig, weil der Strom direkt vor der Haustür der Verbraucher produziert wird. Auf die Offshore-Windparks und die damit verbundenen enormen Kosten können wir gut verzichten. Was wir brauchen und weiter voranbringen müssen, ist eine dezentrale Energieversorgung. Dafür muss die Netzagentur den Blick auf die regionale Netzinfrastruktur richten und dort unterstützend tätig werden.
Vergangenes Wochenende war der "Kauf-nix-Tag", der schon vor 20 Jahren von der konsumkritischen US-amerikanischen NGO Adbusters initiiert wurde. Liegt die Lösung für Umwelt- und Klimaschutz tatsächlich in der Hand der Verbraucher? Müssen wir nur alle unseren Lebensstil verändern und alles wird gut?
Ich bin überzeugt, dass Verbraucher über ihr Konsumverhalten viel zu Umwelt- und Klimaschutz beitragen können. Sie allein können allerdings nicht alles richten, was aufgrund mangelnder politischer Regulierungen und falscher Anreizsysteme in unserer Marktwirtschaft schiefläuft. Denken Sie an die vielen billigen Lebensmittel, die ohne ernstzunehmende Umweltstandards in Schwellenländern produziert und anschließend um den halben Globus geflogen werden, nur damit wir sie hier für 99 Cent im Discounter erramschen können. Ein Wirtschaftssystem, das ausschließlich auf Profitmaximierung setzt, wird hier sicherlich keine Änderungen herbeiführen. Deshalb brauchen wir einen Staat, der die Leitplanken einer nachhaltigen Wirtschaft bereitstellt.
Die Alternative zum "Kauf-nix-Tag" wäre für mich deshalb ein "Kauf-richtig-Tag". Denn es gibt ja Alternativen. Was Lebensmittel betrifft, setzen wir bei juwi zum Beispiel fast ausschließlich auf saisonale und regionale Produkte, größtenteils in Bio-Qualität. Das schmeckt nicht nur hervorragend, es reduziert auch Transportwege und schont Umwelt und Klima. Es bedarf also keiner radikalen Veränderung unseres Lebensstils. Allerdings sollten wir alle deutlich bewusster konsumieren. Dann hinterlassen wir auch künftigen Generationen einen lebenswerten Planeten.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Mit welch skrupellosen Machenschaften bestimmte Kreise aus Wirtschaft und Politik die öffentliche Meinung über den Klimawandel und die erneuerbaren Energien manipulieren. Der Zeit-Artikel "Die Klimakrieger" legt den Kreuzzug dieser ideologisch verblendeten Leugner in erschreckender Klarheit offen. Es ist wirklich schockierend, wie hier mit sehr viel Geld und Hilfe professioneller PR-Strategen selbsternannte Klimaexperten gegen renommierte Forscher hetzen. Sehr bedenklich ist zudem, dass diese gut bezahlten "Experten" mittlerweile auch in Europa Gehör finden und ihre kruden Thesen nicht nur Eingang in große Tageszeitungen und Talkshows finden, sondern auch in den deutschen Bundestag.
Wir alle müssen uns diesen Demagogen entgegenstellen und ihre unseriösen und skrupellosen Machenschaften anprangern und publik machen. Die Zeit hat hier wirklich vorbildliche Arbeit geleistet. Ich wünsche mir mehr solcher detailliert recherchierter Artikel.
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Kalenderwoche 34: Die E10-Debatte um den tatsächlichen Beitrag des Agrosprits zum Klimaschutz könnte zu einer veränderten Einstellung der Agrarpolitiker führen, hofft Hartmut Graßl, Meteorologe und Mit-Herausgeber von klimaretter.info.
Ausbaubedarf werde zu hoch angesetzt, kritisiert die Umweltorganisation
Die Bundesnetzagentur hat ihren Jahresbericht 2012 veröffentlicht. Eine Botschaft: Der geplante Ausbau der Strom- und Gasnetze wird ein kostenspieliges Unterfangen
Die Offshore-Ambitionen der Bundesregierung und der tatsächliche Ausbau der Windenergie auf der See klaffen weit auseinander. Investoren, Netzbetreiber, Ämter und Projektentwickler beschuldigen sich gegenseitig, an der Verschleppung schuld zu sein. Was ist dran an den Vorwürfen?
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Kaum eine Behörde spielt für die Energiewende eine solch zentrale Rolle wie die Bundesnetzagentur. Deshalb musste ihr SPD-naher Chef seinen Hut nehmen: Seit Anfang März regiert Jochen Homann die Behörde. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat seinen Staatssekretär in das Amt gehievt, um so über Jahre den eigenen Einfluss zu sichern. Wer also ist der neue Kopf der Energiewende? Der Versuch einer Annäherung.
Bundesnetzagentur veröffentlicht Leitfaden zum Einspeisemanagement, mit dem mehr Grünstrom ins Netz kommen soll
Energiewirtschaft sowie Elektronik- und Elektrotechnikindustrie stellen ihre Ansatzpunkte für den Aufbau intelligenter Verteilnetze vor
Noch bis Mitternacht können Bürger und Organisationen den sogenannten Netzentwicklungsplan kommentieren. Die Bundesnetzagentur hat eine eigene Plattform zum Netzausbau online gestellt
Dass sich ein Großprojekt wie der Ausbau des Stromnetzes nicht mehr ohne Bürgerbeteiligung realisieren lässt, haben die Netzbetreiber verstanden. Bei ihrem "Konsultationsverfahren" konnte sich jeder Bürger bis gestern Nacht 23.59 Uhr äußern, rund 1.000 Eingaben kamen zusammen. Doch wenn es darum geht, die Kosten zu beziffern, sieht die Sache ganz anders aus, wie aus einem Schreiben der Bundesnetzagentur hervorgeht.
Präsident der Bundesnetzagentur: "Ohne neue Stromtrassen können sie die Energiewende zu den Akten legen."
Der Chef der Bundesnetzagentur denkt über höhere Gewinne für die Betreiber von Stromnetzen nach, um den Leitungsbau zu forcieren
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