Klimaabkommen: Das Ende einer Ära
Yvo de Boer hat seine Abschiedrede als Chef des UN-Klimasekretariats gehalten.Sein letzter Auftritt war wenig ermutigend. Aber da ist ja noch Christiana Figueres: Die neue UN-Klimaunterhändlerin versprüht jede Menge Energie.
Aus Bonn NICK REIMER
Es war der Tag der großen Reden: Yvo de Boer hat sich heute als Chef des UN-Klimasekretariates von der Verhandlungsbühne offiziell verabschiedet. Der Niederländer hatte als rechte Hand des UN-Generalsekretärs die UN-Verhandlungen für ein neues Welt-Klimaregime seit September 2006 geführt. In seiner Abschiedsrede klang er resigniert: "Nach Lage der Dinge schaffen wir es nicht, den Treibhausgas-Ausstoß in den nächsten zehn Jahren aufzuhalten", sagte de Boer. Damit sei das Zwei-Grad-Ziel in Gefahr, zu dem sich doch alle Staaten bekannt hätten.

Yvo de Boer leitet derzeit die letzte UN-Klimakonferenz seiner Karriere: Er wird zum 1. Juli zurücktreten. (Foto: UNFCCC)
"14 Jahre sind eine lange Zeit und wir haben nicht noch einmal 14 Jahre Zeit", warnte de Boer. Seit 14 Jahren ist er auf dem Verhandlungsparkett dabei, anfangs als Regierungsvertreter der Niederlande. Schnell aber machte sich der eloquente de Boer als geschickter Verhandlungstaktiker einen Namen. Zudem wurde ihm stets große Loyalität bescheinigt: Als die G77 ihm 2007 auf der Klimakonferenz auf Bali vorwarfen, auf Seiten der Industrieländer zu stehen, brach de Boer ob dieser Kränkung vor den 4.000 Klimaverhandlern in Tränen aus.
Auch in seiner Abschiedsrede blieb de Boer loyal: "Die derzeit vorliegenden Angebote der reichen Industrieländer reichten einfach nicht aus", mahnte er und an die Adresse der ungeduldigen Entwicklungsländer dürfte wohl diese Passage verstanden werden: Der globale Klimaschutz sei eine lange Reise, "keine Sache von wenigen Verhandlungen."
Nach seiner Abschiedsrede spendeten die knapp 4.000 Delegierten Yvo de Boer minutenlang und stehend Applaus. Dann trat Christiana Figueres ans Rednerpult. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die costa-ricanische Diplomatin Mitte Mai als Nachfolgerin de Boers bestimmt, jetzt hatte sie als solche ihren ersten Auftritt.
Figueres projeziert eine Grafik an die Wand, die zwei paar Schuhe zeigt. Das eine Paar ist riesig, das andere könnte eher zu einem Kindergarten-Kind passen. Christiana Figueres lässt Yvo de Boer seinen Ruhm, obwohl der doch auch nach vier langen Verhandlungsjahren nichts zählbares zustande gebracht hat. In diese Fußstapfen muss sie treten, sagt die Costarikanerin zu ihrem Bild. Und erntet ebenfalls Beifall.

Soll einen Ausweg aus den verfahrenen Verhandlungen finden: Die neue UN-Klimachefin aus Costa Rica. (Fotos: Reimer)
Christiana Figueres wurde im August 1956 im costa-ricanischen San José als Tochter des Präsidenten von Costa Rica José Figueres Ferrer geboren. Ihr Vater war dreimal Präsident des mittelamerikanischen Staates, ihre Mutter Karen Olsen Beck, eine dänischstämmige New Yorkerin, war Botschafterin Costa Ricas in Israel. Christinas älterer Bruder José Figueres Olsen war ebenfalls Präsident von Costa Rica - und zwar zwischen 1994 und 1998.
Figueres selbst hat auf der Deutschen Schule in Costa Ricas Hauptstadt San José, der "Colegio Humboldt-Schule" gelernt, bevor sie unter anderem in London und Pensylvenia studierte. Verheiratet ist sie seit Anfang der 80er Jahre mit Konrad von Ritter, einem Weltbankmanager. Zwischen 1982 und 1985 arbeitete Christiana Figueres in der bundesdeutschen Botschaft der Republik Costa Rica in Bonn.
"Ihr großer Vorteil ist, sie ist Latina", sagt ein Mitarbeiter des Klimasekretariats. Figueres habe sich bereits in Bonn vorgestellt, "und das hat Spaß gemacht", so der Mitarbeiter. Sie könne konzentriert zuhören und doch plötzlich eine Spaß machen und sich kindisch darüber freuen. Das kommt an.
"Yvo de Boer hat noch einmal betont, wie groß die Differenz zwischen dem Notwendigen und der Bereitschaft der Industrieländer ist", urteilte Wendel Trio, Politik-Chef von Greenpeace International. Und Christiana Figueres habe sehr schön illustriert, wie groß die Schuhe sind, die sie zu füllen habe. Trio: "Greenpeace empfiehlt jetzt rennende Schuhe!"
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