Bonn bewegt sich - ein bisschen
Halbzeit auf der Frühjahrskonferenz der Klimadiplomatie: Klima-Soforthilfen und Finanzen stehen in der ersten Woche der Klima-Gespräche in Bonn im Mittelpunkt, viel neues gibt es dabei jedoch nicht. Immerhin: Es geht nicht mehr um Verhandlungsprozeduren, sondern wieder um Inhalte
Aus Bonn JOHANNA TREBLIN
Noch-Klimachef Yvo de Boer hatte es bereits zu Beginn der Bonner Vorbereitungskonferenz betont: In Cancun wird es noch kein bindendes Abkommen geben. Für den nächsten Weltklimagipfel in Mexiko müssten stattdessen Einzelthemen geklärt werden, um wenigstens ein Gerüst zu bilden für den neuen internationalen Klimavertrag. Daran wird in Bonn seit Anfang der Woche gearbeitet: Mehr als 4.500 Teilnehmer aus den Ländern der Welt brüten über einem neuen Anlauf für ein internationales Klimaabkommen. Vorwärts geht es dabei nur langsam: "Der größte Fortschritt gegenüber der letzten Konferenz im in Bonn im April ist, dass nicht erst tagelang über Verhandlungsprozeduren, sondern wieder über Inhalte geredet wird", sagt Jan Kowalzig, Klimaexperte der Entwicklungsorganisation.

Damit in Cancun wenigstens Teilerfolge vorzuweisen sind, setzt man sich in Bonn an die Einzelthemen.
Für Cancun soll wenigstens Teilabkommen und Einzelergebnissen der Weg geebnet werden: Zum Beispiel zur Frage der Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern. In Kopenhagen war die Weltklimadiplomatie lediglich bei den sogenannten Klima-Soforthilfen bis 2012 wirklich konkret geworden. Am Donnerstag hatte in Bonn dazu die Europäische Union Zahlen vorgelegt: 7,55 Milliarden Euro sollen armen Ländern zur Verfügung gestellt werden. Dabei gebe es jedoch "keine Definition von Zusätzlichkeit". Aus Deutschland war etwa schon bekannt geworden, dass ein Teil der Gelder lediglich zu Lasten von Entwicklungshilfe und Biodiversitätsschutz umgeschichtet werden sollen.
"Die Soforthilfen werden hier nicht formell verhandelt", sagte Kowalzig: "Sie haben aber trotzdem große Auswirkungen auf die Stimmung". Wohl auch deshalb, weil der mittelfristige Bedarf an Klimahilfen noch weit höher liegt und die eigentliche Debatte noch ansteht: Rund 100 Milliarden US-Dollar sind nach UN-Schätzungen bis 2020 jährlich nötig, um Entwicklungsländern bei der Bewältigung der schlimmsten Klimafolgen unter die Arme zu greifen.

Was gibts neues? Über Flurgespräche tauscht man sich aus. (Fotos: Treblin)
Woher diese Gelder kommen sollen, ist eine der großen Fragen auf dem Weg zu einem neuen Klimavertrag. "Die 100 Milliarden, die in Kopenhagen für die Zeit nach 2012 versprochen wurden, beziehen alle Gelder mit ein, auch die aus privaten Quellen und aus den Kohlenstoffmärkten", erklärt Barabara Lueg vom WWF. "Wir wollen wissen, wie hoch die Summe der öffentlichen Gelder ist, die die Industriestaaten zu geben bereit sind". Mit der Frage der Finanzen beschäftigt sich auch eine von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingesetzte spezielle Arbeitsgruppe, die bereits auf der April-Konferenz in Bonn erste Beratungsergebnisse vorgestellt hatte und beim Frühjahrsgipfel einen Zwischenbericht einbringen soll. Bis Mexiko sollen konkrete Empfehlungen erarbeitet werden.
Etwas Bewegung gab es auch auf dem Gebiet des Waldmanagements in den Industrieländern, "allerdings in die falsche Richtung", sagt John Lanchbery, Klimaexperte von BirdLife International: Die reichen Länder weigern sich, für Emissionen aus Wald- und Landnutzung (LULUCF) das Jahr 1990 als Basisjahr anzuerkennen und wollen stattdessen Emissionsziele auf der Basis eines Business-as-usual-Szenarios berechnen. Eine Trickserei, um Emissionskontingente hochzusetzen, sagt Lanchberry. Rechnet man die bislang von den Industrieländern angebotenen Ziele zur Kohlendioxid-Reduktion zusammen, kommt man gegenüber dem Basisjahr 1990 schon jetzt lediglich auf eine Emissionsreduktion von 12 bis 18 Prozent bis 2020. Mit der Anrechnung des derzeitigen "Schlupflochs LULUCF" würden diese Ziele weiter auf sieben bis 13 Prozent aufgeweicht werden.
Mehr zur Klimakonferenz in Bonn in unserem Dossier
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