Die Überraschung des Jahres 2016

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Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick: Die größte Überraschung des Jahres war für mich, dass ein Verbot von Dieselmotoren und Dieselfahrzeugen inzwischen breit und öffentlich diskutiert wird. Und nicht nur das, auch Fahrverbote werden in Erwägung gezogen. Auch wenn der Anlass mit "Dieselgate" mehr als traurig ist: Wer hätte gedacht, dass eine solche Diskussion in einem Autoland wie Deutschland überhaupt möglich ist? Vor nicht allzu langer Zeit wäre man mit solchen Ansinnen an den Pranger gestellt worden. Die Gesetzesverstöße und die Grenzwertüberschreitungen haben aber ein Ausmaß angenommen, dass selbst die autofreundlichste Politik das Thema nicht mehr ignorieren kann.

Die Parallele zum Atomausstieg drängt sich auf. Es muss erst etwas Schlimmes passieren, bevor gehandelt wird. In der Energiepolitik war es Fukushima, im Verkehrssektor scheinen es die Abgasmanipulationen zu sein. Grenzwertüberschreitungen von einigen Prozentpunkten wären vielleicht noch im Rahmen der allgemein akzeptierten Toleranzgrenzen gewesen. Überschreitungen um den Faktor vier, zehn, vierzehn und mehr haben aber das tolerable Maß überschritten. So gräbt sich jeder sein eigenes Grab.

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat zwar seit Kurzem eine Elbphilharmonie, aber immer noch keine Umweltzone. Eine solche wäre auch kontraproduktiv, denn an allen innerstädtischen Messstationen werden kontinuierlich alle Grenzwerte überschritten. Das geht so nicht. Aber wahrscheinlich wird das noch so lange bleiben, bis Dieselfahrzeuge endlich verboten sind.

Zu Gero Lückings Herausgeberkolumne

Foto: Orlando Seppip/Pixabay

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