Arktische Küsten auf dem Rückzug
Arktische Küstenlinien ziehen sich im Schnitt um einen halben Meter pro Jahr zurück. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zum "Zustand der Arktischen Küsten 2010" eines internationalen Forscherteams, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler führen das Schwinden der Küsten in arktischen Dauerfrostgebieten auf verstärkte Erosion durch den Klimawandel zurück.

Das Schwinden des Meereises in der Arktis treibt die Erosion der Küsten an. (Grafik: AWI)
Untersucht wurden mehr als 100.000 Kilometer und damit ein Viertel aller arktischen Küsten. Die höchten Erosionsraten der Küsten wurden in der Laptev-, der Ostsibirischen und der Beaufortsee verzeichnet: Hier betrug der Rückzug der Küstenlinie zum Teil mehr als acht Meter pro Jahr. Generell reagieren arktische Küsten empfindlicher auf die globale Erwärmung als Küsten in gemäßigteren Breiten: Zwei Drittel der arktischen Küsten bestehen nicht aus Fels, sondern aus Permafrostböden und sind deshalb besonders stark von Erosion betroffen, so die Wissenschaftler.
Ausgedehnte Meereisflächen wirkten bisher als Schutz gegen die erodierende Kraft der Wellen. Durch den kontinuierlichen Rückgang des arktischen Meereis ist dieser Schutz jedoch gefährdet. Arktische Landstriche seien zwar nur dünn besiedelt, wie alle Küsten jedoch auch im Hohen Norden "wichtige Achsen für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben", warnen die Forscher. Auswirkungen hat die Küstenerosion etwa auch für Wildtierbestände oder Süßwasserreserven.
"Die Arktis entwickelt sich immer mehr zu einem Spiegel verschiedener Treiber des globalen Wandels und zum Zentrum überregionaler und weltweiter Wirtschaftsinteressen", sagt der Leiter des Projektbüros des internationalen Verbundprojekts "Land-Ocean Interactions in the Coastal Zone (LOICZ)", Hartwig Kremer. An der Studie waren mehr als dreißig Wissenschaftler aus zehn Ländern beteiligt, darunter auch Wissenschaftler des Internationalen Arktischen Wissenschaftsrats (IASC) sowie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht.
klimaretter.info/sam
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