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Diesel-Ruß heizt dem Klima ein

Die Erderwärmung muss auf zwei Grad begrenzt werden, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Ein halbes Grad Reduktion könnte allein mit einer Bekämpfung kurzlebiger Klimagase wie Rußpartikel, Methan und Ozon erreicht werden, heißt es in einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP.

Von Johanna Treblin

Rußpartikel aus Dieselmotoren tragen maßgeblich zur Klimaerwärmung bei, so das Ergebnis einer neuen Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP. Der Anstieg  der  globalen Temperaturen könnten bis 2050 um ein halbes Grad reduziert werden, wenn kurzlebige klimarelevante Emissionen von Diesel-Ruß, aber auch von Methan und Ozon effektiv bekämpft würden. Die Erwärmung in der Arktis könnte bis 2030 sogar um zwei Drittel gesenkt werden.


Der erste Preis des Cartoon-Wettbewerbs der Kampagne Rußfrei fürs Klima: Weil der Lebensraum Arktis schmilzt, müssen die Bewohner auswandern. (Autor: Marcus Wilke)

Rußpartikel, Methan und Ozon heizen einerseits besonders stark das Klima auf, andererseits verweilen sie nicht so lange in der Atmosphäre wie Kohlendioxid. Rußpartikel sind auch deshalb eine Bedrohung für das Weltklima, weil sie sich auf dem Eis in der Arktis ablagern, die Oberfläche verdunkeln und dadurch das Sonnenlicht verstärkt anziehen. Dadurch tragen die Rußpartikel zum schnelleren Abschmelzen bei des Arktis-Eises bei. Das könnte schneller als gedacht zum Überschreiten so genannter Tipping Points (Kipp-Elemente) führen, wie der US-amerikanische Klimaforscher James Hansen von der NASA bereits 2009 erklärt hatte.

Die bisherigen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel und die globale Erderwärmung sind in erster Linie auf die Reduzierung von Kohlendioxid gerichtet. Der UNEP-Studie zufolge könnten Maßnahmen gegen kurzfristige Klimagase wesentlich schneller gegen die Klimakrise greifen. "Die arktische Eisschmelze und die damit ausgelöste zusätzliche Erwärmung könnte erheblich vermindert werden", sagte auch der internationale Verkehrsberater und Mitglied des International Council of Clean Transportation (ICCT) Axel Friedrich bei der Vorstellung der UNEP-Studie am Mittwoch in Berlin.

Als effektive Sofortmaßnahmen schlägt die UN-Umweltorganisation vor, alle Dieselfahrzeuge und Baumaschinen mit Partikelfiltern auszustatten. Das hält auch Heiko Balsmeyer, vom ökologischen Verkehrsclub VCD für sinnvoll. "Die Erfahrungen zeigen, dass insbesondere Umweltzonen einen entscheidenden Anreiz zur Anschaffung sauberer Fahrzeuge oder zur Nachrüstung mit Partikelfiltern geben." Die Umweltzonen könnten laut Balsmeyer allerdings noch wirksamer sein, wenn neben Straßenverkehr und Baumaschinen auch Schifffahrt und Dieselloks einbezogen würden.


Diesel-Ruß ist mitverantwortlich für das Schmelzen des Arktis-Eises. (Foto: UN Photo)

Balsmeyer ist einer der Verkehrsexperten vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutschen Umwelthilfe (DUH), des Naturschutzbundes (NABU) und des VCD, die sich seit zwei Jahren in der Kampagne "Rußfrei fürs Klima" engagieren und sich für die Einführung von Partikelfiltern und Umweltzonen einsetzen. Durch die Ergebnisse der UNEP-Studie sehen sie sich bestätigt.

Auch die Erkenntnisse aus der Einführung der Berliner Umweltzone zeigen Balsmeyer zufolge, wie wirksam diese Maßnahme ist: "Bereits im zweiten Jahr der Umweltzone gab es 2009 in der Berliner Luft 28 Prozent weniger Dieselruß aus dem Verkehrsbereich, als es dem Trend zufolge ohne Umweltzone gegeben hätte." Das sei ein hervorragendes Ergebnis: Die Berliner könnten aufatmen, und auch das Klima werde kurzfristig entlastet.

In Sachen Klima liegtdie Betonung allerdings auf kurzfristig, unterstrich Friedrich. Die Minderung der Dieselrußbelastung dürfe nicht bedeuten, bei der Bekämpfung der Kohlendioxid-Emissionen nachzulassen: "Die Reduzierung von langlebigen Klimagasen wie Kohlendioxid hat oberste Priorität. Aber zugleich können wir mit der Minderung der Dieselrußbelastung auf der Nordhalbkugel ein wenig Zeit gewinnen, um die Treibhausgase weltweit drastisch zu reduzieren."

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