Wirtschaftswachstum frisst Klimaschutz auf
Die Weltwirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren durchaus Fortschritte gemacht bei der Energieeffizienz - aber bei weitem noch nicht genug. Laut einer Studie der Weltbank ist die "CO2-Intensität" zwischen 1994 und 2006 sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor gesunken - pro Tausend Dollar Wirtschaftsleistung wurde also weniger Energie verbraucht bzw. weniger Treibhausgas ausgestoßen. Doch diese relativen Fortschritte wurden vom Wirtschaftswachstum mehr als wettgemacht, sodass am Ende doch ein höherer Ausstoß an Treibhausgasen stand.
Detailliert vergleicht die Studie Daten der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zu mehr als 120 Staaten. Zwischen 1994 und 2006 stieg deren gesamter CO2-Ausstoß um 5,3 Milliarden Tonnen pro Jahr, bei unveränderter Wirtschaftsweise hätte das Plus aber sogar 8,5 Milliarden Tonnen betragen. Bis auf die Jahre 2003 und
2004 habe es im gesamten Untersuchungzeitraum Verbesserungen gegeben,
so die Untersuchung. Durch Effizienzverbesserungen in der Industrie sei dem Klima zwischen 1994 und 2006 weltweit etwa 700 Millionen Tonnen Kohlendioxid
erspart worden (zum Vergleich: das entspricht etwa 80 Prozent dessen, was Deutschland derzeit pro Jahr an CO2 ausstößt).
Die Dienstleistungsbranchen hätten nach der Weltbank-Studie zwischen
1996 und 2006 sogar 2,6 Milliarden Tonnen mehr emittiert, wenn es keine
Fortschritte beim Energieverbrauch gegeben hätte.
Unter den zehn größten CO2-Verursachern weltweit ist es der Studie zufolge einzig Deutschland und Russland gelungen, Treibhausgasausstoß und Wirtschaftsleistung absolut zu entkoppeln - also eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts mit sinkenden Emissionen zu verbinden (Tabelle auf S. 26 der Studie). Allerdings "half" in beiden Staaten der Zusammenbruch der sozialistischen Volkswirtschaften dabei. Auf Rang drei kommt Großbritannien - bei steigender Wirtschaftsleistung blieb der Treibhausgas-Ausstoß fast konstant (was vor allem auf das rasante Wachstum der relativ CO2-schwachen Dienstleistungsbranchen zurückzuführen ist, die britische Industrie dagegen konnte während des gesamten Jahrzehnts keine Klimaschutz-Fortschritte machen).
Die anderen sieben Top-10-Verschmutzer haben ihre CO2-Intensität höchstens relativ senken können - also den Ausstoß des Klimagases im Vergleich zum Wirtschaftswachstum lediglich gebremst. Italien schaffte zeitweise nicht einmal das (dasselbe gilt übrigens auch für Spanien, Österreich und Luxemburg). Besorgniserregend ist insgesamt, dass die Effizienzverbesserungen in den neunziger Jahren größer waren als jene, die ab dem Jahr 2000 zu verzeichnen waren.
Die Performance von China beschreiben die Autoren als Auf und Ab: In den neunziger Jahren sank die CO2-Intensität deutlich, nach der Jahrtausendwende hingegen nahm sie zu (offenbar wegen eines starken Ausbaus energieintensiver Industrien wie Stahl-, Zement- oder Aluminiumerzeugung) um ab 2006 wieder merkliche Fortschritte zu machen. Den USA als weltgrößtem Klimasünder gelang es der Studie zufolge immerhin, ihren CO2-Ausstoß zu zwei Dritteln vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln.
Von den kleineren CO2-Verursachern gelang es einer ganzen Reihe von Staaten, das Bruttoinlandsprodukt zu steigern - doch die meisten sind osteuropäische Staaten wie Bulgarien oder Ungarn, wo die Klimaschutzfortschritte auf das Ende des Ostblocks zurückzuführen sind. Bemerkenswert dagegen scheinen Belgien, Dänemark und Schweden: Dort ist den Daten zufolge ein klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreicht worden.
Die Weltbankstudie (in Englisch) zum Herunterladen
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