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Landnutzung treibt Klimawandel

Die Nutzung von Grasland und Wäldern für die Wald- und Weidewirtschaft wirkt sich sehr viel stärker aufs Klima aus als bislang bekannt. Die Bewirtschaftung trägt deutlich zur Reduktion der Kohlenstoffbestände in der Vegetation und damit zur Freisetzung von Kohlendioxid bei. Das geht aus einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Klagenfurt und weiterer Forschungseinrichtungen hervor, die jetzt im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde. Die Forscher fordern, den Klimaeffekt von Landnutzungsänderungen bei der Diskussion um eine Ausweitung der Biomassenutzung für den Klimaschutz stärker zu berücksichtigen.

BildKein Wald, sondern eine Agroforstplantage. Die CO2-Freisetzung durch solche Landnutzungen ist vollkommen unterbelichtet, warnen Forscher. (Foto: Susanne Götze)

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge bindet die Vegetation weltweit rund 450 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Ohne jegliche Landnutzung durch den Menschen könnten es rein theoretisch 916 Milliarden Tonnen sein. Mehr als die Hälfte des Kohlenstoffs wird durch die Abholzung von Wäldern oder andere Landnutzungen – meist für landwirtschaftliche Zwecke – abgebaut.

Aber auch, wenn Wälder und Grasland nicht verschwinden, sondern durch den Menschen genutzt werden, wird Kohlendioxid frei. Die Forscher schätzen diesen Anteil auf 42 bis 47 Prozent. Zwei Drittel davon entfallen auf die Waldnutzung, für ein Drittel ist die Weidewirtschaft verantwortlich.

"Diese Effekte wurden bis dato drastisch unterschätzt und daher in globalen Studien und Modellen kaum berücksichtigt", sagte Studien-Hauptautor Karlheinz Erb vom Institut für Soziale Ökologie der Universiät Klagenfurt. "Unser Ergebnis zeigt aber, dass sie massiv sind." Die Forschungsergebnisse legen demnach nahe, dass ein Stopp der Abholzung zwar unbedingt notwendig, aber nicht ausreichend ist, um den Klimawandel abzumildern. "Es geht darum, den Fokus vom Schutz von Waldflächen zum Schutz von Waldfunktionen, inklusive der Kohlenstoffbestände, zu verschieben", so Erb.

Von Bedeutung sind diese Forschungsergebnisse vor allem für die künftige Rolle der Biomassenutzung beim Klimaschutz. Zwar kann Biomasse fossile Energieträger ersetzen und dadurch Treibhausgas-Emissionen einsparen helfen. Gleichzeitig aber kann dies zu "beträchtlichen Treibhausgasemissionen von bewirtschafteten Flächen führen", wie die Forscher betonen. Die Nutzung von sogenannter Bioenergie sei nicht in jedem Fall klimaneutral.

Wichtig ist diese Erkenntnis auch, um den Nutzen der BECCS-Technologie für den Klimaschutz zu berechnen. Bei BECCS (Bio-Energy with Carbon Capture and Storage, "Bio-CCS") sollen im großen Stil Baum-Plantagen angelegt werden, um CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen und dieses dann wie bei der CCS-Technologie im Untergrund zu speichern. Umweltschützer und Entwicklungsorganisationen kritisieren BECCS wegen der negativen ökologischen Folgen und der absehbaren Landkonflikte. Die Klagenfurter Wissenschaftler warnen nun auch vor "gravierenden Wissensunsicherheiten und Datenlücken". Die für BECCS angestellten Modell-Berechnungen könnten zu falschen Schlüssen führen, wenn Landnutzungseffekte jenseits der Abholzung weiterhin keine Berücksichtigung finden.

"Unsere Studie zeigt, dass Landnutzungsstrategien zur Bekämpfung oder Abschwächung des Klimawandels ein sehr besonnenes und vorsichtiges Vorgehen brauchen", sagte Erb. "Simple, allzu simple Strategien können leicht nach hinten losgehen oder aufgrund der großen Unsicherheiten mehr Schaden als Nutzen anrichten."

klimaretter.info/em

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