Anzeige

CO₂-Konzentration schnellt nach oben

Wenige Tage vor Beginn der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn legt die Weltmeteorologieorganisation WMO neue alarmierende Zahlen vor. Demnach hat die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre im vergangenen Jahr so schnell zugenommen wie nie zuvor. Im globalen Durchschnitt lag die CO2-Konzentration 2016 bei 403,3 ppm (parts per million). 2015 hatte die WMO noch einen Durchschnittswert von 400 ppm verzeichnet.

BildSeit 1990 hat sich der sogenannte Strahlungsantrieb der Erde durch die zunehmende Treibhausgas-Konzentration um 40 Prozent erhöht; allein von 2015 zu 2016 waren es 2,5 Prozent. (Foto: NASA/​Wikimedia Commons)

Als Grund nennt die WMO neben dem hohen Ausstoß an Kohlendioxid auch das starke El-Niño-Ereignis vor zwei Jahren. Das Wetterphänomen hatte in tropischen Regionen zu verstärkter Trockenheit geführt. Dadurch konnte die Vegetation im Jahresverlauf nicht so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen.

Insgesamt liegt die CO2-Konzentration der Atmosphäre damit so hoch wie seit drei bis fünf Millionen Jahren nicht. Damals lag die Durchschnittstemperatur um zwei bis drei Grad höher; der Meeresspiegel war um zehn bis 20 Meter höher als heute. Seit Beginn der industriellen Revolution hat die Konzentration um 145 Prozent zugenommen.

"Ohne eine schnelle Verminderung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen steuern wir auf einen gefährlichen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts hin, der deutlich über den Limits liegt, die das Pariser Klimaabkommen formuliert", sagte WMO-Chef Petteri Taalas. "Künftige Generationen werden einen sehr viel unwirtlicheren Planeten erben."

Taalas wies auch darauf hin, dass das jetzt ausgestoßene Kohlendioxid mehrere hundert Jahre in der Atmosphäre verbleibt, in den Ozeanen sogar noch länger. "Die Gesetze der Physik bedeuten, dass wir künftig ein viel heißeres und extremeres Klima haben werden. Zurzeit haben wir keinen magischen Zauberstab, um dieses Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre zu holen." Damit spielt der Wissenschaftler auf die zunehmende Diskussion um "negative Emissionen" an, bei denen mithilfe von Großtechnologien Kohlendioxid aus der Atmosphäre geholt werden soll. Kritiker warnen vor gravierenden Risiken und verweisen auf den politischen Sprengstoff, den solche Technologien bergen.

Am morgigen Dienstag will das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNDP – ebenfalls im Vorfeld der Bonner Klimaverhandlungen – seinen diesjährigen "Emissions Gap Report" vorstellen, der die Kluft zwischen Klimaziel und politischem Handeln aufzeigt. 

klimaretter.info/em

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen