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Arktisches Meereis dünner als gedacht

Das Meereis in der Arktis könnte im Sommer wesentlich eher verschwinden als gedacht. Laut einer neuen Studie könnte das Meereis bis zu einem Viertel dünner sein als bisher angenommen. An der Studie waren sowohl Wissenschaftler der Universität Calgary in Kanada als auch deutsche Forscher vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven beteiligt.

BildReste von Meereis in der Arktis. (Foto: Mila Zinkova/​Wikimedia Commons)

Dass bisherige Messungen die Dicke des Eises offenbar überschätzten, liegt laut den Forschern an den Satellitendaten: "Das Meereis ist von Schnee bedeckt und dieser Schnee ist in der Nähe der Meereis-Oberfläche salzig", erläuterte Vishnu Nandan von der Universität Calgary, Hauptautor der Studie. Weil die Mikrowellen, die der Satellit aussendet, diesen salzigen Schnee nicht gut durchdringen können, lassen die reflektierten Wellen das Eis dicker erscheinen, als es ist. "Deshalb misst der Satellit nicht die richtige Eisoberfläche und die Satellitendaten überschätzen die Dicke", so Nandan.

Die Studie untersuchte Messungen des Satelliten Cryosat-2 der europäischen Weltraumagentur ESA. Um die Ungenauigkeit der Satellitendaten auszugleichen, schlagen die Wissenschaftler einen Korrekturfaktor vor, der den Salzgehalt des Schnees berücksichtigt.

Bisherige Schätzungen gehen davon aus, dass die Arktis zwischen 2040 und 2050 erstmals im Sommer eisfrei sein wird. Das könnte in Anbetracht der neuen Erkenntnisse schon früher passieren, sagte Nandan. Eine eisfreie Arktis im Sommer hätte gravierende Folgen. "So ein Wandel würde das globale Wettergeschehen beeinflussen und die Häufigkeit und Stärke von Stürmen erhöhen", sagte John Yackel, Professor in Calgary und Mitautor der Studie.

Schon ohne die neuen Erkenntnisse der Forscher wurde in diesem Jahr ein Minimum an Meereis-Dicke gemessen: Nach Daten des Piomas-Programms der University of Washington ist bereits ein Rekordtiefstwert erreicht.

klimaretter.info/fme

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