Methan aus Ölproduktion unterschlagen

Der Methanausstoß der kanadischen Ölregion Alberta liegt um mindestens 25 bis 50 Prozent über den offiziellen Regierungszahlen. Das haben Messungen von Wissenschaftlern unter Leitung der Carleton University in Ottawa ergeben. Die Studie ist in dieser Woche im Fachmagazin Environmental Science & Technology erschienen und dort frei zugänglich. Zwischen den Zahlen aus der direkten Messung sowie Schätzungen zum Methanausstoß am Boden und dem, was die Wissenschaftler ermittelt haben, klafft eine riesige Lücke.

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So haben die Wissenschaftler die Messergebnisse visualisiert: An der roten Färbung deutlich zu erkennen sind die Hotspots der Methanemission direkt über Anlagen zur Ölverarbeitung. (Grafik: Carleton University)

Per Flugzeug haben die Wissenschaftler Messdaten über der 3.600 Quadratkilometer großen Schweröl-Region Lloydminster gesammelt. Das Ergebnis war erschreckend: Dort ist der Methanausstoß dreimal so hoch wie die besten verfügbaren Schätzungen.

Direkt erfasst werden bislang nur die Emissionen aus der Verbrennung von überschüssigem Methan zu Kohlendioxid (englisch flaring) sowie das gezielte Ablassen des Gases (venting). "Wir wussten schon, dass es zusätzliche Emissionen gibt", sagte Matthew Johnson, Professor für Mechanik und Luftfahrt an der Carleton University. "Aber wir dachten, dass das keine große Sache ist. Jetzt zeigt sich, dass das falsch war. Diese Emissionen sind sehr viel größer, als wir angenommen haben."

In einem weiteren, 2.500 Quadratkilometer großen Gebiet in der Nähe der Stadt Red Deer zeigte sich, dass mit den beim "Flaring" und "Venting" bislang direkt gemessenen Daten nur sechs Prozent des Methanausstoßes erfasst werden. Offensichtlich gibt es also eine große Zahl weiterer Methanquellen, die bislang nicht gefunden wurden. Beispielsweise maßen die Forscher über einer Anlage zur Herstellung von Schweröl mehr als dreimal so hohe Werte, wie für die Anlage angegeben worden waren. Das deutet auf erhebliche Lecks hin.

Die Messungen zeigen, dass Kanada noch sehr viel mehr für seine selbst gesetzten Klimaziele tun muss als bislang gedacht. Bis 2025 will die Regierung den Methanausstoß um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2012 senken. Angesichts der Forschungsergebnisse brauche es jetzt neue Regulierungsmaßnahmen und politische Mechanismen, erklärten die Forscher.

Trotz der jetzt aufgedeckten großen Fehler steht Kanada beim Emissions-Monitoring der Erdölbranche noch vergleichsweise gut da: In vielen Ländern ist die Datenlage wesentlich schlechter.

klimaretter.info/em

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