Kakao wächst bei Dürre lieber in der Sonne

Agroforstsysteme sind nicht immer gut für die angebauten Nutzpflanzen, schließen Forscher der Universität Göttingen aus den Ergebnissen einer neuen Studie. Die Agrarwissenschaftler hatten untersucht, wie Kakaoplantagen am Übergang von Wald zu Savanne in Ghana an Dürren angepasst sind. Sie verglichen Plantagen, in der nur Kakaobäume wuchsen, mit solchen, bei denen zur Beschattung andere Baumarten angepflanzt waren. In Agroforstystemen werden Nutzpflanzen und Bäume zusammen angepflanzt. Sie gelten als weniger umweltschädlich im Vergleich zu Monokulturen, haben aber geringere Erträge.

BildKakaoernte in Kolumbien. Agroforstsysteme gelten als widerstandsfähiger gegenüber Monokulturen – die neue Studie stellt das infrage. (Foto: Elias Falla/​Pixabay)

Das Ergebnis: Während einer extremen Dürre im Jahr 2015 und 2016 starben alle Kakaopflanzen, die unter einer Schattenbaumart angebaut waren. Unter einer anderen Baumart starben noch drei von vier Pflanzen. Die Kakaobäume, die in der prallen Sonne wuchsen, kamen hingegen mit der Dürre am besten zurecht. Der Saftfluss im Stamm, der anzeigt, wie viel Wasser die Bäume von ihren Blättern verdunsten können, war bei ihnen höher als bei den beschatteten Pflanzen. Außerdem erholte er sich nach Ende der Dürre am schnellsten wieder.

Einen Hinweis darauf, warum die Schattenbäume, die eigentlich die Kakaobäume vor zu viel Hitze schützen sollen, den Kakaobäumen geschadet haben, geben die Forscher auch: In der prallen Sonne war viel mehr Wasser im Boden gespeichert als in den Agroforstsystemen, was den Wissenschaftlern zufolge hinweist, dass die großen Schattenbäume den Kakaopflanzen das Wasser wegnehmen.

"Es muss nachgeprüft werden, ob es wirklich sinnvoll ist, Kakao in Schatten-Agroforstwirtschaft anzubauen, um ihn resistenter gegen Dürren zu machen", schreiben die Forscher um den Göttinger Agrarökologen Reimund Rötter. Die schädlichere der beiden getesteten Baumarten gefährde Kakaobäume in lang anhaltender extremer Dürre. Die Studie entstand bei einem Projekt, das vom Bundesentwicklungsministerium gefördert wird.

Die Erkenntnisse aus der Studie gelten für den konventionellen Kakaoanbau. Beim ökologischen Anbau dürfen die Pflanzen nicht in der prallen Sonne stehen, wenn keine Chemie verwendet werden soll.

klimaretter.info/fme

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