Anzeige

Das Dieselproblem ist ein Preisproblem

Um bis zu zehn Prozent würden die CO2- und Stickoxid-Emissionen sinken, wenn die Steuervergünstigungen beim Diesel komplett gestrichen würden. Das ergibt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Das Papier erschien jetzt im Fachmagazin Transportation Research.

BildSchon ein Jahr nach einer europaweiten Abschaffung der Steuervorteile für Diesel wäre eine deutliche Reduktion beim Schadstoffausstoß festzustellen (der Wert in Klammern). Nach fünf Jahren noch mehr. (Grafik: MCC)

Die Studie bezieht sich auf ganz Europa. Je nachdem, wie hoch der Steuervorteil für Dieselkraftstoff in einem Land ist und wie viele Dieselfahrzeuge dort unterwegs sind, ergeben sich Einsparpotenziale beim Ausstoß von Kohlendioxid, Stickoxiden und Feinstaub (siehe Abbildungen).

In Deutschland und in Frankreich, die beide stark auf den Diesel gesetzt haben, würden die entsprechenden Emissionen innerhalb von fünf Jahren um rund zehn Prozent sinken – sobald die Steuerprivilegien abgeschafft werden. In Deutschland würde Dieselsprit dann pro Liter um rund 20 Cent teurer.

BildAuch bei den gesundheitsschädlichen Stickoxiden (NOx) würde sich eine spürbare Entlastung ergeben. (Grafik: MCC)

Diese Verteuerung, so zeigt die Studie, hätte enorme Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten. "Dieselfahrer reagieren auf Spritsteuererhöhungen deutlich preissensibler als bisher angenommen", konstatieren die Autoren des Papiers.

Bei einem Preisanstieg von 20 Cent pro Liter würden Dieselfahrer demnach rund 14 Prozent weniger Kraftstoff tanken. Der Effekt, den dies für die Reduktion des Schadstoffausstoßes hätte, entspricht dem Effekt, der bei Einführung einer CO2-Steuer eintreten würde – und zwar mit einem Preis von 50 Euro pro Tonne CO2.

Die Abschaffung der Dieselrabatte würde nicht nur die Staatshaushalte entlasten und somit Mittel für eine sozialverträgliche Verkehrswende freimachen, betonen die Wissenschaftler. Auch die allseits befürchteten Fahrverbote für Diesel-Pkw könnten so vermieden werden.

"Klima- und umweltpolitisch gibt es eigentlich keinen Grund für die Privilegien des Diesels", betonte Studienautorin Anne Zimmer vom Potsdam-Institut. "Pro Liter ist er deutlich schmutziger als ein Benziner."

Dies zeigt auch eine aktuelle Untersuchung des europäischen Umwelt- und Verkehrs-Dachverbands Transport and Environment (T&E). Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs, schneidet der Diesel schlechter ab als der Benziner (siehe Abbildung unten). Fazit: Die Behauptung, man brauche den Diesel, weil dieser klimafreundlicher sei als ein Benziner und nur so die Klimaziele zu schaffen seien, lässt sich nicht aufrechterhalten.

BildÜber den gesamten Lebenszyklus betrachtet (Grafik vergrößern), schneidet der Diesel bei den CO2-Emissionen keineswegs besser ab als Benziner. (Grafik: T&E)

klimaretter.info/vk

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen