Grönlands Tundra brennt

Schon seit Ende Juli brennt es an der Westküste Grönlands. Betroffen sind mindestens 500 Hektar Grasland – mehr als jemals zuvor, seitdem im Jahr 2000 mit Satellitenbeobachtungen begonnen wurde. Das zeigen die Aufnahmen von Nasa und Esa.

BildFeuer in Westgrönland: Aufnahme von Anfang August. (Foto: Pierre Markuse/​ESA/​Flickr)

Die Forscher sprechen von einem "ungewöhnlich großen Feuer". Eine Analyse von Aufnahmen des Esa-Satelliten Sentinel 1 zeigt, dass sich das Feuer auch am 18. August noch weiter ausbreitete, wie Wissenschaftler beim Kurznachrichtendienst Twitter meldeten.

Das Feuer besteht aus mehreren Brandherden. Sie liegen in der Nähe des Ortes Kangerlussuaq am Polarkreis. Dort leben etwa 500 Menschen. Wodurch das Feuer verursacht wurde, ist bislang unklar. Denkbar sind sowohl Blitzschlag als auch menschliches Zutun.

Klar ist nur: Möglich sind solche Feuer, weil der Permafrostboden auf Grönland mit steigenden Temperaturen immer mehr auftaut – natürlich vor allem im Sommer. In der Arktis vollzieht sich die Erderwärmung schneller als überall sonst auf der Erde. In den Sommermonaten sind 20 bis 25 Grad Celsius in Grönland keine Seltenheit mehr, was auch zu mehr Trockenheit führt und ebenfalls Brände begünstigt.

Infolge der steigenden Temperaturen ergrünt die einstige Eisinsel. Der Weltklimarat IPCC stellte in seinem jüngsten Sachstandsbericht von 2014 fest, dass zwischen 1982 und 2012 ein Drittel der arktischen Landfläche "grüner" geworden ist, dass also dort die Vegetation zugenommen hat: Büsche, Moose, Flechten. Das trifft auch auf Teile der grönländischen Westküste zu. Da die eisfreie Fläche größer wird, wächst auch die Gefahr von Bränden. Es gibt schlichtweg mehr Fläche, die brennen kann.

Auf Satellitenaufnahmen kann man denn auch sehen, dass die Brände auf Grönland seit 2014 stark zunehmen, sowohl in der Anzahl als auch nach der Fläche. Besonders beunruhigend daran ist, dass nicht nur die Vegetation brennt, sondern auch der Boden, in dem die Wissenschaftler Torf vermuten. Diese Schwelbrände sind sehr schwer zu löschen; die Feuer brennen besonders lange.

BildSatellitenbild von Mitte August. In der Detailaufnahme unten ist gut zu erkennen, dass es mehrere Brände sind. (Foto: NOAA/​NASA)

klimaretter.info/vk

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