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EU-Studie: 152.000 Tote durch Extremwetter

Extremwetter-Ereignisse könnten im Jahr 2100 in Europa 50-mal mehr Todesopfer fordern als heute. Das geht aus einer Studie der Europäischen Kommission hervor, die in dieser Woche im britischen Magazin The Lancet Planetary Health erschienen ist. Bis zu 152.000 Menschen könnten dann pro Jahr an besonders extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Überflutungen oder Waldbränden sterben.

BildTemperaturen über 40 Grad können auch gesunden Menschen schwer zusetzen. Für alte oder kranke Menschen sind sie nicht selten lebensbedrohlich. (Foto: Bark Bud/​Flickr)

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 2.300 Extremwetterereignissen im Zeitraum von 1981 bis 2010 aus. Dabei waren bis zu 3.000 Menschen pro Jahr gestorben. Bei einem weiteren Anstieg der globalen Temperaturen und fehlenden Anpassungsmaßnahmen an Küsten und in großen Städten könnten am Ende des Jahrhunderts zwei von drei Europäern von den Folgen betroffen sein – insgesamt bis zu 350 Millionen im Jahr.

Die Menschen seien durch eine ganze Reihe direkter und indirekter Extremwetter-Folgen betroffen, schreiben die Forscher: körperliche Verletzungen, Krankheiten und Infektionen, psychische Probleme oder auch das kurzfristige Ausfallen von medizinischer Versorgung im Falle eines Katastrophenalarms. 

Besonders in Südeuropa könnte Extremwetter zu den größten Umweltbedrohungen der kommenden Jahrzehnte werden. Als Ursache machen die Wissenschaftler vor allem die prognostizierten Hitzewellen aus. Sterben heute 2.700 Menschen jährlich einen vorzeitigen Tod durch extreme Hitze, könnten es am Ende des Jahrhunderts 151.500 sein – das sind über 99 Prozent aller Extremwetteropfer. 

Auch in diesen Sommer sorgen Temperaturen von über 40 Grad und ausbleibender Niederschlag im Süden für große Trockenheit, die unter anderem zu Wassermangel und Waldbränden führt. Bei extremer Hitze bekommen viele Menschen Herz-Kreislauf-Probleme, außerdem kann es zu Atemwegsbeschwerden und anderen Gesundheitsfolgen kommen. "Die globale Klimaerwärmung könnte die Kosten der Folgen von Extremwetter auf die Menschen sehr schnell steigen lassen, wenn keine geeigneten Anpassungsmaßnahmen unternommen werden", warnen die Studienautoren.

Die Studie ist im Internet frei zugänglich. Dass die Untersuchung im Lancet-Magazin erschien, ist kein Zufall: Im Jahr 2015 gründete sich die Lancet Commission on Health and Climate Change, in der Mediziner aus Europa, China und den USA zusammenarbeiten. Zu den größten klimabedingten Bedrohungen gehören laut den Forschern vor allem der gefährliche Mix aus Luftverschmutzung und Hitzewellen. Dadurch bildet sich in großen Metropolen öfter Ozon, das Kopfschmerzen, eine Reizung der Atemwege und Lungenschäden verursachen kann. Aber auch vor Feinstaub durch häufigere Waldbrände, Schimmelbildung nach Hochwasser und einer höheren Pollenbelastung warnen die Mediziner der Lancet-Kommission.

klimaretter.info/sg

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