Klimawandel killt Schweizer Gletscher

Für die meisten Gletscher der Schweiz ist es schon zu spät. Selbst wenn die Menschheit ab sofort keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen würde, werden die meisten Gletscher in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderthunderts komplett schmelzen. "Die Schweizer Gletscher kann man nicht mehr retten", sagte der Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich dem Tagesanzeiger. Er hofft dennoch, dass mindestens 20 Prozent der Schweizer Gletscher – vornehmlich in hohen Lagen – erhalten bleiben.

BildFür den Aletsch-Gletscher stehen die Chancen gut, dass er in Teilen bis Ende des Jahrhunderts erhalten bleibt. Für die anderen Gletscher sind die Aussichten weitaus düsterer. (Foto: Jo in Riederalp/​Wikimedia Commons)

Ihre größte Ausdehnung erreichten die Schweizer Gletscher während der Kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Damals betrug die gesamte Gletscherfläche 1.735 Quadratkilometer. 2016 waren es nur noch 890 Quadratkilometer. Innerhalb von 166 Jahren ist also die Hälfte der Gletscherfläche weggeschmolzen. Vor allem in der jüngsten Vergangenheit hat sich die Schmelze verstärkt: Sechs der acht extremsten Schmelz-Jahre lagen nach 2008. 

Schon frühere Untersuchungen waren zu ähnlich drastischen Ergebnissen gekommen. Allerdings ist der Gletscherschwund regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Ursache für den drastischen Eisverlust gilt der Temperaturanstieg durch die stetig ansteigenden anthropogenen Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre.

Als erster Staat der Welt hatte die Schweiz im Frühjahr 2015 ihre Einsparziele für den Pariser Klimavertrag beim UN-Klimasekretariat in Bonn gemeldet. Die Schweiz sei als Alpenland besonders vom Klimawandel betroffen und habe deshalb "ein großes Interesse an einer erfolgreichen internationalen Klimapolitik und einer raschen Reduktion der globalen Emissionen", begründete der Bundesrat, die Schweizer Regierung, damals den Vorstoß.

Die Alpenrepublik will ihren CO2-Ausstoß bis 2030 gegenüber 1990 halbieren. 60 Prozent der Reduktion sollen mit inländischen Maßnahmen erfolgen, der Rest soll über Maßnahmen im Ausland erreicht werden, für die lediglich Zertifikate über den Emissionshandel gekauft werden. Der Forschungsverbund Climate Action Tracker bewertet die Anstrengungen der Schweiz als mäßig ambitioniert – ein fairer Beitrag eines entwickelten Landes erfordere mehr Engagement. Umweltverbände forderten damals eine Reduktion des CO2-Ausstoßes bis 2030 um 60 Prozent – mit Maßnahmen ausschließlich im Inland.

klimaretter.info/kir

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