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Weniger fliegen, weniger Kinder kriegen

Was kann ich selbst tun, um das Klima zu schützen? Die Frage haben sich Seth Wynes und Kimberly Nicholas vom Zentrum für Nachhaltigkeitsstudien an der Universität Lund in Schweden gestellt. Sie waren unzufrieden mit den Schulbuch-Ratschlägen und dem Fokus von Regierungen etwa in der EU oder den USA – denn deren Empfehlungen würden sich vor allem auf Handlungen konzentrieren, die eher geringe Klimaauswirkungen haben.

BildWas beeinflusst meinen individuellen CO2-Fußabdruck am meisten? Die Grafik (vergrößern) lenkt den Blick auf die sogenannten "Big Points". (Grafik: Seth Wynes und Kimberly Nicholas/​Environmental Research Letters)

Die Forscher haben 148 Szenarien aus 39 Quellen ausgewertet und kommen in ihrer Studie, die im Fachblatt Environmental Research Letters erschienen ist, zu folgendem Ergebnis: Wer seinen eigenen Lebensstil klimafreundlicher gestalten will, sollte zuallerst ein Kind weniger bekommen (58,6 Tonnen CO2-Einsparung in einem Industrieland). An zweiter Stelle listen die Wissenschaftler die Empfehlung, ohne Auto zu leben (2,4 Tonnen CO2 pro Jahr). Weitere positive Effekte für das Klima habe es, nicht zu fliegen (1,6 Tonnen CO2 pro transatlantischem Hin- und Rückflug), grüne Energie zu beziehen, von einem Elektroauto umzusteigen auf gar kein Auto sowie Vegetarier zu werden (0,8 Tonnen CO2 pro Jahr).

Im Vergleich dazu fallen die weiteren Empfehlungen, die oft in der öffentlichen Debatte auftauchen, kaum ins Gewicht: Kleidung mit kälterem Wasser waschen, Müll recyceln, Wäsche an der Luft trocknen, Beleuchung auf Energiesparlampen umrüsten.

In der Kritik steht die schwedische Studie nun vor allem aus einem Grund: der Empfehlung, weniger Kinder zu bekommen. Ins Feld führen Kritiker wie David Roberts im US-Magazin Vox, dass sich die Verantwortlichkeit für den CO2-Fußabdruck kaum von den Eltern auf die Kinder und auf deren Kinder übertragen lässt. Ohnehin gehe in den wohlhabenden Industrieländern die Zahl der Kinder deutlich zurück. Vor allem aber müsse differenziert werden, wie wohlhabend jemand sei – denn die reichsten zehn Prozent seien allein für die Hälfte der CO2-Emissionen verantwortlich. Die Folgerung: Wer klimafreundlich leben will, sollte nicht reich sein.

klimaretter.info/bra

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