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"Grüner" Wasserstoff von der Tankstelle

"Grüner" Wasserstoff zum Fahrzeugantrieb lässt sich per Elektrolyse auch direkt an einer Tankstelle herstellen. Wird der Öko-Strom dafür direkt von einem Windpark bezogen, ergeben sich die derzeit günstigsten Herstellungskosten für den Wasserstoff. Das ergab ein Forschungsprojekt des Reiner-Lemoine-Instituts (RLI) in Berlin, wie das Institut jetzt mitteilte.

BildMit einem speziellen Einfüllstutzen lässt sich der Wasserstoff ähnlich bequem in den Tank füllen wie herkömmlicher Kraftstoff. (Foto: Baranek Stuttgart/​Wikimedia Commons)

Zwei Jahre lang hatten die Forscher den realen Betrieb einer Wasserstofftankstelle nahe dem künftigen Berliner Flughafen BER analysiert und verbessert. Die Tankstelle verfügt über einen Elektrolyseur, der den Wasserstoff direkt vor Ort unter Einsatz erneuerbaren Stroms herstellt. Dadurch fallen – verglichen mit einer Wasserstoff-Lieferung ab Werk – bereits Transportkosten weg, auch sind die Investitionen vergleichsweise gering.

Die Forscher untersuchten auch, wie sich die Kosten entwickeln, wenn der Ökostrom am Spotmarkt oder am Regelenergiemarkt bezogen wird oder wenn erneuerbare Energien direkt genutzt werden. Zudem wurden die Anlagenteile – Elektrolyseur, Wasserstoffverdichter und -speicher sowie die Tankanlage – mit der Zeit optimiert.

Das Resultat: Wird der Ökostrom vom kurzfristigen Spotmarkt bezogen und ist die Wasserstoff-Anlage nicht optimal ausgelegt, belaufen sich die Kosten auf etwa 13 Euro pro Kilogramm Wasserstoff. Das ist den Forschern zufolge teurer, als Wasserstoff von einem externen Anbieter zu kaufen. Der beste Fall ergab sich in der Studie durch die direkte Anbindung der Tankstelle an einen Windpark mit Herstellungskosten von 10,36 Euro je Kilo Wasserstoff.

Die Branche geht davon aus, dass Wasserstoff als Fahrzeugantrieb derzeit bei einem Preis von etwa 9,50 Euro je Kilo mit den Preisen fossiler Kraftstoffe mithalten kann. Weil die Anlage beim BER nur als Testanlage dient, ist davon auszugehen, dass bei einer Serienfertigung die Investitionskosten und damit auch der Wasserstoffpreis deutlich sinken würden.

In Deutschland fristen wasserstoffgetriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge bisher ein Randdasein, sie werden in der offiziellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes nicht ausgewiesen. Als Autoantrieb wird Wasserstoff unter anderem seit August 2016 in München bei einem Carsharing-Angebot des Gaskonzerns Linde eingesetzt.  Anderswo fahren einige Busse und Testfahrzeuge mit Wasserstoff.

Der beim RLI-Projekt erzeugte Wasserstoff wurde vor allem von der gasbetriebenen Blockheizanlage der Tankstelle genutzt. Ab und zu, so hieß es, sei aber auch ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug vorbeigekommen.

klimaretter.info/jst

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