Forscher auf Datenjagd in Polarregionen

Bislang gibt es in der Arktis und der Antarktis nur wenige Wetterstationen, die regelmäßig Daten erfassen und zuverlässige Wetterprognosen möglich machen. Das will das groß angelegte "Polar Prediction Project" der Weltorganisation für Meteorologie WMO und des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit Wetterdiensten und Forschungseinrichtungen aus mehr als 20 Staaten ändern. Im Rahmen der Initiative "Year of Polar Prediction" (YOPP) wollen die Forscher in den kommenden zwei Jahren intensive Messkampagnen in Arktis und Antarktis durchführen.

BildSo sieht es aus, wenn ein Meteorologe in der Antarktis einen Wetterballon steigen lässt. Die Daten sind Grundlage für die Klimamodellierungen der Wissenschaftler. (Foto: Stefan Christmann/​AWI)

Ziel ist es, Beobachtungslücken in den Polarregionen zu schließen und so die Wetter-, Eis- und Klimamodelle erheblich zu verbessern. Hierfür sollen zahlreiche Wetterballons und Messbojen genutzt und automatische Wetterstationen aufgebaut werden, Forschungsflugzeuge und -satelliten fliegen und Landexpeditionen stattfinden.

"Die Arktis und Teile der Antarktis erwärmen sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt", sagte Thomas Jung, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und Leiter der Steuerungsgruppe für das Projekt. "Wir beobachten, wie die Gletscher, das Meereis und die Schneedecke schrumpfen und sich diese Veränderungen unmittelbar auf den Meeresspiegel und die bisher typischen Wetterabläufe auswirken." Derzeit könne man die weitere Entwicklung sowie das Ausmaß der Veränderungen nur unzureichend vorhersagen. "Hier haben unsere Klimamodelle noch klare Defizite", so Jung.

Anhand der erwarteten Ergebnisse hoffen die Forscher auch besser zu verstehen, wie die klimatischen Veränderungen an den Polen das Wetter jenseits von Arktis und Antarktis prägen. "Aufgrund von Fernwirkungen beeinflusst der Klimawandel in den Polarregionen das Wetter und Klima in den mittleren Breiten, in denen Abermillionen Menschen leben", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. "Wenn sich die Luftmassen in der Arktis erwärmen und das Meereis schwindet, wirkt sich diese Veränderung nicht nur auf die Meereszirkulation und den Jetstream aus. Es scheint auch Verbindungen zu Wetterextremen wie Kälteeinbrüchen, Hitzewellen und Trockenperioden in der nördlichen Hemisphäre zu geben."

Die im Rahmen des Projekts erhobenen Daten sollen Wetterzentren und Forschungseinrichtungen weltweit zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sollen Sozialwissenschaftler herausfinden, wie Vorhersagen zu den Entwicklungen in Arktis und Antarktis besser in politische und ökonomische Entscheidungsprozesse einfließen können.

Was in den Polarregionen passiert, betrifft auch ganz andere Weltgegenden: Das Kurzvideo erklärt in englischer Sprache die Beweggründe für das "Polar Prediction Project". (Video: WMO/​Year Of Polar Prediction/​Youtube)

klimaretter.info/em

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