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Amazonas: Waldverlust verstärkt sich selbst

Abholzung und abnehmende Niederschläge könnten im Regenwald des Amazonasbeckens einen Teufelskreis in Gang setzen, warnen Wissenschaftler in einer im Fachmagazin Nature Communications erschienenen Studie. Demnach droht Wald nicht nur dadurch verloren zu gehen, dass es weniger regnet. Dieser Waldverlust selbst kann wiederum die regionale Trockenheit erhöhen – und so weitere Schrumpfungen der Amazonas-Wälder nach sich ziehen. Die Forscher sprechen von einem sich selbst verstärkenden Waldverlust, der noch zusätzlich zu dem Verlust entsteht, der direkt durch weniger Regen ausgelöst wird.

BildWolken über Amazonien: Regenwälder erzeugen einen großen Teil des Wassers, das sie brauchen, selbst. (Foto: Neil Palmer/​CIAT/​Flickr)

Der Grund für diesen Effekt: Regenwälder verdunsten große Mengen an Feuchtigkeit, die als Niederschlag wieder auf die Erde fällt. Verschwindet ein Teil der Wälder, geht auch die dort gespeicherte und freigegebene Feuchtigkeit verloren. "So machtvoll dieser Kreislauf ist, so ist er doch zugleich erstaunlich empfindlich gegenüber Umweltveränderungen", erläuterte Henrique Barbosa von der Universität São Paulo in Brasilien, einer der Autoren der Studie. Die Menschheit störe das Amazonasgebiet massiv, sowohl durch die Abholzung von tropischen Bäumen als auch indirekt über die Erwärmung der Atmosphäre durch den Ausstoß von Treibhausgasen von fossilen Brennstoffen. "Dies verringert den großräumigen Transport von Feuchtigkeit und trifft am Ende sogar die zuvor unberührten Teile des Waldes", sagte Barbosa.

Zurzeit beobachten Meteorologen, dass die Niederschläge im Süden und Osten des Amazonaswaldes zwar während der Regenzeit zunehmen, jedoch während der Trockenzeit abnehmen. "Das liegt an sich verändernden Temperaturen an der Meeresoberfläche, die den Feuchtetransport zwischen den Tropenregionen beeinflussen", erklärte Ko-Autorin Anja Rammig von der Technischen Universität München (TUM). Es sei noch unklar, ob dies sich so fortsetze. Jüngste Projektionen aber, die mit Beobachtungsdaten abgeglichen worden seien, wiesen darauf hin, dass in den Trockenzeiten die Niederschlagsmengen weiter abnehmen könnten. Gefährlich für den Wald ist hierbei nicht nur, wenn die Niederschläge insgesamt weniger werden. Auch verlängerte Trockenperioden lassen Wälder verschwinden. Die Wissenschaftler sehen hierdurch große Teile des Amazonaswaldes in Gefahr.

Das Ökosystem des Amazonas-Regenwaldes zählt zu den sogenannten Kippelementen im Klimasystem. Hier können selbst kleine Veränderungen der Umweltbedingungen massive Veränderungen hervorrufen – und das System zum "Kippen" bringen. Der Verlust des Regenwaldes hätte unabsehbare Folgen auf das globale Klima. Ein Viertel des globalen Kohlenstoff-Austauschs findet hier statt; der Wald ist ein riesiger Kohlenstoffspeicher.

klimaretter.info/em

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