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CO₂-Budget womöglich schon aufgebraucht

Im Jahr 2018 will der Weltklimarat IPCC seinen Bericht vorlegen, wie sich die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen ließe. Womöglich hat die Welt dann allerdings die Schwelle schon überschritten. In einem mittleren Szenario könnte das CO2-Budget, mit dem man das 1,5-Grad-Ziel noch schaffen könnte, schon in eineinhalb Jahren aufgebraucht sein, zeigt eine interaktive Kohlendioxid-Uhr des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Gerade mal 66 Gigatonnen stehen in der Prognose noch zur Verfügung – die Welt stößt aber derzeit pro Jahr etwa 40 Gigatonnen CO2 aus.

Einfach auf das Bild klicken: Für das Zwei-Grad- und das 1,5-Grad-Ziel lässt sich jeweils in drei Szenarien die noch verbleibende Zeit anzeigen. (Grafik: MCC)

Im ungünstigsten Fall haben wir die 1,5-Grad-Schwelle sogar schon überschritten – seit einem Jahr. Das würde bedeuten, dass bereits über 40 Gigatonnen CO2 zu viel in der Atmosphäre wären und mit sogenannten negativen Emissionen herausgeholt werden müssten, soll das 2015 in Paris beschlossene Klimaziel noch eingehalten werden. Werden die 1,5 Grad geknackt, drohen alle Korallenriffe abzusterben, die Pazifikatolle unterzugehen und sich die Klimazonen fundamental zu verändern. Selbst im günstigsten Fall sind laut CO2-Uhr nur noch gut vier Jahre Zeit, bis das Budget aufgebraucht ist. Stets vorausgesetzt, die Welt stößt jedes Jahr so viel CO2 aus wie im Jahr 2014.

Im Jahr 2016 lag die globale Mitteltemperatur schon um 1,3 Grad über dem Wert vor der Industrialisierung. Zwar wird damit gerechnet, dass nach dem Abklingen des Wetterphänomens El Niño der Jahresmittelwert in diesem Jahr wieder etwas fallen wird. Dass dennoch das Budget für die 1,5-Grad-Schwelle womöglich schon überschritten ist, liegt dem Berliner MCC-Forscher Alexander Radebach zufolge an der großen Zeitverzögerung zwischen CO2-Anstieg und Erderwärmung. Denn Ozeane und Klimasystem reagieren nur träge auf die neue chemische Zusammensetzung in der Atmosphäre.

Hinzu kommen Unsicherheiten in den Klimamodellen, was die Höhe des verbleibenden CO2-Budgets betrifft. Die Computermodelle bauen auf einer ganzen Reihe von Annahmen auf, die sich nur nur durch mehr oder weniger genaue Schätzungen überprüfen lassen. Deswegen habe man sich dafür entschieden, die ganze Spannbreite der möglichen Entwicklung des CO2-Budgets in Form der drei Szenarien abzubilden, sagt Radebach.

Bis das Budget für eine Erwärmung um zwei Grad aufgebraucht ist, bleibt der Menschheit noch eine Frist zwischen 23 Jahren (im besten Falle) und neun Jahren (im schlechtesten Fall). In einer mittleren Abschätzung sind es fast genau 19 Jahre. Wohlgemerkt: Dann müssten weltweit alle Kohle- und Gaskraftwerke abgeschaltet sein, alle Gebäude mit Ökoenergien beheizt werden, kein Benzin- und Dieselauto dürfte mehr auf der Straße fahren. Oder es müsste jede Tonne CO2, die ausgestoßen wird, mithilfe von sogenannten negativen Emissionen ausgeglichen werden.

Lesen Sie dazu die Kolumne von Joachim Wille: Die Kohlenstoff-Uhr tickt

klimaretter.info/bra

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