Negative Emissionen mit negativen Folgen

Die Anwendung von Technologien, um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, kann schwerwiegende Probleme nach sich ziehen. So beanspruchen die Techniken etwa große Landflächen oder sind zu energieintensiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit Unterstützung des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), die im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht wurde

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Bis Technologien für "negative Emissionen" tatsächlich die gewünschten Effekte – und keine schlimmen Nebenwirkungen – haben, muss noch viel Geld und Zeit in die Forschung investiert werden, sagen die Autoren der Studie. (Foto: Julia Rotter/Pixelio)

Wird Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen, spricht man von negativen Emissionen. "Diese ermöglichen es, in näherer Zukunft erstmal mehr zu emittieren" sagte Studien-Mitautorin Sabine Fuss vom MCC gegenüber klimaretter.info. Genau das könne aber die Energiewende abbremsen und verhindern, dass die Treibhausgasemissionen zügig verringert werden.

Baumpflanzungen oder zermahlenes Gestein, das auf landwirtschaftlichen Flächen aufgebracht wird, können Kohlendioxid binden. Eine andere, immer häufiger propagierte Technologie will "Bio-Energie" mit der umstrittenen Technik Carbon Capture and Storage (CCS) koppeln: Beim sogenannten BECCS soll das bei der Verbrennung der Biomasse – etwa von Holzresten – frei werdende CO2 abgeschieden und in Tiefenlagern gespeichert werden. Dazu wären aber große Mengen an Biomasse erforderlich, heißt es in der Studie. Wegen des damit verbundenen Land- und Wasserbedarfs stehe die Technologie damit in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

Wiederaufforstung hingegen sei zwar kostengünstiger, könne allerdings in trockenen Regionen zu übersteigertem Wasserverbrauch und zu Streit um Landnutzungsrechte führen. Die Studie gilt als richtungsweisend, da sie erstmals die Potenziale, Kosten und Risiken von Technologien für die "negativen Emissionen" abschätzt.

Schon in der Vergangenheit kamen Studien zu dem Schluss, dass das sogenannte Climate Engineering zu viele Risiken berge und nicht über ausreichend Potenzial verfüge. Auch die Autoren der jetzt veröffentlichten Studie mahnen: Die Möglichkeit, klimaschädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu lösen, entbinde nicht davon, jetzt schnell den CO2-Ausstoß zu reduzieren. 

klimaretter.info/as

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