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Exxon erwartet Klimawandel seit den 70ern

Der Mineralölkonzern Exxon Mobil weiß schon seit den 1970er Jahren vom Klimawandel und seinen Folgen – und auch davon, dass das eigene Geschäftsmodell den Vorgang befeuert. Das ergab eine Recherche des US-amerikanischen Online-Magazins Inside Climate News, die auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter und der Sichtung zahlreicher interner Dokumente des Konzerns aus den Jahren 1977 bis 1986 beruht.

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Der Ölkonzern Exxon Mobil finanzierte bereits klima"skeptische" Organisationen und zementiert die Verbrennung fossiler Treibstoffe durch sein Geschäftsmodell immer weiter – dabei weiß er seit 40 Jahren, dass er damit die Klimakatastrophe anheizt. (Foto: Brian Katt/Wikimedia Commons)

Demnach hat Exxons eigene Forschungsabteilung die Chefetage jahrelang mit Informationen zum Klimawandel versorgt, sogar schon zu einer Zeit, als es noch kaum eine öffentliche Debatte darüber gab. Zum Beispiel der Klimaforscher James F. Black im Juli 1977: "Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass Kohlendioxidemissionen aus der Verbrennung von fossilen Treibstoffen der wahrscheinlichste Weg sind, wie die Menschheit das globale Klima beeinflusst."

Ein Jahr später prognostizierten die Wissenschaftler laut Inside Climate News eine globale Erwärmung von zwei bis drei Grad, wenn sich der Anteil von Kohlendioxid in der Luft verdopple. Auch vor Dürren in manchen Regionen und häufigeren Niederschlägen in anderen hätten die Forscher gewarnt. "Einige Länder würden von dem veränderten Klima vielleicht profitieren, andere hätten mit zerstörten Ernten zu kämpfen", habe Black in dieser zweiten Präsentation erklärt.

1979 schickte Exxon, ergab die Recherche weiter, einen Supertanker um die Welt, von dem aus Messgeräte die Kohlendioxid-Konzentration über den Meeren erfassten. 1980 habe der Mineralölkonzern eine neue Arbeitsgruppe geschaffen, die Klimamodelle aufstellen sollte.

Trotzdem blieb der US-Konzern bei seinem Geschäftsmodell. Mit rund 480 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz eines der größten und "wertvollsten" Unternehmen der Welt, ist Exxon außerdem bekannt dafür, zumindest in der Vergangenheit klima"skeptische" Thinktanks und Gruppen mit großem Geld finanziert zu haben. Seit 2008, ungefähr seit Beginn von Barack Obamas Präsidentschaft, lassen sich keine Zahlungen mehr zurückverfolgen. Heimlich kann das Geld aber trotzdem weiter geflossen sein, etwa über Stiftungen wie den Donors Trust oder den Donor Capital Fund. Die Spender dürfen anonym bleiben, sodass sich nicht mehr nachvollziehen lässt, wer was zahlt.

Bereits im Juli hatte die Union of Concerned Scientists aufgedeckt, dass Exxon schon lange Klimaforschung betreibt – um zu prüfen, wie die eigene Branche künftig reguliert werden könnte und welche wissenschaftlichen Grundlagen es dafür gibt. Allerdings konnte die kritische Wissenschaftlerorganisation diese Tätigkeiten des Konzerns nur bis in die 1980er Jahre zurückverfolgen.

klimaretter.info/scz

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