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Erwärmungspause gab es nie

Es hat in den letzten 15 Jahren keine Verlangsamung der Erderwärmung gegeben, die sogenannte Erwärmungspause ist nur eine Fiktion, hervorgerufen durch unzureichende Messdaten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in den USA, die jetzt im Fachmagazin Science veröffentlicht wurde. Den Erkenntnissen der Wetterbehörde zufolge war die Erwärmungsrate zwischen 1998 und 2012 keineswegs geringer als in den 50 Jahren zuvor, sondern genauso hoch oder höher.

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Im Gegensatz zur jüngsten Diskussion zeigt die neueste korrigierte Analyse, dass die globale Erwärmung sich fortgesetzt hat und keine Verlangsamung stattfand. (Grafik: NOAA)

Die Forscher um Thomas Karl von der NOAA haben die bisherigen Temperaturmessungen über Land und Meer einer kritischen Analyse unterzogen sowie jüngste Messdaten einfließen lassen. Dadurch konnte die Qualität der Daten verbessert werden, eine Revision der bislang festgestellten "Pause" ist das Ergebnis. "Unsere neue Analyse zeigt, dass die scheinbare Pause zum größten Teil das Ergebnis unzureichender Datensätze war", so Karl.

Der Weltklimarat IPCC hatte in seinem jüngsten Sachstandsbericht die durchschnittliche globale Erwärmung zwischen 1998 und 2012 mit nur 0,05 Grad Celsius pro Dekade angegeben. Die NOAA-Studie hat dagegen eine Erwärmung von 0,12 Grad pro Dekade für die Zeit zwischen 2000 und 2014 errechnet, nach 0,11 Grad pro Dekade zwischen 1950 und 1999. "Ein Rückgang der Erwärmungsrate ist nicht zu erkennen", fassen die Studienautoren zusammen.

Das Kapitel des jüngsten IPCC-Berichts, das sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels befasst, ist im September 2013 veröffentlicht worden. Seitdem hat die NOAA nach eigenen Angaben "signifikante Verbesserungen" bei der Berechnung von Erwärmungstrends erzielt. Zudem konnten auch verschiedene Fehlerquellen bei der Datenerhebung ausgeschlossen werden, etwa bei Messungen von Meerestemperaturen. So wurde beispielsweise aufgedeckt, dass keineswegs immer das moderne Verfahren angewandt wird, bei dem von Schiffen aus Wasser durch ein Rohr angesaugt und sofort die Temperatur bestimmt wird. Vielfach wird noch immer ein Gefäß ins Wasser getaucht, herausgeholt und anschließend die Temperatur gemessen, was als fehleranfällige Methode gilt.

"Es ist klar, dass es keine Erwärmungspause gibt und dass die Temperaturen weiter steigen", sagte Ko-Autor Jay Lawrimore. "2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen." Für dieses Jahr sei Ähnliches zu erwarten. Dass der wahre Trend in den bisherigen Messreihen nicht herausgekommen sei, liege auch daran, dass die Arktis, wo sich die Erwärmung bekanntlich schneller vollzieht, dabei unterrepräsentiert sei. "Würden wir die Arktis stärker berücksichtigen, würden wir vermutlich einen noch viel höheren Erwärmungstrend sehen."

Die Studie erscheine plausibel, sagte Hans von Storch, Direktor des Hamburger Klimaforschungszentrums GKSS und prominenter Kritiker zahlreicher Arbeiten, dem Spiegel. "Wir sehen hier den üblichen Selbstkorrekturprozess der Wissenschaft", zitiert das Magazin den Chef des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Jochem Marotzke.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und der britischen Universität Leeds waren in einer Studie zu Beginn des Jahres ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine "Erwärmungspause" nicht gibt.

Der Beitrag wurde am 6. Juni um 23 Uhr ergänzt

klimaretter.info/vk

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