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UN-Bericht warnt vor klaffender Lücke

Die Bemühungen der Staaten, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken, reichen nicht aus: Im Jahr 2020 wird die Weltgemeinschaft voraussichtlich acht bis zehn Milliarden Tonnen klimaverändernde Gase zu viel in die Atmosphäre ausstoßen. Das geht aus dem diesjährigen Emissions Gap Report hervor, den das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP am Mittwoch vorgestellt hat. Die UN-Behörde errechnet darin die Menge an CO2-Äquivalent, die als Lücke zwischen der notwendigen Reduktion der klimaschädlichen Gase und den von den Regierungen ergriffenen oder versprochenen Maßnahmen liegt.

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Jenseits des Zwei-Grad-Limits drohen sogenannte Kipp-Elemente, nach deren Eintreten die Folgen des Klimawandels unabsehbar und teilweise unumkehrbar werden. (Grafik: Robert Rohde/Global Warming Art/Wikimedia Commons)

Um das Zwei-Grad-Ziel zum Ende des Jahrhunderts einhalten zu können, geht der Weltklimarat IPCC von 3.670 Milliarden Tonnen CO2 aus, die insgesamt in die Erdatmosphäre gelangen dürfen. Allerdings sind seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute laut dem UNEP-Report schon rund 1.900 Milliarden Tonnen CO2 emittiert worden. Unter Berücksichtigung weiterer klimaschädlicher Gase bleiben nur ungefähr 1.000 Milliarden Tonnen, die von jetzt an überhaupt noch ausgestoßen werden dürfen. Das bedeutet: Schon zwischen 2050 und 2070 und nicht erst 2100 muss die Welt klimaneutral wirtschaften.

Bei einem Business-as-usual-Szenario, also ohne weitere politische Bemühungen, würde der jährliche CO2-Ausstoß im Jahr 2020 nach den Berechnungen der UNEP bei 59 Milliarden Tonnen liegen. Werden die weltweiten Einsparziele bis dahin einbezogen, verbessert sich die Prognose auf 52 bis 54 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent. Um die 1.000 Milliarden Tonnen nicht zu überschreiten, dürften es aber höchstens 44 Milliarden Tonnen sein. So entsteht die Lücke von acht bis zehn Milliarden Tonnen – ohne klimapolitische Maßnahmen würde sogar eine Lücke von 15 Milliarden Tonnen entstehen.

Prognosen für die Jahre 2030 und 2050 gehen davon aus, dass sich die Lücke noch vergrößern wird. 2030 zum Beispiel dürften eigentlich nur noch insgesamt 42 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen werden – die Wissenschaftler prognostizieren allerdings zwischen 56 und 59 Milliarden Tonnen, sollte es bei den derzeitigen politischen Zusagen bleiben. Das entspricht einer Lücke von 14 bis 17 Milliarden Tonnen. Bliebe die Welt bei einem Business-as-usual-Verhalten, würden sogar 26 Milliarden Tonnen zu viel der klimaverändernden Gase in die Atmosphäre gelangen.

klimaretter.info/pie

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