Forscher: Fracking ist ein Klimakiller

Bei der Schiefergasförderung mit der umstrittenen Fracking-Technologie entweichen klima- und gesundheitsschädliche Gase aus den unterirdischen Lagern in die Atmosphäre. Das haben Wissenschaftler der Universität Innsbruck festgestellt. Das Forscherteam hat im US-Bundesstaat Colorado mit seinen zahlreichen Fracking-Bohrstellen einmal genau nachgemessen.

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Fracking-Bohrturm in den US-amerikanischen Appalachen. (Foto: Meredithw/Wikimedia Commons)

"Wir finden krebserregendes Benzol, giftigen und übelriechenden Schwefelwasserstoff und eine Vielzahl von Vorläufersubstanzen für gesundheitsschädliches Ozon in ländlichen Gegenden, wo man eigentlich saubere Luft erwarten würde", sagte Teamleiter Armin Wisthaler. Die Ergebnisse würden durch Messwerte aus anderen Fracking-Gebieten bestätigt.

Beim Fracking werden Sand, Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst, um Risse in den unterirdischen Gesteinsschichten zu erzeugen. Dadurch kann sogenanntes unkonventionelles Gas und Öl entweichen, sodass etwa die Förderung von Schiefergas möglich wird. Das sei auch deshalb nicht unbedenklich, so Wisthaler, weil es unbeabsichtigte Lecks gebe. Durch diese können die gefährlichen Gase unkontrolliert aufsteigen – auch das hochwirksame Treibhausgas Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas.

Die Messtechnik der Innsbrucker Wissenschaftler wurde speziell für das Projekt entwickelt und kann die Zusammensetzung von organischen Spurenstoffen in der Atmosphäre in Sekundenbruchteilen ermitteln. Die Instrumente laufen sowohl am Boden als auch an Bord eines Forschungsflugzeugs der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa, mit der das Team zusammenarbeitet.

Die USA erleben zurzeit einen Fracking-Boom. Zu sehr lockt das billige Schiefergas – trotz bekannter Risiken. In Deutschland will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) noch vor Jahresablauf ein Fracking-Gesetz in den Bundestag einbringen, momentan gibt es dafür noch keine gesonderte rechtliche Grundlage. Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung war im vergangenen Jahr daran gescheitert. Was genau in dem Gesetz stehen soll, ist aber noch unbekannt. Opposition und Umweltverbände vermuten: Das von ihnen geforderte generelle Fracking-Verbot wird es nicht geben.

klimaretter.info/scz

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