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EU-Klimabilanz schlechter als gedacht

Die Europäische Union hinterlässt einen viel größeren ökologischen Fußabdruck auf der Erde als bisherige Rechnungen suggerieren. Das ergab eine Studie des EU-geförderten Projekts CREEA zur Weiterentwicklung der umweltökonomischen Gesamtrechnung. Die Wissenschaftler stellten Länderbilanzen auf, die die ökologischen Auswirkungen der Importe einberechnen und die der Exporte abziehen. Ergebnis: Für das untersuchte Jahr 2007 müssten die durch die EU verursachten Treibhausgasemissionen um 25 Prozent auf 7,7 Gigatonnen CO2-Äquivalent nach oben korrigiert werden. Damit liegt die EU vor den USA mit 7,5 und China mit 7,3 Gigatonnen CO2. Bei den Pro-Kopf-Emissionen sind Australien, Luxemburg und die USA Spitzenreiter. Deutschland liegt weltweit auf Platz 14.

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Pro Sekunde trinken Deutsche über 2.000 Tassen Kaffee. Um das zu ermöglichen, wird viel Wasser und Land benötigt – nicht hier, sondern in den Ländern des Südens, denen das dann auf die Ökobilanz angerechnet wird. (Foto: Christoph/Pixabay)

Den Berechnungen zufolge verursachte die EU durch die Importe auch einen um 81 Prozent höheren Wasserverbrauch und liegt damit weltweit an der Spitze. Beim Rohstoffverbrauch sorgten Importe für eine Steigerung um 45 Prozent. Zur Herstellung der eingeführten Produkte wurde außerdem doppelt so viel Agrar- und Waldfläche benötigt, wie innerhalb der EU für die eigene Versorgung genutzt wurde. Die afrikanischen Länder, Kanada und Australien wiederum "exportierten" die größten Flächen.

Pro Kopf stieß Australien nicht nur am meisten CO2 aus, sondern beanspruchte auch das meiste Wasser und Land. Beim Rohstoffverbrauch lag das Land auf Platz zwei hinter Irland. China hingegen lag 2007 bei CO2-Ausstoß, Wasserverbrauch und Landnutzung pro Kopf noch unter dem weltweiten Durchschnitt. Beim Rohstoffverbrauch lag das Land bereits knapp darüber.

Die Autoren der Studie hoffen mit dem Projekt eine neue Ära der Ressourcenpolitik einzuleiten. Nach Angaben der EU-Koordination des Deutschen Naturschutzrings fordern Umweltorganisationen wie Friends of the Earth schon seit Jahren die Berücksichtigung von Ex- und Importen. Auch Ökonomen plädieren für eine Berücksichtigung solcher indirekten Emissionstransfers durch den Nord-Süd-Handel, zumal diese sich laut einer Studie der Uni Oldenburg zwischen 1990 und 2008 vervierfacht haben. Im Jahr 2011 hatte eine staatliche Studie für die Schweiz ergeben, dass die Pro-Kopf-Emissionen des Landes sich durch CO2-Importe fast verdoppeln. Der neuen Studie zufolge stößt ein Bundesbürger im Durchschnitt etwa sechsmal so viel CO2 aus, wie er eigentlich dürfte, um die Erderwärmung nicht weiter anzuheizen.

klimaretter.info/jop

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