Halo untersucht Kondensstreifen

Von Flugzeugen erzeugte Kondensstreifen sind möglicherweise klimawirksamer als der Kohlendioxidausstoß des Luftverkehrs. "Zwei verschiedene Berechnungsmodelle deuten darauf hin, dass die Kondensstreifen stärker auf die Klimaerwärmung wirken als das ausgestoßene CO2 von Flugzeugen, wenn auch nur in geringfügig stärkerem Maße", sagte Christiane Voigt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegenüber klimaretter.info. Bislang fehlen allerdings wirklich aussagekräftige Untersuchungen dazu. Am Montag startete nun das Forschungsflugzeug Halo, um genaue Daten über die Anzahl, Form und Größe von Eiskristallen in Eiswolken, den sogenannten Zirren, zu liefern.

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Schön anzusehen, aber Zirren und Kondensstreifen lassen die Temperaturen steigen. (Foto: Bernhard Mühr/Karlsruher Wolkenatlas/MPG)

Dünne Zirren und Kondensstreifen legen sich wie ein wärmender Schal um die Erde. Doch der Grad der Erwärmung hängt von vielen Parametern ab. Unter anderem beeinflussen die Form und Größe der Eispartikel, die zwischen einem Tausendstel Millimeter bis zu mehreren Millimetern liegen kann, ihre Strahlungswirkung. Unter bestimmten Voraussetzungen kühlen die Eiswolken sogar. Auch inwieweit sich die Eigenschaften der Kondensstreifen der Flugzeuge von denen natürlicher Zirren unterscheiden, ist bislang nicht geklärt.

Noch sind Bildung und Klimawirksamkeit von Wolken längst nicht bis ins Detail erforscht. Das schränkt die Zuverlässigkeit globaler Klimaprognosen erheblich ein. Die Ergebnisse, die Halo durch die Wolkenmessungen liefert, sollen nun mit Daten von Satelliten und Bodenstationen abgeglichen werden, um die Genauigkeit von Klimavorhersagen zu verbessern. Bevor das Forschungsflugzeug abheben konnte, wurden in mehrjähriger Vorbereitung neue Messmethoden entwickelt. Zudem wurde Halo technisch aufgerüstet. Knapp drei Tonnen wiegen die Geräte wie Laser und Sonden, mit deren Hilfe die Wissenschaftler unter der Leitung des DLR die Eiskristalle der Wolken untersuchen wollen.

Es wird geschätzt, dass der Luftverkehr einen Anteil von 3,2 Prozent am anthropogenen Treibhauseffekt hat und bis 2050 um jährlich drei Prozent wächst. Alle bisherigen Versuche, die Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima zu regulieren, sind weitestgehend fehlgeschlagen.

klimaretter.info/kir

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