Silikat ins Meer kippen bringt nix
Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben einem weiteren Geoengineering-Verfahren eine Absage erteit. Die Wissenschaftler untersuchten eine Technik, bei der große Mengen silikathaltiger Gesteinspartikel, sogenanntes Olivin, in den Weltmeeren aufgelöst werden, damit das Wasser mehr Kohlendioxid aufnehmen kann.

Olivin im Meer auflösen bringt mehr Schaden als Nutzen, sagen die Forscher des AWI. (Foto: Thomas Pettke/Institut für Geologie der Universität Bern)
Im Ergebnis hat sich zwar bestätigt, dass das Wasser durch eine solche Maßnahme mehr Kohlendioxid aufnehmen kann. Jedoch könne so nur ein kleiner Teil des weltweit freigesetzten Kohlendioxids gebunden werden, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Artikel des Fachmagazins Environmental Research Letters. Das Team um AWI-Forscher Peter Köhler hat errechnet: Wenn jährlich drei Gigatonnen fein gemahlenes Olivin in den Ozeanen aufgelöst würden, könnten im Ergebnis nur neun Prozent des heutigen von Menschen verursachten Kohlendioxidausstoßes kompensiert werden.
Damit sich das Olivin gleichmäßig im Wasser verteilt, müsste es zudem sehr fein gemahlen werden – was große Mengen an Energie verschlingen würde. Nach Schätzungen der Wissenschaftler würden 30 Prozent des im Ozean aufgenommen CO2 dadurch wieder freigesetzt. Hinzu käme die logistische Herausforderung, Olivin massenhaft abzubauen und über die Weltmeere zu verteilen.
Zudem führe das Verfahren zu deutlich stärkerem Wachstum von Kieselalgen. Die Gesteinspartikel enthalten Nährstoffe, sodass sich die Algen stärker ausbreiten können und mehr CO2 speichern. Damit liege gleichzeitig eine Ozeandüngung vor, die nach internationalem Recht nicht zulässig sei, so das Forscherteam. Modellrechnungen des AWI hatten bereits 2010 ergeben, dass für jede Tonne CO2, die durch dieses Verfahren aus der Atmosphäre in den Ozean verlagert werden könnte, die Lösung von etwa einer Tonne Olivin in Wasser notwendig wäre.
Vor einigen Monaten war die Debatte um technische End-of-pipe-Lösungen gegen den Klimawandel angeheizt worden, als der US-Unternehmer Russ George in einem privaten Geoengineering-Experiment 100 Tonnen Eisensulfat im Pazifik versenkt hatte.
Klimaretter.info/red
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