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Klimawandel verändert Europas Natur

Der Klimawandel hat Europa bereits spürbar verändert. Besonders gravierend wirkt er sich auf die Artenvielfalt aus. Mittlerweile sind ein Fünftel der Lebensräume und jede zehnte Art bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) in Kopenhagen, die das Ausmaß des Klimawandels in Europa untersucht hat.


Der Natterwurz-Perlmuttfalter ist vor allem in den Alpen und in den Bergen des Balkans heimisch. Er reagiert besonders sensibel auf Veränderungen seiner Umwelt. (Foto: Albert Vliegenthart. Lizenz: CC BY 3.0)

Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste, das jemals in Europa gemessen wurde. Die Durchschnittstemperaturen lagen 1,3 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Gegen Ende des Jahrhunderts könnten sie ohne eine ambitioniertere Klimaschutzpolitik den Prognosen zufolge um 2,5 bis 4 Grad Celsius höher liegen. Das treibt kälteliebende Tierarten gen Norden. Pro Jahrzehnt wandern die Arten durchschnittlich 17 Kilometer nordwärts sowie in den Gebirgen zehn Meter in die Höhe.

Allerdings gelingt nicht allen Arten die Anpassung gleichermaßen gut, denn die setzt voraus, dass die neuen Lebensräume ausreichend Nahrung bieten. "Gerade für Spezialisten wie bestimmte Schmetterlingsarten, deren Raupen sich an einzelne Futterpflanzen angepasst oder auf die Hilfe bestimmter Ameisenarten angewiesen sind, stehen die Chancen schlecht, diese Wanderung zu schaffen", erläutert Oliver Schweiger vom Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ), das zur Studie der EEA beigetragen hat. 

Auch auf die menschliche Gesundheit wirken sich die Wanderungsbewegungen der Tier- und Pflanzenwelt aus. Zum Beispiel wandert der Gemeine Holzbock gen Norden und vergrößert damit die Gefahrenzone für die Übertragung der Zeckenborreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis. Zudem verlängern die höheren Temperaturen die Pollensaison, die schon jetzt zehn Tage eher beginnt als noch vor 50 Jahren. Darüber hinaus ist mit wirtschaftlichen Schäden zu rechnen. So wird die Forstwirtschaft darunter zu leiden haben, dass die Brutzeit wärmeliebender Insekten länger wird. Hierdurch steigt der Schädlingsbefall.

"Der Klimawandel ist weltweit eine Realität, und das Ausmaß und die Geschwindigkeit dieses Wandels zeichnen sich immer deutlicher ab", sagte EEA-Exekutivdirektorin Jacqueline McGlade zur Vorlage der Studie. "Dies bedeutet, dass alle Bereiche der Wirtschaft und auch die Haushalte sich anpassen und dass die Emissionen reduziert werden müssen." Die Aussagen der Studie der Europäischen Umweltagentur dienen der EU-Kommission als Grundlage für eine europäische Anpassungsstrategie, die im kommenden März vorgestellt werden soll.

klimaretter.info/em

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