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"Bioenergie hilft Energiewende nicht"

Bioenergie kann "heute und in Zukunft keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten", heißt es in der Stellungnahme "Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen" der in Halle ansässigen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieressourcen wie der Photovoltaik, der Solarthermie und der Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden, schreibt die 20-köpfige Arbeitsgruppe, die das Papier verfasst hat. Zudem konkurriere Bioenergie potenziell mit der Herstellung von Nahrungsmitteln. Deshalb solle der Einsparung von Energie sowie der Verbesserung der Energieeffizienz Vorrang gegeben werden.


Hauptgebäude der Leopoldina in Halle: Die Nationale Akademie der Wissenschaften plädiert für Energieeinsparung statt Bioenergieausbau. (Foto: Gunther Tschuch/Wikimedia Commons)

Die Arbeitsgruppe "Bioenergie" wurde 2010 eingesetzt. Sie gibt Empfehlungen zur Nutzung von Bioenergie – also der Energie, die aus der Verbrennung nicht-fossiler, pflanzlicher Biomasse stammt oder aus Biokraftstoffen, die aus Biomasse hergestellt wurden.

Die Leopoldina – früher: Deutsche Akademie der Naturforscher – hat seit 2008 den Rang einer Nationalen Akademie der Wissenschaften. Sie ist als gemeinnützig tätiger eingetragener Verein organisiert und wird aus Mitteln des Bundes sowie des Bundeslandes Sachsen-Anhalt finanziert. Zentrale Aufgabe ist die Beratung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu aktuellen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Fragen.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) wies die Ergebnisse der Studie umgehend zurück. Die Leopoldina verkenne, dass es inzwischen "strenge Nachhaltigkeitskriterien" im gesamten Produktionsprozess gebe, mit denen die Konflikte verringert würden. Außerdem sei die Empfehlung der Experten unrealistisch, im Verkehrsbereich auf Ökostrom zu setzen, weil auf absehbare Zeit noch Verbrennungsmotoren den deutschen Fuhrpark beherrschen würden. "Mit ihrer unrealistischen Empfehlung für Sonnen- und Windenergie bleiben die Autoren der Leopoldina jede Antwort auf die Frage schuldig, wie schmutzige fossile Energie im Straßenverkehr ersetzt werden kann", sagte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann.

Die Lang- und Kurzfassung des Papiers plus Empfehlungen gibt es HIER zum Download

klimaretter.info/vk

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