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Erzgebirge soll zum Kraftwerk werden

Wissenschaftler des Leibnitz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) werden in den kommenden Monaten in der Erzgebirgs-Region um die Stadt Schneeberg bei Chemnitz seismologische Messung durchführen. Ziel ist es zu erkunden, ob sich die Gesteinsstrukturen für den Betrieb eines Geothermie-Kraftwerks eignen. Gemeinsam mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) informierte das Forschungsinstitut gestern die  Bürgermeister und regionale Verwaltung über das anstehende Vorhaben.


Das Vorbild in Frankreich: das petrothermale Kraftwerk Soultz-sous-Forêts (Foto: GEIE)

Wie auch der Bayrische Wald, der Schwarzwald und der Spessart besteht das Erzgebirge aus Kristallin-Gestein. Das Gestein weist eine sehr komplexe innere Struktur auf, die mit den bisherigen seismischen Verfahren nicht gut genug abgebildet werden konnte. Ein modernes 3D-Seismik-Verfahren soll es nun ermöglichen, die Gesteinsstruktur bis in eine Tiefe von fünf Kilometern abzubilden. Die Messergebnisse sollen auf ähnliche geologische Gebiete übertragen werden. "Die Kristallin-Gebiete für die Tiefengeothermie nutzbar zu machen, wäre für diese Zukunftsenergie ein großer Schritt nach vorne", sagte LIAG- Projektleiter Rüdiger Schulz, "und die Seismik ist vielleicht der einzige Schlüssel für den Zugang zum Kristallin in der Tiefe."

Stellen sich die Kristallin-Strukturen im Erzgebirge als geeignet heraus, soll zunächst eine Bohrung bis in 5.000 Meter Tiefe vorgenommen werden. Liegen die notwendigen Bedingungen vor soll in der Region ein Tiefengeothermie-Kraftwerk entstehen. Im Gegensatz zur oberflächennahen Geothermie, die Bohrungen bis in eine Tiefe von 400 Metern durchführt und nur zur Erzeugung von Wärme und Klimakälte eingesetzt werden kann, lässt sich mit Hilfe eines Tiefengeothermie-Kraftwerks auch Strom erzeugen. Weil es im sächsischen Untergrund jedoch kein heißes Wasser, sondern nur heißes Gestein gibt, soll das sogenannte petrothermale Verfahren eingesetzt werden. Bei diesem Verfahren wird kaltes Wasser unter hohem Druck in zuvor künstlich vergrößerte Risse in das Gestein gepresst und mit einer Temperatur von 90 bis 150 Grad Celsius wieder an die Oberfläche gepumpt. Über eine Dampfturbine wird Strom erzeugt.

"Erdwärme ist eine saubere Energie, die im Gegensatz zu Wind oder Sonne rund um die Uhr zur Verfügung steht", sagte Sachsens Umweltminister Frank Kupfer. "Schon aus diesem Grund ist ihre Nutzung vorteilhaft. Die Errichtung eines petrothermalen Kraftwerks in Sachsen wäre ein innovativer Beitrag zur Entwicklung der tiefen Geothermie in Deutschland und Europa."

Bislang gibt es in Deutschland nur drei Tiefengeothermie-Kraftwerke, die alle schon vorhandes heißes Wasser im Untergrund verwenden. Ein Vorbildprojekt für das potentielle Kraftwerk im Erzgebirge existiert bislang nur in Frankreich.

klimaretter.info/em

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