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"Climategate", der zweite Versuch

Erneut tauchen - pünktlich zum Durban-Gipfel - auf klima"skeptischen" Blogs gehackte Mails auf, die Betrügereien von Klimaforschern belegen sollen. Die verbreiteten Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen und die Betrugsvorwürfe längst widerlegt, sagt die betroffene University of East Anglia.

Von Toralf Staud

Ein paar Tage sind es noch bis zur Klimakonferenz von Durban. Und wie schon im Vorfeld des Kopenhagen-Gipfels 2009 tauchen plötzlich auf Blogs der Klima"skeptiker"-Szene E-Mails von Forschern der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia auf. Ein User namens "FOIA2011" (englische Abkürzung für "Informationsfreiheitsgesetz 2011") postete am frühen Dienstagmorgen auf mehreren Seiten einen Link zu einem russischen Webserver. Dort war eine zip-komprimierte Datei deponiert, die etwa 5.000 Mails und andere Unterlagen enthielt. Die Daten stammen offensichtlich aus demselben Hackerangriff, bei dem bereits die vor zwei Jahren veröffentlichten Privatnachrichten von Klimaforschern erbeutet worden waren.

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US-Klimaforscher Michael Mann nennt die neue Veröffentlichung "einfach erbärmlich". (Foto: Greg Rico/PennState)

Rasant verbreitete sich die Nachricht in der Leugnerszene. Von "Climategate II" ist bereits die Rede. Doch anders als vor zwei Jahren reagierte die betroffene Universität diesmal schnell. Ob alle Mails echt sind, habe wegen der "schieren Menge der Daten" noch nicht überprüft werden können", heißt es in einer ersten Stellungnahme der University of East Anglia. Und weiter: "Dies scheint ein genau geplanter Versuch zu sein, die Kontroverse um die Wissenschaft hinter dem Klimawandel neu anzufeuern."

Schwere Vorwürfe - die näherer Betrachtung kaum standhalten

In der Tat schreibt James Delingpole, ein klima"skeptischer" Blogger des britischen Daily Telegraph, bereits triumphierend, "die Wissenschaftler im Herzen der Klimawandel-Industrie" würden durch die Mails "in einem höchst unvorteilhaften Bild" gezeigt. Unter den Absendern und Empfängern der privaten Nachrichten sind prominente Forscher wie Michael Mann, Phil Jones, Ben Santer und Kevin Trenberth.

Als "wirklich erbärmlich" bezeichnete Mann, der als Professor an der Pennsylvenia State University lehrt, die neuerliche Veröffentlichung. "Wie bereits 2009 wurden Teile der E-Mails komplett aus dem Zusammenhang gerissen", erklärt die University of East Anglia in ihrer Stellungnahme. Und tatsächlich werden auch diesmal von den Bloggern nur kurze Zitate als Beleg für ihre These genutzt, die Klimaforscher seien Betrüger. Sie lauten beispielsweise: "Es ist entscheidend, Leute [in den Weltklimarat IPCC] zu bekommen, die wir kennen und denen wir vertrauen." Oder: "Sie [die Regierung] möchte die Story [es geht um Forschungsergebnisse] sehr stark, damit sie nicht lächerlich dastehen."

Der ultrakonservative US-Sender Fox News griff die neue "Story" sofort auf. Dort wird beispielsweise eine Mail präsentiert, die Peter Thorne, ein Mitarbeiter des britischen Wetterdienstes an CRU-Chef Phil Jones geschrieben habe: "Beobachtungen zeigen keinen Temperaturanstieg in der tropischen Troposphäre, es sei denn, man stützt sich auf eine einzige Studie und ignoriert eine Vielzahl anderer. Das ist einfach gefährlich. Wir müssen Unsicherheiten kommunizieren und ehrlich sein." Ein zweites Zitat aus einer späteren Mail lautet: "Ich denke auch, dass die Wissenschaft manipuliert ist, um ihr einen politischen Dreh zu verpassen - was langfristig gesehen für unsere Sache nicht besonders klug ist." Kommentar von Fox dazu: "Wirklich augenöffnend".

Doch betrachtet man die Mails im Zusammenhang, wie ihn die medienkritische US-Website Media Matters schildert, sieht die Sache anders aus: Der Mailwechsel habe im Februar 2005 stattgefunden und handele vom ersten Entwurf eines Kapitels im IPCC-Report, der ganze zwei Jahre später erscheinen sollte. Wie in der Forschung üblich, diskutieren die Wissenschaftler kontrovers über den geplanten Inhalt. Nachdem er seine Anmerkungen übermittelt habe, schreibe Thorne an Jones: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir diese Dinge relativ einfach klären können. Wie auch immer, ich würde mit dem gegenwärtigen Text ungern in Verbindung gebracht werden, wenn er bis zur Schlussfassung unverändert bleibt - aber ich bin absolut zuversichtlich, dass dies nicht der Fall sein wird." In der Passage des IPCC-Reports, um die es offenbar ging, ist letztlich dann auch ausdrücklich von bestehenden Unsicherheiten die Rede.

"Klimaforscher sind auch nur Menschen"

"Die Mails ... werfen keine substanziellen Fragen auf, die nicht bereits nach der ersten Mail-Veröffentlichung im November 2009 durch unabhängige Untersuchungen beantwortet wurden", zititiert der Londoner Independent Bob Ward vom Klimainstitut der London School of Economics. Bei den Untersuchungen waren die Forscher von Betrugsvorwürfen komplett freigesprochen worden, lediglich ein falscher Umgang mit Anträgen zur Offenlegung von Daten wurde vermerkt. Der Vorwurf, dass Temperaturdaten manipuliert wurden und die Erderwärmung nicht existiere, dürfte spätestens durch das aus Leugnerkreisen mitfinanzierte BEST-Projekt der Universität Berkeley endgültig widerlegt sein.

"Diese Mails zeigen, wie schon der erste Schwung, dass Klimaforscher auch nur Menschen sind", so Ward, "und unter ihnen gibt es dieselben Rivalitäten und Streitigkeiten, die es in anderen Berufen auch gibt."

Update: Auf der Website der University of East Anglia hat CRU-Chef Phil Jones den Kontext einiger der Mailzitate erklärt, die auf "Skeptiker"-Blogs verwendet werden.

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