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Dieselruß lässt den Meeresspiegel steigen

Rußpartikel treiben die Klimaerwärmung genauso stark wie Kohlendioxid voran. Filter könnten die Globalerwärmung um 0,5 Grad Celsius senken.

Von Nick Reimer

Rußpartikel aus Lastwagen, Autos, Schiffsmotoren und Baumaschinen treiben die Erderwärmung deutlich stärker an als bislang bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie für das UN-Umweltprogramm UNEP und die World Meteorological Organization. Demnach sind feinste Rußpartikel aus ungefilterten Dieselmotoren nicht nur für schwere Gesundheitsschäden von Menschen insbesondere in den Ballungszentren verantwortlich, sondern sie verstärken auch deutlich das Klimaproblem: Den Untersuchungen zufolge sind sie in der Arktis für fast die Hälfte der Eisschmelze verantwortlich.


Das Abschmelzen in der Arktis: das blaue Band ist die Prognose des Weltklimarates, die rote Kurve zeigt die tatsächlichen Messdaten der Satelliten. (Grafik: Rahmstorf)

Der IPCC hatte in seinem Sachstandsbericht Anfang des Jahrhunderts den Eisschwund prognostiziert - und sich gewundert, dass die Daten zehn Jahre später bereits von der Realität Lügen gestraft wurden: Die Arkis schmolz doppelt so schnell, wie von den Wissenschaftlern vorhergesagt. 2010 ist nicht nur eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Auch die Daten zur Schmelze des Grönlandeises belegen Rekordwerte. Die Schmelz-Saison hat demnach mitunter 50 Tage länger gedauert als im Mittel der Jahre 1979 bis 2009.

Nun hat die UNEP in der Studie einen Grund gefunden, warum die IPCC-Prognose so daneben lag: Dieselruß. Die nur Nanometer großen Partikel lagern sich auf den Eisflächen ab und bilden eine Art "Grauschleier". Dieser verhindert die Reflektion des Sonnenlichts und heizt die abgelagerten Teilchen auf - und beschleunigt so das Abschmelzen des Eises. Derselbe Effekt lässt übrigens auch die Inlandseisschilde schneller schmelzen.


Alltag in Indien: Bei Stromausfall springen die Notdiesel an - und sorgen für jede Menge Dieselruß. (Foto: Reimer)

Entsprechend schlagen Umweltschützer Alarm: Die globale Temperaturerhöhung könnte um rund 0,5 Grad Celsius im Jahr 2050 reduziert werden, wenn die Rußpartikel per Filter aus den Dieselabgasen gefiltert würden. Eine Reduktion hätte gleich zwei positive Auswirkungen, urteilt Dorothe Saar, Leiterin Verkehr der Deutsche Umwelthilfe: "Der vorzeitige Tod von jährlich bis zu 4,5 Millionen Menschen weltweit könnten verhindert werden, wenn der gesundheitsgefährdende Feinstaub eingedämmt wird. Zudem kann die arktische Eisschmelze und die damit ausgelöste zusätzliche Erderwärmung erheblich verringert werden."

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