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Schmidt, der IPCC und die Betrüger

Klima"skeptiker" auf der ganzen Welt freuen sich über eine Aussage des Altbundeskanzlers, in dem er Klimaforschern "Betrug" vorwirft. Doch Schmidt bestreitet das Zitat vehement.

Von Nick Reimer

Es war eine noble Veranstaltung, mit der die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) im Januar ihr hundertjähriges Bestehen feierte. In der Akademie der Künste am Brandenburger Tor saßen dicht an dicht Herren in dunklen Anzügen, eine von ganz wenigen Damen war Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Der Hauch der Geschichte wehte durch den Saal, an exakt dem selben Ort zur gleichen Stunde war genau ein Jahrhundert zuvor die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet worden, der Vorläufer der MPG.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt, MPG-Präsident Peter Gruss und Bundesforschungsministerin Annette Schavan beim Festakt zum 100. Jubiläum der Max-Planck-Gesellschaft am 11. Januar 2011 in Berlin   (Foto: MPG)

Höhepunkt des Tages war eine Festrede von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt. Ausführlich sprach der 92-Jährige darin über die "Verantwortung der Wissenschaft" angesichts "der im Beginn des 21. Jahrhunderts erkennbaren neuartigen Menschheitsprobleme". Es ging – in den für Schmidt typischen großen Gedankenbögen – um "die Überbevölkerung des Erdballs", um China und die globale Wirtschaftskrise und vieles andere. In drei Absätzen ging es auch um den Klimawandel; und falls unter den Zuhörern Fachleute waren, dürften ihnen dabei die Haare zu Berge gestanden haben.

Einige IPCC-Forscher hätten sich „als Betrüger erwiesen“, soll Schmidt gesagt haben

Zwar gab Schmidt zu, er sei "beunruhigt von dem Phänomen der globalen Erwärmung", allerdings wisse man "nicht, wie groß der vom Menschen verursachte Beitrag ist". Immerhin nannte er einen Abschied von fossilen Energiequellen im Laufe dieses Jahrhunderts "geboten", um "den menschlichen Beitrag zur globalen Erwärmung wirksam abzusenken". Aber dann – so ist es zumindest auf der Max-Planck-Website nachzulesen – griff er den Weltklimarat scharf an: "Die von einer internationalen Wissenschaftlergruppe (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) bisher gelieferten Unterlagen stoßen auf Skepsis, zumal einige der beteiligten Forscher sich als Betrüger erwiesen haben."

Ein heftiger Vorwurf – erst recht, wenn er auf einer Feierstunde einer der wichtigsten deutschen Forschungsorganisationen erhoben wird. Inhaltlich ist die Aussage offensichtlich verkehrt, reihenweise haben in den vergangenen Monaten offizielle Untersuchungen den IPCC oder auch Klimaforscher wie Phil Jones oder Michael Mann von Betrugsvorwürfen freigesprochen. Umso mehr jubelte die weltweite Gemeinde der Klima"skeptiker", als sie Anfang März auf das Schmidt-Zitat aufmerksam wurde. Benny Peiser, Sportsoziologe und einer der Wortführer der Szene, machte es als erster im neokonservativen Blog "Die Achse des Guten" publik. Englischsprachige "Skeptiker"-Websites wie "What’s up with that" oder "No Tricks Zone" und viele, viele andere griffen den Vorgang auf.

Der Altbundeskanzler hat die strittige Redepassage "so nicht vorgetragen"

Doch Peiser & Co. haben sich zu früh über einen prominenten Kronzeugen gefreut, Helmut Schmidt nämlich bestreitet die Aussage. Klimaretter.info fragte sein Büro bei der ZEIT, wo der Altbundeskanzler als Herausgeber arbeitet, nach dem Zitat. "Die Recherche hat ergeben, dass die Max-Planck-Gesellschaft einen Text von Herrn Schmidt ins Netz gestellt hat, den Herr Schmidt so nicht vorgetragen hat", lautete die Antwort. "Die Aufzeichnung der Rede und der Redetext vom 11. Januar 2011 zeigen, dass Herr Schmidt das Wort ´Betrüger´ für den Weltklimarat an keiner Stelle verwendet hat.“ (In der Fassung, die im Januar in der ZEIT abgedruckt war, fehlte der Angriff auf den IPCC ebenfalls.) "In Kürze", so das Büro von Schmidt, werde die MPG "den korrekten Text ins Netz stellen".

Hört man sich bei der Max-Planck-Gesellschaft um, so heißt es, der Altkanzler habe die Rede schon so gehalten. Offiziell aber war nur ein ausweichender Kommentar zu erhalten. Der Festvortrag sei "sehr beeindruckend" gewesen, ließ MPG-Präsident Prof. Dr. Peter Gruss mitteilen. "Wir nehmen die Forderung des Altbundeskanzlers sehr ernst, dass Wissenschaft immer auch ethische Folgen ihres Handelns mitbedenken muss." Und: "Die Inhalte seiner Rede vertritt Herr Schmidt."

Am Donnerstagmorgen waren die strittigen Worte noch auf der Website der Organisation zu lesen. Ob das Zitat wirklich falsch ist oder Schmidt sich nach näherer Prüfung von einer unbedachten Bemerkung distanzieren möchte, ist nicht ganz klar. Klar ist nur, dass der Altbundeskanzler die Klimaforscher nicht für Betrüger hält.

Mitarbeit: Toralf Staud

 

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