2009 trotzt der Krise den Rekord ab
Die Wirtschaftskrise hat auch für das Klima nicht viel gebracht: Laut Weltwetterorgansiation hat das globale Treibhausgas-Niveau im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreicht.
Von Sarah Messina
Seit Beginn der Industrialisierung war der Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphähre nie höher: Schwarz auf weiß nachzulesen ist das im Greenhouse Gas Bulletin der Weltwetterorganisation (WMO) für 2009, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde. "Kohlendioxid, Methan, Lachgas und andere wesentliche Treibhausgase haben trotz Wirtschaftskrise ein neues Rekordlevel erreicht", fasst WMO Generalsekretär Michel Jarraud das nüchtern zusammen.

Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre liegt mittlerweile bei 386 parts per million. Sorgen machen den Forschern jedoch auch potenzielle Methan-Emissionen aus tauenden Permafrostböden, wie etwa hier in Alaska. (Foto: Nasa/Olafur Ingolfsson)
Ohne Maßnahmen zum Klimaschutz wäre der Wert noch deutlich höher, warnte der Meteorologie-Experte. Alarmsignale gibt es Jarraud zufolge jedoch nicht nur durch das neue Rekord-Treibhausgas-Niveau - trotz Finanz-, Wirtschaftskrise und Produktionsrückgängen. Alarmsignale senden die Dauerfrostböden des Nordens, so wie die Moore und Sümpfe: In diesen seien gigantische Mengen Kohlenstoffs gespeichert – und könnten durch Temperaturveränderungen beim Tauen oder Austrocknen als Methan entweichen. "Drohende Methan-Emissionen aus tauendem Permafrost sind großer Anlass zur Sorge und sollten sehr genau beobachtet werden", so WMO-Generalsekretär Jarraud.
Methan (CH4) trägt zu 18,1 Prozent zum Klimawandel bei und ist das zweitwichtigste anthropogene Treibhausgas. Seit 1750 hat sein Anteil in der Atmosphäre vor allem durch Viehzucht, Reisanbau, oder durch Mülldeponien um satte 158 Prozent gestiegen. Während sich die Methan-Werte im Zeitraum 1999 bis 2006 temporär stabilisieren konnten, sind sie von 2007 bis 2009 wieder deutlich gestiegen – das WMO führt das unter anderem auf wärmere Temperaturen und gestiegene Emissionen aus Feuchtgebieten zurück.
Auch bei Lachgas (Distickstoffmonoxid N2O), das zu 6,24 Prozent zur Erwärmung beiträgt und anderen Treibhausgasen wie Halogenkohlenwasserstoffen, die zusammengenommen zu 12 Prozent für die Erwärmung verantwortlich sind, hat die WMO einen Anstieg verzeichnet.
Das wichtigste anthropogene Treibhausgas ist jedoch nach wie vor Kohlendioxid: Es trägt zu 63,5 Prozent zur globalen Erwärmung bei. Sein Anteil in der Atmosphäre ist der WMO zufolge seit Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Verbrennung von Kohle und Öl, Entwaldung und Landnutzung um 38 Prozent gestiegen – davon allein in der letzten Dekade jährlich um durchschnittlich 1,88 Prozent.
Anfang der Woche hatten bereits internationale Wissenschaftler des Global Carbon Projects erklärt, mit der Wirtschaft seien auch Kohlendioxid-Emissionen weltweit wieder auf Wachstumskurs: Der gesunkene Energieverbrauch durch Produktionsrückgänge habe 2009 bei weitem nicht die "Entlastung" für die Atmosphäre gebracht, die ursprünglich prognostiziert worden war. Setzt sich die Wirtschaft ihren Aufschwungs-Kurs fort, werde auch 2010 als neues Rekordjahr beim Kohlendioxid-Ausstoß in die Menschheitsgeschichte eingehen.

Je später die Menschheit den Peak erreicht, um so drastischer muss sie danach Klimaschutz betreiben. (Abbildung: Rahmstorf)
Der Wissenschaft zu Folge ist - will die Politik die Erderwärmung tatsächlich auf maximal zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts begrenzen - in der Atmosphäre noch Platz für 750 Gigatonnen Treibhausgase. "Bei der derzeitigen Wachstums-Rate der Kohlendioxid-Produktion haben wir das Kontingent in weniger als 10 Jahren verbraucht", so der Klimatologe Stefan Rahmstorf vom Postdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Wir müssen also deutlich vor 2020 eine Trendwende schaffen: Von jährlich steigenden Kohlendioxid-Mengen zu absolut sinkenden". Das Problem: Je später, desto abrupter wird der Kurswechsel ausfallen müssen.
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