Einstellen auf Extremwetter von morgen

Hochwasser und Stürme, Trockenheit und Waldbrände: In einer zunehmend vernetzen Welt haben Extremwetterereignisse immer weitreichendere Folgen. Über ihre Vorhersagbarkeit und den Einfluss des Klimawandels haben Wissenschaftler aus aller Welt in Potsdam in einem Workshop diskutiert.

Aus Potsdam Ricarda Schuller

Ob Überflutung in Pakistan oder Waldbrände in Russland - wenn Extremereignisse heute auftreten, sind ihre Auswirkungen häufig viel dramatischer als noch vor einhundert Jahren. Davon sind die Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) überzeugt: "Die Welt ist heute viel vernetzer als früher", sagt Jürgen Kurths, Mathematiker am PIK. "Und diese Tendenz nimmt immer weiter zu."

ueberschwemmung-US-Airforce_Überschwemmungen, Dürren und andere Extremwetterereignisse beschäftigen die Wissenschaftler. (Fotos: US Department of Defense)

Mit welchen Methoden sich solche Ereignisse vorhersagen lassen, diskutieren Wissenschaftler aus aller Welt derzeit auf einem dreitägigen Workshop in Potsdam. Das PIK und das Dresdner Max-Planck-Institut für die Physik komplexer Systeme haben das Treffen vom 27. bis 29. September organisiert, im grün bestuhlten Saal tragen geladene Experten per Power Point Methoden vor, mit denen sie das Vorkommen von Extremereignissen berechnen. Nach den Vorträgen und in der Kaffeepause wird unter den Wissenschaftlern diskutiert, viele davon schreiben gerade ihre Doktorarbeit und tragen Jeans. Auch der Klimawandel ist ein Thema. Dabei ist klar: Er dürfte bei der Entstehung von Extremwetterereignissen eine Rolle spielen.

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Buschfeuer und Waldbrände werden durch Dürre und Trockenheit angeheizt

Folgen von Extremereignissen sind zunächst zwar immer noch regional, können dann aber ziemlich schnell Wellen auslösen. "Ein Erdbeben in einer Region kann zum Beispiel zu einer Finanzkrise in einem anderen Teil der Welt führen wenn sich dort beispielsweise ein Absatzmarkt befindet", sagt Kurths. Zudem würden heute immer mehr Menschen auf immer engeren Raum leben - was auch Extremereignisse wie Fluten oder Hurrikans immer dramatischer "einschlagen" lässt.

Nicht bei allen, aber bei bestimmten Extremwetterereignisse gibt es Indizien, dass sie durch den Klimawandel häufiger auftreten, berichtet Mathematiker Kurths: "Wir beobachten zum Beispiel, dass es in manchen Regionen in den letzten 50 Jahren mehr Überflutungen gegeben hat. Zudem liegt den Wissenschaftler zufolge die Vermutung nahe, dass die sogenannten "Teleconnections", also Wetterereignisse, die sich gegenseitig beeinflussen, durch den Klimawandel verändert werden könnten. So gibt es beispielsweise einen Zusammenhang zwischen dem Klimaphänomen El Ninjo und dem Monsun. Der Klimawandel könnte dazu führen, dass die Stärke von Extremwetterereignissen zunimmt.

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Die Flut in Pakistan hielt über Monate ein Fünftel des Landes unter Wasser

Extremereignisse wie Naturphänomene exakter vorhersagen zu können, wird nach Ansicht der Wissenschaftler vom PIK daher immer wichtiger. Die etwa hundert Wissenschaftler, die am Workshop teilnehmen, bewegen sich dabei allerdings auf einem schwierigen Terrain. Das Forschungsgebiet ist noch relativ jung, welche Faktoren im Zusammenspiel zu Klimaphänomen führen, ist den Wissenschaftlern teilweise noch ein Rätsel. 

"In der Klimaforschung sprechen wir oftmals von Wahrscheinlichkeiten, weil wir noch nicht genug Wissen haben, sagt J. Doyne Farmer, Physiker am US-amerikanischen Santa Fe Institute: "Aber schon diese Wahrscheinlichkeiten reichen aus, um uns mit den Gefahren des Klimawandels zu beschäftigen". Daher sei auch schon heute Handeln gefragt. Wenn man nämlich erst dann handele wenn die schwersten Folgen des Klimawandels wie etwa Überflutungen ganzer Landstriche schon eingetreten sind, warnt Farmer, käme das die Gesellschaft viel teurer als vorzusorgen und sich auf die Extremereignisse der Zukunft vorzubereiten.

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